Nachhaltig erfolgreich

Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft:  den Unternehmen kommt dabei eine wichtige Rolle zu.
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Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft: den Unternehmen kommt dabei eine wichtige Rolle zu.

Die großen Herausforderungen dieser Zeit – Klimawandel und soziale Ungleichheiten etwa – können nur gemeinsam gelöst werden. Dabei spielen Unternehmen eine wichtige Rolle, wie Gerti Oswald, CSR-Verantwortliche der IHK für München und Oberbayern, im Interview verrät

Die Vereinten Nationen haben mit der Agenda 2030 im September 2015 einen Fahrplan aufgestellt und 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, „SDGs“) definiert. Damit mit den Zielen eine globale Nachhaltigkeitswende erreicht werden kann, sind nicht nur die Staaten gefragt. Die Agenda 2030 fordert auch die Wissenschaft, Zivilgesellschaft und die Wirtschaft auf, ihren Beitrag zu leisten. Gerade Unternehmen haben durch ihre Innovationskraft großes Potenzial, eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Die IHK für München und Oberbayern nimmt dabei eine doppelte Rolle ein: Als große Organisation mit 440 Mitarbeitern kann sie intern durch die verantwortliche Gestaltung der alltäglichen Arbeitsstrukturen ihren Beitrag leisten und darüber hinaus in ihrer unterstützenden Funktion für rund 400 000 Mitgliedsbetriebe.

Gerti Oswald ist die Geschäftsführerin des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) e.V. sowie die CSR-Verantwortliche der IHK für München und Oberbayern. Im Interview macht sie unter anderem deutlich, wie sich nachhaltige Entwicklung für Unternehmen auszahlt.

Frau Oswald, warum kann eine nachhaltige Entwicklung nicht ohne Wirtschaft funktionieren?

Die Wirtschaft hat eine Schlüsselfunktion inne, wenn es um die Nachhaltigkeitsziele geht. Natürlich muss jeder seinen Beitrag leisten. Die Politik setzt die Rahmenbedingungen, die Wissenschaft erforscht Grundlagen und die Konsumenten können durch ihre Kaufentscheidungen nachhaltige Produkte unterstützen. Unternehmen haben vielfältige Möglichkeiten, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Das fängt bei der Gestaltung des Produktangebots an und geht über die Energieeffizienz im Betrieb bis hin zum Umgang mit Mitarbeitern und Lieferanten.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele sprechen die größten Probleme unserer Zeit an. Gerade durch ihren globalen Anspruch wirken sie für kleine und mittlere Unternehmen häufig überfordernd. Letztlich tragen aber gerade diese Unternehmen schon eine Menge zur Nachhaltigkeit bei – durch ein Energiemanagementsystem, eine familienfreundliche Mitarbeiterpolitik oder das gesellschaftliche Engagement vor Ort zum Beispiel. Deswegen gilt es zunächst, zu verdeutlichen, dass die 17 SDGs gar nicht so abstrakt sind und bereits jetzt schon ein Beitrag geleistet wird.

Wie können die Nachhaltigkeitsziele in einem Unternehmen umgesetzt werden?

Zunächst geht es darum, ein Verständnis für die SDGs zu entwickeln und zu verstehen, wo die Schnittmengen zum eigenen Unternehmen sind. Im nächsten Schritt wird analysiert, zu welchen Zielen der größte Beitrag geleistet werden kann. Auf dieser Basis erfolgt eine Priorisierung einzelner SDGs. Auch wenn alle SDGs letztlich alle Unternehmen tangieren, so ist es wichtig, sich auf eine Handvoll zu fokussieren und hierfür gezielt Maßnahmen zu entwickeln. Schließlich ist es wichtig, den SDG-Prozess transparent zu machen und die Mitarbeiter einzubinden und sie zu motivieren, sich aktiv einzubringen.

Ganz zentral ist die Unterstützung durch die Unternehmensspitze. Hinter erfolgreichen Beispielen steht eigentlich immer eine überzeugte und motivierte Führung.

Unser Leitspruch lautet „Verantwortung lohnt sich“ – und zwar in vielerlei Hinsicht. Gerade Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen werden oft schnell mit konkreten Kosteneinsparungen belohnt. Darüber hinaus werden nachhaltige Produkte immer mehr nachgefragt und auch Investoren sowie Mitarbeiter schauen mittlerweile auf die Nachhaltigkeitsperformance von Unternehmen. Schließlich ist Nachhaltigkeitsmanagement auch Risikomanagement: Wer langfristig denkt und die künftigen Herausforderungen im Blick hat, ist für die Zukunft widerstandsfähiger aufgestellt.

Die Chance dieser Krise ist Veränderung. Neben der Digitalisierung wird die Nachhaltigkeit das Schlüsselwort der Post-Corona-Zeit. Den Fahrplan für die Zukunft haben wir bereits – mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030, die nicht an Aktualität eingebüßt haben. Unternehmer müssen sich als Teil der Lösung des nachhaltigen Wandels verstehen. Dazu braucht es frische, mutige Ideen, eine Veränderungsbereitschaft in der Gesellschaft und eine Politik, die nicht in alten Denkmustern agiert.

Gerti Oswald
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