THEMENSCHWERPUNKT IM APRIL: LANDWIRTSCHAFT & GARTEN

Mehr Wertschätzung! Nachhaltige Landwirtschaft geht alle etwas an

Landwirtschaft, Kalb
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Nachhaltige Landwirtschaft geht alle etwas an.
Flächenverbrauch Ackerfläche Weltbevölkerung
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Flächenverbrauch: 7,5 Mrd. Menschen teilen sich eine globale Ackerfläche von 1,5 Mrd. Hektar
Grafik Landwirtschaft Nachhaltigkeit Garten Fläche
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Das sind 2000 m2 pro Person für den Anbau von Getreide, Reis, Kartoffeln, Obst, Gemüse, die Produktion von Zucker, Tierfutter, Fleisch, Milch und Eier, Baumwolle, Tabak, Bio-Gas/Bio-Diesel und nachwachsende Rohstoffe für die Industrie.
Themenschwerpunkt Garten Landwirtschaft Nachhaltigkeit
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Neue Ansätze in der Landwirtschaft.
Grafik Anteil Ökolandbau Themenschwerpunkt Landwirtschaft und Garten
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9% der landwirtschaftlichen Fläche wird für den Ökolandbau genutzt. Deutschland liegt damit weit hinter anderen europäischen Ländern.
Grafik Themenschwerpunkt Landwirtschaft und Garten
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Den höchsten Anteil ökologisch genutzter Landwirtschaftsfläche haben Österreich und Schweden mit 21 bzw. 18 %
Grafik Themenschwerpunkt Landwirtschaft und Garten Ökobetriebe Rosenheim
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Ökobetriebe im Landkreis Rosenheim.
Grafik Themenschwerpunkt Landwirtschaft und Garten Erträge und Preise Ökolandbau
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Erträge und Preise im Öko-Landbau.
Grafik Themenschwerpunkt Landwirtschaft und Garten Ökolandbau Vorteile
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Vorteile des Öko-Landbaus.
Grafik Themenschwerpunkt Landwirtschaft und Garten Bauernschwund Rind
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Rückgang der Betriebe in der Rinderhaltung

Sojafelder, soweit das Auge reicht. Schweine in Ställen eingepfercht. Landmaschinen, die Pflanzenschutzmittel versprühen – das ist Landwirtschaft, wie sie keiner sehen will. Doch diese industrielle Produktion von Nahrungsmitteln ist in den USA, Südamerika oder inzwischen auch Russland an der Tagesordnung. 

Rosenheim/Mühldorf – Kein Wunder: die Menschheit und damit der Bedarf an Lebensmitteln wächst. Manch einer kann sich den höheren Preis von regionalen oder Bio-Produkten nicht leisten. Und viele wollen einfach nicht. Solange „Geiz ist geil“ gilt, wird sich in der Landwirtschaft auf globaler Ebene nichts verändern. 

Bauern unter Preisdruck 

Der Preisdruck wird auch von anderen Seiten verstärkt. Mit Nahrungsmitteln wird an den Börsen spekuliert und sie werden je nach Angebot und Nachfrage quer über den Planeten transportiert. Zwischen den Lebensmitteleinzelhandelsketten herrscht ein knallharter Preiskampf, der nach unten zu den Erzeugern durchgereicht wird. 

Landwirtschaft in der Region ist kleinteilig

Flächenverbrauch, etwa durch Straßen- und Wohnungsbau, zwingt Landwirte zu mehr Produktivität. Verlierer in diesem Business sind nicht nur die Bauern. Intensiver Anbau, industrielle Tierhaltung und die Chemiekeule schaden der Umwelt. Nachrichten von belastetem Grundwasser, von Antibiotika im Fleisch, vom Rückgang der Artenvielfalt und Tierquälerei in Mastbetrieben rütteln nicht nur Umweltschützer auf.  Doch einfach die ganze „Landwirtschaft“ über einen Kamm zu scheren und zum Schuldigen zu machen, ist falsch. 

Landwirte aus der Region wirtschaften nachhaltig

In der Region Rosenheim und Mühldorf zum Beispiel sieht die Situation anders aus. Es gibt Landwirte, die alle ihre Tiere mit Namen kennen. Die Höfe werden über viele Generationen von der gleichen Familie bewirtschaftet, die ein großes Interesse daran hat, den Betrieb auch an die zukünftigen Nachkommen nachhaltig zu übergeben. 

