Nachhaltig surfen

Mit jeder Internetsuche etwas Gutes tun, zum Beispiel für die Umwelt: grüne Suchmaschine machen es möglich.
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Mit jeder Internetsuche etwas Gutes tun, zum Beispiel für die Umwelt: grüne Suchmaschine machen es möglich.

Wie war noch mal die Telefonnummer von der Lieblings-Pizzeria? Und wie hieß doch gleich der Typ, der den Computer erfunden hat?* Das ist schnell gegoogelt. Die digitalen Möglichkeiten machen Informationen heute einfach und für jeden zugänglich. Was den Wenigsten bewusst ist: die Aktivitäten im Netz belasten die Umwelt. Doch es gibt auch grüne Alternativen.

Eine Suchanfrage bei Google etwa kostet 0,0003 Kilowatt Strom. 200 Suchanfragen benötigen schon die Energie wie für das Bügeln eines Hemdes. Bei Google insgesamt gehen 3,8 Millionen Suchanfragen pro Minute ein. Im Jahr 2015 waren das 5,7 Terawattstunden Energie – das entspricht etwa dem jährlichen Energieverbrauch von San Francisco.

Energiebedarf für die Suche ausgleichen

Doch es gibt auch Suchmaschinen wie Ecosia oder Gexsi, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Zwar kommen sie auch nicht ohne Google oder Bing aus, benutzen aber „grüne Masken“ für die herkömmlichen Suchmaschinen. Für die eigene Suchmaske benutzen die Anbieter Ökostrom. Der Energiebedarf für die Suche, die die herkömmliche Suchmaschine im Hintergrund ausführt, wird ausgeglichen, etwa durch das Pflanzen von Bäumen. Einnahmen generieren die Anbieter durch Werbeanzeigen, die bei kommerziellen Suchmaschinen in die eigene Tasche fließen. Grüne Suchmaschinen spenden diese.

Mit der Internetsuche Bäume pflanzen

„Ich habe mit meinen rund 140 Suchanfragen schon fast zwei Bäume gepflanzt“, sagt Grafikerin Viola Konrad. Sie hat seit zwei Monaten Ecosia.org als Standardsuchmaschine eingerichtet. Mit jeder Suchanfrage bei der non-profit Suchmaschine kann man aktiv den Klimaschutz unterstützen.

Das Konzept von Unternehmensgründer Christian Kroll: 80 Prozent des Einnahmenüberschusses spendet Ecosia an Naturschutzorganisationen für die Wiederaufforstung. Seit Gründung 2009 in Berlin bis zum Juli dieses Jahres wurden rund 100 Millionen Bäume durch das Unternehmen gepflanzt. Ecosia betreibt seinen Server mit Ökostrom und baut seit 2018 auch eigenen Solaranlagen. „Seitdem haben wir das Stromnetz mit ausreichend sauberer Energie versorgt, um alle Ecosia-Suchvorgänge mit erneuerbarer Energie zu betreiben“, heißt es von Seiten des Unternehmens.

Vor Übernahme geschützt

Die Suche selbst läuft über Bing, die Suchmaschine von Microsoft. Auch dieser Konzern betreibt seine Server teilweise mit erneuerbaren Energien.

Übrigens: Gründer Kroll hat das Unternehmen in eine Stiftung überführen lassen, so dass es vor einer Übernahme durch Google, Facebook und Co. geschützt ist. Die Datenschutzrichtlinien legen zudem fest, dass Suchdaten der rund acht Millionen Nutzer anonymisiert sind und innerhalb von vier Tagen gelöscht werden.

„Ich bin erstaunlich zufrieden“, sagt Grafikerin Konrad. Sie habe bisher immer gefunden, was sie gesucht habe. Außerdem, so ihr Gefühl, befinden sich in der Trefferliste weniger Werbeanzeigen. Einen Optimierungswunsch hätte sie dennoch: „Ein Punkt, den ich allerdings noch vermisse, ist die Box auf der rechten Seite, bei der man – sucht man etwa nach einem Restaurant – gleich den Überblick über Öffnungszeiten, Adresse und Telefonnummer hat.“

Surfen und Gutes tun

Ein etwas anderes Konzept hat Gexsi.com. Es ist eine Suchmaschine, die nachhaltige Unternehmen unterstützt. Der Name steht für „Global Exchange for Social Investment“. Die Suchmaschine wurde 2018 von Andreas Renner, Kevin Fuchs und David Diallo gegründet. Mit den Einnahmen werden innovative Sozialunternehmer, die nach den 17 SDGs ausgewählt werden, gefördert. Darunter etwa „Helping Hands“, eine App, die deutschlandweit Menschen in Ausnahmesituationen und freiwillige Helfer zusammenbringt. Oder: „Sanku“, ein Sozial Startup in Tansania, das Menschen den Zugang zu gesunden Grundnahrungsmitteln ermöglicht. Die Suche läuft über Bing.

Grüne Unternehmen in der Region finden

TreeDay.net und Greenya.de sind grüne Suchmaschinen, mit denen man nachhaltige Unternehmen in der Umgebung suchen kann. Greenya bietet eine Kategorisierung in wichtige Themenbereiche wie „Essen und Trinken“ oder „Gesundheit und Wellness“. Bei Treeday gibt es außerdem Tipps für einen nachhaltigen Lebensstil.

*Übrigens: Der Erfinder des Computers war Konrad Zuse im Jahr 1941.

„Googeln“ geht auch nachhaltig.

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