Finanzielle Hilfen

Mietpreis-Wahnsinn in der Region: Wie Sie sich trotzdem eine schöne Wohnung leisten können

Gerade für Alleinerziehende ist es schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
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Gerade für Alleinerziehende ist es schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Rund 9,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter muss man in Wasserburg für eine Wohnung hinblättern – je nach Angebot sogar mehr. Das ist zwar noch weit entfernt von Münchner Verhältnissen. Doch auch die Wasserburger Preise sind für Menschen mit geringem Einkommen schwer zu stemmen.

Und: die Mieten ziehen weiter an. Bezahlbarer Wohnraum wird damit zu einer der größten Herausforderungen der Zukunft.„Der Trend der letzten Jahre hat sich auch in Wasserburg verschärft“, sagt Bürgermeister Michael Kölbl. Es gebe immer weniger bezahlbare Wohnungen. Das liege auch daran, dass man sich im Einzugsgebiet von München befinde.

Doch was tun, wenn das Geld einfach nicht reicht? Menschen, die unter bestimmte Einkommensgrenzen fallen, können einen Wohnberechtigungsschein beim Landratsamt beantragen. „Mit dieser Bescheinigung kann ein Mieter nachweisen, dass er berechtigt ist, eine mit öffentlichen Mitteln geförderte Wohnung zu beziehen“, erklärt Ina Krug, Pressesprecherin vom Landratsamt Rosenheim.

Über 650 „Sozialwohnungen“ im Landkreis

Diese „Sozialwohnungen“, wie sie im Volksmund genannt werden, zeichnen sich durch geringere Mietpreise aus – weil sie mit Darlehen und Zuschüssen von Bund, Ländern oder Gemeinden finanziert wurden. Durch die zinsgünstigen Mittel ist es möglich, den Mietpreis günstiger zu halten, als beim freifinanzierten Wohnungsbau. Die Zahl der vom Landkreis betreuten Sozialwohnungen, für die man einen solchen Nachweis braucht, liegt bei 657. Dazu kommen Sozialwohnungen der Städte, Märkte und Gemeinden.

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Wohngeld für Menschen mit wenig Einkommen

Eine andere Möglichkeit, mit der einkommensschwache Menschen unterstützt werden, ist Wohngeld. „Das ist ein Zuschuss zum Wohnen“, so Krug. Es ist unterteilt in einen Mietzuschuss für Mieter und einen Lastenzuschuss für Eigentümer.

Finanzielle Hilfen sind gut – doch sie bringen nichts, wenn der Wohnraum fehlt. Dieses Problem nehmen viele Kommunen selbst in die Hand. So wurde auch in Wasserburg vielerorts gebaut. In der Hermann-Schlittgen-Straße in der Burgau hat die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft 33 geförderte Wohnungen errichtet. Die Stadt Wasserburg hat der GWG den Grund unter der Voraussetzung verkauft, über 25 Jahre die Mieter mitbestimmen zu dürfen. Wer eine solche Wohnung mieten will, muss einen Wohnberechtigungsschein vorlegen. Die Mietpreise kalt bewegen sich zwischen 5,50 und 7,50 Euro pro Quadratmeter.

Stadt als Bauherrin

Die Stadt Wasserburg ist auch selbst als Bauherrin aufgetreten. In der Ponschabaustraße im Burgerfeld hat sie eine Wohnanlage mit 23 geförderten Wohnungen errichtet. Die Kaltmiete beträgt rund 8,50 Euro pro Quadratmeter.

„Es war mir wichtig, dass die Stadt auf dem Wohnungsmarkt vertreten bleibt, um die Mieter nach sozialen Kriterien auswählen zu können“, sagt Bürgermeister Kölbl. Klar war auch: Man wollte kein „Preistreiber“ sein. Die Mieten sollten am unteren Rand des Mietspiegels bleiben.

Ein Glücksfall, dass man in Wasserburg gleich zwei Grundstücke zur Verfügung hatte – das eine war im Besitz, das andere wurde geerbt. Mit der GWG hat man sich einen Partner gesucht, um nicht beide Bauvorhaben stemmen zu müssen. Das Projekt in der Burgau läuft über eine einkommensorientierte Förderung, im Burgerfeld wird über ein kommunales Wohnbauförderungsprogramm unterstützt.

Sozialbau geht auch in schön: Wohnanlage in der Ponschabaustraße Wasserburg.

Modern wohnen für wenig Geld

„Sozialwohnung“, da denken viele an einen Wohnblock in einem Brennpunktviertel. „Diese Assoziation ist falsch“, betont Kölbl. Im Gegenteil: Was da in der Ponschabaustraße entstanden ist, zeigt modernen und zeitgemäßen Wohnraum auf hohem Niveau. Dank der Holz-Hybrid-Bauweise und einer Luftwärmepumpe zur Beheizung liegt der berechnete Endenergiebedarf für das Gebäude bei lediglich 15,5 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Das Niedrigenergiehaus ist barrierefrei, hat einen Aufzug und viele gemeinschaftliche Aufenthaltsflächen. Die Wohnungen haben entweder einen Gartenanteil oder einen Balkon. Das Angebot reicht von kleinen Ein-Zimmer-Appartements bis zu familiengerechten Vier-Zimmer-Wohnungen.

Einen Wohnberechtigungsschein braucht man nicht. Für die Auswahl der Mieter gibt es ein Punktesystem. Menschen, die schon länger in Wasserburg leben oder arbeiten, die Familie haben oder eine Behinderung, werden bevorzugt.

Sozialer Mix statt sozialer Brennpunkt

Die Wohnungen waren schnell belegt. „Wir hatten über hundert Bewerbungen mehr als Wohnungen“, so Kölbl. Das Vorhaben, über den Auswahlprozess eine soziale Mischung zu schaffen, ist gelungen. In der Ponschabaustraße wohnt laut Kölbl „ein bunter Querschnitt der Bevölkerung“. Darunter: Rentner, anerkannte Asylbewerber, städtische Mitarbeiter, Schwerbehinderte, Familien.

Gelöst wurde das Wohnraumproblem damit in Wasserburg nicht. „Nein, völlig entschärfen konnten wir nicht, das ist klar“, so der Bürgermeister. Doch die neuen Wohnanlagen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Und sie zeigen, dass zeitgemäßes Wohnen auch zu annehmbaren Preisen möglich ist.

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