In Bauerngärten finden sich viele verschiedene Pflanzen und Tiere

Im Voralpenland hat sich schon aus rein geografischen Gründen eine kleinteilige Landwirtschaft durchgesetzt. In einem naturnahen Bauerngarten finden sich bis zu 10.000 verschiedene Arten. Viele regionale Molkereien verarbeiten nur noch Milch, die ohne den Einsatz von Glyphosat produziert wird.

Man sieht: Bauernhof ist nicht gleich Bauernhof. Doch während viele Landwirte der Region schon viel für die Umwelt tun, sehen sie sich mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert wie ihre industriell produzierenden Kollegen. Sie leiden etwa unter zunehmenden Bürokratieauflagen und müssen sich im Preiskampf behaupten. 

Dann auch noch als Umweltsünder hingestellt zu werden – das frustriert viele der regionalen Landwirte. Natürlich hatte das Bürgerbegehren „Rettet die Bienen“ seine Berechtigung. Doch beziehen sich seine Forderungen eben nicht nur auf die Landwirte. Artenschutz geht auch Privatpersonen oder Kommunen etwas an. 

Deswegen hat der Planet-Heimat-Themenmonat „Landwirtschaft“ keine einfache Aufgabe. Es geht darum, Verbesserungsmöglichkeiten, Probleme, aber auch positive Aspekte der Landwirtschaft zu beleuchten. Allerdings nicht allgemein, sondern mit einem genauen Blick auf die Situation in der Region. Das wird vielleicht zeigen, dass für eine nachhaltige Landwirtschaft nicht nur die Bauern, sondern alle gemeinsam verantwortlich sind.

Modellregion Mühldorf wächst 

Seit 1. Juni 2014 gibt es eine Öko-Modellregion im Landkreis Mühldorf a. Inn. Im Juni 2019 hat der Landkreis die Trägerschaft der Öko-Modellregion Mühldorfer Land übernommen, um das ursprünglich von den Kommunen Buchbach und Schwindegg initiierte Modell auf den gesamten Landkreis auszuweiten.

Die 3 Säulen einer Nachhaltigen Landwirtschaft

Ökonomie 

Ohne faire Preise für die Landwirte wird die bäuerliche Kulturlandschaft verschwinden. Subventionen müssen zukünftig für die Bodenpflege und den Humusaufbau gewährt werden und nicht als Flächenprämie. Den Erhalt der Kulturlandschaft und der Verzicht auf Agrarindustrie sollte allen etwas wert sein.

Ökologie 

Nicht nur die intensive Landwirtschaft verursacht Bodendegradation und Grundwasserbelastung. Industrie≠ und Siedlungsabwässer sind ebenso problematisch wie Feinstaub und Gummiabrieb aus dem Verkehr. Dennoch ist eine naturverträgliche (Bio≠) Landwirtschaft ein dringendes Gebot der Stunde. Hier muss die Politik handeln und die Verbraucher müssen entsprechend einkaufen.

Soziales 

Nicht nur die Preise für landwirtschaftliche Produkte – auch der Umgang mit den Bauern ist manchmal unfair. Sie erzeugen die Lebensmittel und verdienen dafür Wertschätzung. Doch gerade für kleinere Betriebe sind ausufernde Auflagen und Bürokratie eine Extrembelastung. Ist es etwa gewollt, die immer weniger verbleibenden Betriebe zu immer höheren Investitionen zu treiben?

Der eigene Garten als Beitrag zur Lösung

Obst und Gemüse selbst anbauen – da weiß man, was man hat. Kein Wunder, dass sich Haus- und Kleingärten immer größere Beliebtheit erfreuen. Schöner Nebeneffekt für die Natur: Je vielfältiger der Garten, desto mehr Artenvielfalt ermöglicht er.

+++ Der bayernweit ausgeschriebene Tag der offenen Gartentüre wird im Landkreis Rosenheim traditionell als Radtour von Garten zu Garten angeboten. Mehr dazu unter: www.kreisverband-rosenheim.de. +++

Europameister der grünen Daumen: Insgesamt gibt es in Deutschland 17 Millionen Gärten, rund 2 Millionen Gartenbesitzer in Bayern bewirtschaften eine Fläche von etwa 135.000 Hektar. Mehr als 900.000 Hobbygärtner sind unter dem Dach des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde organisiert.

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