Planet Heimat nimmt Baubranche und Städteplanung unter die Lupe

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Die Baubranche ist energie- und ressourcenintensiv. Der massive Bevölkerungszuwachs wird in der nächsten Zukunft noch Baustellen zur Folge haben. Um das Bauen effizienter und umweltfreundlicher zu machen, braucht es neue Methoden.

Von einer Holzhütte tief im Gebirge bis zu den sieben Weltwundern – Landschaft und Natur konnten die Menschheit nur selten davor stoppen, riesige Bauten oder ganze Städte zu errichten. Zu Beginn hat man sich in der Baubranche vielleicht noch etwas mehr den lokalen Gegebenheiten und der Umwelt angepasst. Mit dem technischen Fortschritt wurden immer mehr Werkzeuge und Maschinen entwickelt, die es ermöglicht haben, die Umwelt an die Anforderungen anzupassen. Fantasien und Ideen von Architekten und Bauingenieuren waren keine Grenzen mehr gesetzt.

So können Bauprojekte wie das höchste Gebäude der Welt, der Burj Khalifa (828 Meter), entstehen, oder ein Hochhaus in Changsha, China, das mit seinen 57 Stockwerken inklusive Inneneinrichtung in nur 19 Tagen gebaut wurde. Zwei Beispiele für eine menschliche Meisterleistung – dabei stellen sich zwei Fragen, die: Wozu und zu welchem Preis?

Die Baubranche verbraucht mit Abstand am meisten Ressourcen und Energie, hat den größten CO2-Fußabdruck und beschädigt die Natur mitunter am meisten. Man beachte neben den teils riesigen Baustellen auch den Abbau und den Transport der Rohstoffe, der Lebensräume und Ökosystem maßgeblich zerstört. In den letzten 200 Jahren wurden mehr Rohstoffe zum Bauen verbraucht als Tausende Jahre zuvor.

Und nun kommt ein weiterer Faktor dazu: der massive Bevölkerungszuwachs ist eine neue gemeinschaftliche Herausforderung gesellschaftlicher, ökonomischer und ökologischer Natur. Fakt ist, dass die Menschheit ungebremst weiterbaut und immer näher zu Städten ziehen wird. Schätzungen zufolge wird sich bis 2060 die Zahl der Gebäude weltweit verdoppeln. Im Schnitt entsteht in den kommenden vier Jahrzehnten alle 30 Tage einmal New York City zusätzlich, haben Forscher ausgerechnet.

Neue Methoden für bessere Aussichten

Um diesen Baudrang sinnvoll zu unterstützen, braucht es ein Umdenken. Neue Methoden müssen her, um Bauweisen effizienter zu gestalten und den Rohstoff- und Energieverbrauch zu reduzieren.

Neue Konzepte sollen den begrenzten Raum besser nutzen. Innovationen in Baustoffen klimafreundlichere Alternativen bieten. Gesetzliche Regelungen sollen den Weg freigeben für alternative Bauprojekte, sodass Investoren die Möglichkeit haben, darin zu investieren. Das höchste Ziel sollte sein, den Raubbau an der Natur zu verlangsamen und allen jetzigen und zukünftigen Menschen neben ihr einen Lebensraum zu bieten.

Hauptproblematiken Giftige Baustoffe Zahlen aus Deutschland

Rohstoffe

32 Prozent aller Rohstoffe werden für Privathaushalte zum Wohnen verwendet (Bau, Unterhalt, Energieverbrauch).

Wohnflächenverbrauch pro Kopf Flächennutzung in Deutschland Zahlen aus der Region

Flächennutzung und Aufteilung

Die Landkreise Rosenheim und Mühldorf im Vergleich (2017)

Ressourcenverbrauch Zement Zementverbrauch

nach ausgewählten Ländern in 1000 Tonnen (2016)

2016 fiel in Deutschland eine statistisch erfasste Menge von 215 Mio. Tonnen mineralischer Bauabfälle an, die offizielle Verwertungsquoten zwischen 80 und 90 Prozent aufweisen – diese kann man also als fast gleichwertige Rohstoffe wiederverwenden.

Holz wird Hightech

Durch die vermehrte Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Holz können andere klimaschädliche Stoffe reduziert werden. Ein ganzes Haus aus Holz, auch die Waschbecken? Das Projekt „Vision Wood“ in der Schweiz macht es vor.

Mineralisiertes Holz

Calciumcarbonat, also Kalk, wird tief in die Zellwandstruktur eingebracht und macht das Holz schwer entflammbar.

Antimikrobielles Holz

Jod wird chemisch über ein Enzym fest ans Holz gebunden, sodass keine Viren, Bakterien, oder Pilze darauf wachsen können.

Magnetisierbares Holz

Durch das Einbringen von Eisenoxid-Nanopartikeln in die Holzstruktur können Magnete am

Holz haften und so funktionell genutzt werden.

Plastikflaschen

Gefüllt mit Schutt und Sand werden die Flaschen aufeinander geschichtet, durch Nylonschnüre verbunden und verputzt. So können große Mengen an umweltschädlichem Beton eingespart werden. In Ländern Südamerikas und Afrikas mit riesiger Müllverschmutzung und Wohnungsnot werden so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Hanfbeton

Er ist ebenso hart wie klassischer Beton. Dabei steckt in Hanfbeton kein Gramm Beton oder Zement. Es handelt sich dabei um Fasern der Hanfpflanze, die mit Kalk vermengt werden. Ausgehärtet ist das auch Hanfkalk genannte Material etwas leichter als eigentlicher Beton und deutlich biegsamer. Es ist schwer brennbar, speichert Wärme und absorbiert Lärm.

Pappe

Für große Bauwerke ist Pappe als primärer Baustoff nicht geeignet. Für kleine Häuser reicht sie aber allemal. Das zeigen etwa die „Wikkelhouses“ auf Helgoland. Es gibt auch schon Möbel aus Pappe: Ein Kilo gut gefalteter Wellpappe soll teilweise bis zu 1000 Kilo Fremdgewicht tragen können.

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