Planet Heimat

Das Leben im Wegwerfmodus - Wie viel Müll wir in Deutschland und der Region verursachen

Müll ist das Thema der Serie "Planet Heimat" im Juli 2020.

Deutschland hat bezüglich seiner Abfallwirtschaft einen zwiespältigen Ruf: einerseits als Recyclingweltmeister, andererseits als Spitzenreiter bei der Abfallproduktion.

Berlin/Rosenheim/Mühldorf - Deutschland als große Wirtschaftskraft produziert gigantische Mengen an Müll. Das Umweltbundesamt verzeichnet trotz ökologischer Maßnahmen einen wachsenden Konsum, der insbesondere die Menge des Verpackungsmülls stetig ansteigen lässt. Zusätzliche Funktionen der Verpackungen wie Dosierhilfen oder aufwendige Verschlüsse sind Luxus mit umweltschädlichen Folgen.

Warum unser Konsum mehr Müll verursacht

Zudem setzt sich der Trend fort hin zu kleineren Portionen anstatt Großverpackungen, zu Versandhandel anstatt Ladenkauf und zu starkem To-go-Konsum. Mit der Müllmenge steigt auch die Anzahl der unterschiedlichen Müllarten und die darin enthaltenen, oft giftigen Stoffe. Allein beim Kunststoff gibt es über zehn verschiedene Sorten in häuslichen Produkten, die alle unterschiedlich behandelt werden müssen.

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Nur die Hälfte unseres Mülls wird recycelt

Hinzu kommt oft das fehlende Wissen über die richtige Abfalltrennung. Obwohl die meisten Haushalte ihre Abfälle trennen, ändert das nichts daran, dass nur knapp die Hälfte davon wirklich recycelt wird. Vieles landet pauschal im Restmüll und wird einfach verbrannt, was als „thermische Verwertung” verharmlost wird.

Die Müllmengen, die nicht mehr im Inland verarbeitet werden können, werden in ärmere Länder exportiert, wodurch dort riesige giftige Müllhalden entstehen. Müll ist also zu einem großen weltweiten Problem geworden.

Das kann jeder tun, um Müll zu reduzieren

Das Fazit für jeden Einzelnen lautet: Ein bewusster Umgang mit Verpackungsmaterial im Alltag und die Müllvermeidung stehen an oberster Stelle. Für die Wirtschaft bedeutet das die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft, um Abfall richtig zu recyceln und keine neuen Ressourcen mehr zu verschwenden.

Die 10 größten Müllproduzenten weltweit

Doch wie viel Müll verursachen die Deutschen im internationalen Vergleich? Diese Grafik zeigt es - nach ausgewählten Ländern im Jahr 2018. Deutschland ist auf Platz 5.

In diesen Ländern verursachen die Menschen den meisten Müll.

Haushaltsabfälle in Deutschland pro Kopf 2018

Ein Blick darauf, was in deutschen Haushalten im sogenannten Hausmüll landet, zeigt die Gesamtmenge pro Person im Jahr: 445 Kilo. Elektrogeräte sind nicht einberechnet.

So setzt sich der Hausmüll zusammen, den ein Deutscher pro Jahr verursacht.

Dabei setzt sich der durchschnittliche Hausmüll folgendermaßen zusammen:

  • 157 Kilo Restmüll: nicht recycelbares Material wie verschmutztes Papier, Hygieneartikel, Asche, alte Glühbirnen etc.
  • 146 Kilo getrennte Wertstoffe: Glas, Verpackungen und Kunststoffe, Metalle, Holz, Papier, Pappe oder Karton
  • 120 Kilo getrennte organische Abfälle: Biomüll, Gartenabfälle
  • 31 Kilo Sperrmüll, etwa Möbel
  • 2 Kilo sonstige Abfälle: Batterien, Energiesparlampen, Farben etc.

Elektronische Geräte verursachen Müll

Interessant ist auch der Blick auf die Menge an Akkus und Gerätebatterien, die produziert werden, um elektronische Geräte zu versorgen. 40.000 Tonnen neue Akkus und Gerätebatterien werden jährlich produziert. Nur knapp 50 % davon wird sachgemäß wieder eingesammelt.

