Digitalisierung

Rosenheimer Wirtschaftsdezernent erklärt, was eine „Smart City“ ist

Rosenheims Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl.
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Rosenheims Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl.

Digitalisierung kann für eine Kommune erhebliche Vorteile bieten. Um den Bürgern das Leben zu erleichtern und die Umwelt zu schonen, soll Rosenheim zur „Smart City“ werden.

Drei Säulen soll die „Smart City“ Rosenheim haben: die „digitale Infrastruktur“, die „digitale Stadtverwaltung“ und die „digitale Stadtgesellschaft“. Bei der ersten Säule geht es um die Versorgung mit Breitband, 5G und WLAN, die zweite Säule beschäftigt sich mit der Einführung neuer IT-Möglichkeiten in der Stadtverwaltung, die dritte Säule bezieht andere Akteure wie die Stadtwerke, die RoMed-Kliniken oder das Gründerzentrum „Stellwerk 18“ ein. Was bringt das der Stadt, den Bürgern und der Umwelt? Das haben wir Thomas Bugl, Rosenheims Wirtschaftsdezernent, gefragt.

Eine Stadt von der Größe und den Möglichkeiten Rosenheims kann bei Smart City-Projekten nicht in einer Weise Vorreiter sein wie die Vorzeigestädte Barcelona oder Wien. Die Stadt verfolgt aber eine klare Strategie für ihre Smart City-Projekte. Das verhindert einen Gemischtwarenladen aus unzähligen Einzelmaßnahmen, die aber nicht zusammenspielen und für die Bürger keinen wirklichen Zusatznutzen erzeugen.

Drei Ziele für die Stadt Haben Sie Beispiele einer „Smart City“ für uns?

Thomas Bugl: Die Stadt verfolgt aktuell drei Ziele: Erstens die Schaffung einer Open Data-Plattform für Rosenheim, auf der im Idealfall alle zu Rosenheim öffentlich zugänglichen Daten verfügbar sind. Das ist für die Technische Hochschule und ihre Studenten ebenso wie für unser Digitales Gründerzentrum „Stellwerk 18“ von wesentlicher Bedeutung für mögliche anwendungsorientierte Projekte.

Rosenheim rüstet sich für die digitale Zukunft und wird zur „Smart City“.

Zweitens verfügt Rosenheim dank der städtischen Kabelgesellschaft komro inzwischen über ein flächendeckendes sogennantes LoraWan-Netz, über das speziell sensorgestützte Daten übertragen werden können. In diesem Bereich experimentieren inzwischen die Stadtwerke Rosenheim, aber etwa auch das Karolinen-Gymnasium mit Sensoren zur Raumluftmessung in Klassenzimmern. Der dritte, eher forschungsorientierte Schwerpunkt ist die Steuerung des Verkehrsflusses und des ruhenden Verkehrs. Unter anderem hierzu hat sich die Stadt für ein Förderprojekt zur Entwicklung eines Integrierten Digitalen Entwicklungskonzepts beworben.

„Smart City“ lässt sich nicht als ein in sich geschlossenes Projekt mit konkretem Inhalt und fixem Enddatum begreifen. Wir stehen ganz am Anfang einer technologischen Entwicklung, von der niemand sagen kann, wohin und wie weit sie geht. Das ist eine Daueraufgabe. Sie richtet sich nicht zuletzt an die örtliche und die regionale Wirtschaft. Deshalb verbietet sich auch eine Kostenprognose. Das wäre Kaffeesatzleserei. Als Chief Digital Officer fungiert Rosenheims Zweiter Bürgermeister Daniel Artmann. Er kümmert sich gezielt um Belange der Wirtschaft in der Stadt und der Digitalisierung.

Produkte und Verfahren neu denken Warum brauchen wir eine „Smart City“?

Bugl: Wenn es etwa gelingt, durch Sensoren im Straßenbelag präziser vorhersagen zu können, wann es auf welchen besonders exponierten Straßenabschnitten zu Glatteisbildung kommt, ließen sich Streufahrzeuge viel gezielter einsetzen. Das ist zum Beispiel ein Projektvorschlag des Leiters unserer Stadtgärtnerei. Generell gilt: Smart City-Technologien bieten die Möglichkeit, Produkte und Verfahren ganz neu zu denken. Der Erfolg solcher Projekte hängt am Ende immer davon ab, ob und in welcher Höhe sich ein Zusatznutzen für die Verbraucher beziehungsweise die Menschen in unserer Stadt einstellt.

Welchen Nutzen hat eine „Smart City“ für die Umwelt?

Bugl: Da gibt es mehrere Anwendungsfälle: Gelingt die sensorgestützte Messung einer möglichen Glättebildung auf dem Fahrbahnbelag, lässt sich damit in beträchtlichem Umfang Streusalz sparen. Gelingt die Verflüssigung des Verkehrs, sparen wir erhöhte Kraftstoffverbräuche und Feinstaub-Belastungen durch den Stop-and-go-Verkehr. Gleiches gilt für die angestrebte Vermeidung des Parksuchverkehrs. Über die Raumluftsensoren am Karolinen-Gymnasium lassen sich bei zu hoher Heizleistung und daraus folgenden zu hohen Temperaturen in den Klassenzimmern Energieverbräuche einsparen.

Generell gilt: Wir stehen erst am Anfang einer allen Analysen nach exponentiell verlaufenden technologischen Entwicklung. Die derzeitige Grenze für weitere mögliche Entlastungen der Umwelt bildet bei den technischen Möglichkeiten der Digitalisierung der menschliche Erfindergeist selbst.

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