Projekt für selbstbestimmtes Wohnen in Amerang

Prof. Dr. Sabine Ittlinger (rechts vorne) mit der Projektgruppe .
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Prof. Dr. Sabine Ittlinger (rechts vorne) mit der Projektgruppe .

Wie kann „Wohnen daheim“ auch für Senioren und Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung möglich werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Projekt „DeinHaus 4.0“ unter anderem in Amerang. Dort entsteht bis April 2021 in Kooperation zwischen Technischer Hochschule Rosenheim und Ernst Freiberger Stiftung Amerang am Marktplatz ein Wohnkompetenzzentrum mit Ideenwerkstatt und zwei Musterwohnungen.

Was es damit auf sich hat, verrät Prof. Dr. Sabine Ittlinger von der Fakultät für angewandte Gesundheits- und Sozialwissenschaften der TH im Interview.

Frau Prof. Ittlinger, wohin entwickelt sich der Trend bei der Pflege und Unterbringung von älteren oder eingeschränkten Menschen?

Prof. Dr. Sabine Ittlinger: In Deutschland leben laut Behindertenstatistik mindestens 800 000 Menschen mit einer wesentlichen Behinderung. Zur Generation ‚60 plus‘ gehört momentan jede vierte Person, 2050 wird es schon jede dritte Person sein. Dadurch besteht ein erhöhter Bedarf an Konzepten zur Erhaltung selbstständigen Lebens und an effizienten Versorgungsprozessen. Der Wunsch, in den eigenen vier Wänden trotz Einschränkungen wohnen zu bleiben, ist groß und damit auch die Anforderungen an die ergonomischen Gegebenheiten und die Sicherheitsausstattung.

Was genau ist das Projekt „DeinHaus 4.0 – Oberbayern“?

Prof. Dr. Ittlinger:Wir beschäftigen uns mit technischen Assistenzsystemen und neuen Versorgungsformen, in denen Menschen unabhängig leben können. Aktuell laufen etwa Forschungsprojekte zu Assistenzrobotern oder Fortbewegungsmitteln der Zukunft für mobilitätseingeschränkte Menschen. Das Ziel von „DeinHaus 4.0 Oberbayern“ ist es, in Interaktion mit unterschiedlichsten Zielgruppen gemeinsam neue Wege zu entwickeln oder aufzuzeigen, hin zu mehr Autonomie im Alter. Das Projekt will Endnutzern, Leistungserbringern und Sozialversicherungen eine Möglichkeit geben, Raumkonzepte sowie pflege- und versorgungsunterstützende Dienstleistungen und Produkte mitentwickeln, anwenden und testen zu können.

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Welche Ansprüche sollen die Wohneinheiten im Projekt erfüllen?

Prof. Dr. Ittlinger:Es geht darum, eine moderne, wandelbare und modulare, mit bedarfs- und bedürfnisgerechten digitalen Assistenzen ausgestattete Wohnung zu schaffen, die in einem „normalen“ Wohnumfeld liegt und zu Demonstrations- und Schulungszwecken genutzt werden kann.

Wie würden Sie selbst im Alter gerne wohnen?

Prof. Dr. Ittlinger:Ich möchte im Alter autonom, mobil und selbstständig wohnen. Ich will mein soziales Umfeld behalten, meine Hobbies ausüben können und Zeit mit meiner Familie verbringen. Dabei ist es mir wichtig, möglichst unabhängig von Pflege zu sein. Technische Assistenzsysteme und neue Versorgungsformen können dazu beitragen. Ich bin der Meinung: Wohnraum muss sich dem Menschen anpassen, nicht umgekehrt.

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