Wertvolle Gülle

Bodennahe Gülleausbringung im Feldversuch am Samerberg.

Frühlingsluft liegt in der Luft! In Rosenheim und Umgebung bedeutet das: Es riecht auch nach Odel. Was etwas stinkt, ist für die landwirtschaftlichen Flächen ein wichtiger Dünger. Doch wie funktioniert das eigentlich mit der Gülle, und warum ist sie so heiß diskutiert?

In den Medien hört man oft, Gülle ist schuld an einer zu hohen Nitratbelastung des Grundwassers. Das kann passieren, wenn zu viel Stickstoff gedüngt wurde und kein Pflanzenbewuchs vorhanden ist, der den ausgebrachten Stickstoff aufnehmen könnte. Dann wird Nitrat ausgewaschen und gelangt ins Grundwasser. Doch von Anfang an:

Gülle fällt bei der Tierhaltung an. Im Kuhstall vermischen sich Kot und Harn der Rinder mit Einstreu und Futterresten und werden so zu Gülle. Die Gülle ist für die Landwirte ein wertvoller Dünger – sozusagen ein „organischer Flüssigvolldünger“. Sie enthält alle Nährstoffe, die die Pflanze zum Wachsen benötigt. Stickstoff, Phosphor und Kalium sind dabei am bedeutendsten. „Durch die Gülledüngung kann der Landwirt mineralischen Dünger einsparen“, erklärt Felix Forster vom Sachgebiet Pflanzenbau beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim. Das ist gut, weil die Herstellung von mineralischem Sickstoffdünger sehr energieaufwändig ist. Ungefähr die Hälfte des Stickstoffs aus der Gülle kann die Pflanze sofort aufnehmen, sie wirkt wie Mineraldünger. Die andere Hälfte des Stickstoffs ist in der organischen Masse der Gülle gebunden. Diese Nährstoffe stehen den Pflanzen zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung.

Ammoniak in der Luft

Sobald aus den einzelnen Bestandteilen Gülle wird, beginnen Umbauprozesse. Der Harnstoff aus dem Urin der Kuh wird zu Ammoniumstickstoff umgebaut. Die Pflanze kann den Stickstoff in Form des Ammoniums aufnehmen. Hat die Gülle Luftkontakt, so wird Ammonium in Ammoniak umgewandelt. „Dies führt dann zum typischen Güllegeruch“, erklärt Forster. Die Ammoniakverluste müssen jedoch möglichst geringgehalten werden, um die sogenannte NEC-Richtlinie zur Reinhaltung der Luft zu erfüllen. Bis 2030 müssen in Deutschland 29 Prozent der Ammoniakemissionen gegenüber 2005 eingespart werden. 95 Prozent dieser Emissionen kommen aus der Landwirtschaft. Deshalb muss der Bauer die Gülle seit diesem Jahr auf den bestellten Feldern mit bodennaher Technik ausbringen.

Nitrat im Grundwasser

Das Ammonium wird in einem weiteren Schritt zu Nitrat umgewandelt. Die Pflanzen nehmen den Stickstoff vor allem in dieser Form auf. Damit Grundwasser und Luft sauber gehalten werden, ist der Landwirt verpflichtet, genau zu berechnen, wie viele Nährstoffe die Pflanzen auf seinem Acker aufnehmen können.

Wenn zu viel Nitrat im Boden ist, besteht die Gefahr, dass das Nitrat in tiefere Bodenschichten ausgewaschen wird und das Grundwasser belastet. Das kann passieren, wenn zuviel gedüngt wird, weil etwa sehr große Ställe nicht ausreichen Flächen haben, um die anfallende Gülle pflanzenbaulich sinnvoll zu verwerten. „Im Alpenvorland ist die Situation etwas anders“, so Forster. Hier herrsche vor allem Rinder- oder Milchviehhaltung, die mit Gras oder Mais gefüttert werden. Der Transport des Futters ist teuer. Daher ist die Tierhaltung der Region mit dem Futterangebot verknüpft – die Landwirte bewirtschaften also in der Regel ausreichend große Flächen für ihr Gülleaufkommen. Das ist ein Kreislauf, der den Bauern ein Auskommen sichert und verträglich für die Umwelt ist.

Eine weitere gute Nachricht hat Forster dabei: „Die Nitratwerte im Grundwasser liegen im Landkreis deutlich unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten.“

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