Nur etwa die Hälfte aller Akkus und Baterien wird wieder eingesammelt.

Müll - ein Begriffsüberblick

Um wirklich zu verstehen, was mit dem Müll, den wir verursachen, passiert, lohnt es sich, bestimmte Begriffe zu erklären. Nicht jedem ist der Unterschied zwischen Müll-Verwertung und Müll-Beseitigung klar.

  • Verwertung: Wiederverwendung/Recycling (eine werkstofftechnische Wiederverwendung) oder die thermische Verwertung (energetische Wiederverwendung) der Abfälle oder eines Teils davon. 
  • Beseitigung: Bezeichnet die Abgabe an die Umwelt unter Einhaltung vorgeschriebener Grenzwerte oder die Überführung in ein Endlager.
Das passiert mit unserem Müll.

Deutscher Müll im Ausland

Jährlich werden eine Million Tonnen Plastikabfälle im Wert von 325 Millionen Euro ins Ausland exportiert. Das ist etwa ein Sechstel des insgesamt in Deutschland erzeugten Plastikabfalls.

Ein Sechstel des deutschen Plastikmülls landet im Ausland.

Müll in den Landkreisen Rosenheim und Mühldorf

Im deutschen Durchschnitt entstehen pro Kopf und Jahr 157 Kilo Restmüll. Im Vergleich dazu liegt der Landkreis Rosenheim mit 41.652 Tonnen gesamt bei 152 Kilogramm pro Kopf. Im Landkreis Mühldorf verursacht ein Einwohner noch weniger: 16.268 Tonnen gesamt; 141 Kilogramm pro Kop.

Abfallverwertungsquote Restmüll Landkreis Rosenheim: 72,6 % Müll als Energieschub: über 80 % der Brennmittel für das Rohrdorfer Zementwerk wird mit Plastikmüll oder alten Autoreifen gedeckt.

Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Landkreis Mühldorf: 100 % sämtlicher Restmüll wird ins Müllheizkraftwerk Burgkirchen geliefert und energetisch verwertet. Energieumwandlung: 15.000 MWh. (Strom für ca. 2.000 Einwohner)

Nähere Infos aus dem Landkreis Mühldorf

zum Thema Müll.

Unsere Müllmengen haben Folgen

  • Gigantische, illegale Müllhalden in ärmeren Drittländern, in denen häufig auch Kinder Wertstoffe für den Lebensunterhalt sammeln und sogar im Müll leben
  • Riesige Müllteppiche auf dem Ozean, zum Beispiel der „Great Pacific Garbage Patch“ im Nordpazifik mit der geschätzten Fläche so groß wie Europa
  • Müll in der Nordsee: 712 Müllteile pro 100 Meter Küstenlinie
  • Mikro-Plastik im Grundwasser
  • Beeinträchtigung von zahlreichen Tierarten, zum Beispiel Verwechslung mit Nahrung, Einschränkung in der Bewegung, Verendung in Plastikbehältern

Das können wir gegen das Müllproblem tun

1. Abfall vermeiden

  • Pfandsystem bei To-go-Produkten nutzen
  • Einkaufen mit Mehrwegtaschen und -behältern
  • Größere Einheitsmengen kaufen, zum Beispiel bei Waschmittel und Shampoo
  • Weniger verpackte Fertigprodukte
  • Falls online bestellt werden muss: Sammelbestellungen mit Freunden/Familie

2. Wiederverwenden

  • Behälter zum Wiederauffüllen nutzen oder weiterverwenden durch Upcycling
  • Alte Handys den jüngeren Generationen überlassen oder spenden
  • Elektronik möglichst reparieren

3. Müll trennen und recyceln

  • Mülltrennung zu Hause so einfach wie möglich machen, beispielsweise durch eine Mülltonne mit Trennfächern: Papier, Plastik, Bio, Glas, Metall...
  • Gang zum Wertstoffhof mit Nachbarn gemeinsam planen für seltenen Müll wie Batterien, Metalle, Holz oder Elektronik

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