Liebe als größter Schatz

Weihnachten: Das Fest der Liebe.
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Weihnachten: Das Fest der Liebe.

Klaus Vogl, Pfarrer aus Rott am Inn, über Armut und wahren Reichtum.

Was bedeutet „Armut“ für Sie?

Materielle Armut musste ich Gott sei Dank noch nie am eigenen Leib erfahren. Daneben gibt es aber andere Formen von Armut, die ich sehr wohl kenne: Die Erfahrung, mit leeren Händen da zustehen, nichts dagegen tun können, Krankheit, die einen außer Gefecht setzt, die Erfahrung, armselig, kleinkariert oder egoistisch, gehandelt zu haben.

Sie sind viel gereist. Wo sind die Brennpunkte der Armut?

Die größte Armut erlebte ich in Indien. Ich denke an die vielen Obdachlosen, an die armseligen Behausungen, die vielen Waisenkinder, die Leprakranken, den Dreck und den Lärm.

Wo und wie erleben Sie Armut in unserer Region?

Es gibt auch bei uns materielle Armut. Ich denke hier an alte Menschen, die nur wenig Rente bekommen, so dass es gerade noch zum Leben reicht. Wenn dann der Ofen repariert werden muss, die Waschmaschine kaputt ist oder das Brennholz ausgeht, brauchen sie finanzielle Unterstützung. Ich denke hier auch an alle, die zur Tafel kommen, weil sie sonst kaum in der Lage wären, sich mit Lebensmittel zu versorgen. Ein anderes Kapitel ist die emotionale und geistliche Armut. Zum Beispiel einsame Menschen, psychisch Kranke, zerbrochene Ehen und Familien, Kinder, die sich verlassen fühlen oder innerlich zerrissen sind. Ich denke an Menschen, die schwere Schicksalsschläge verkraften müssen und noch nicht wissen, wie es weitergehen soll. Wer da keinen Glauben hat, der ihm Stütze und Quelle der Hoffnung ist, der ist bitterarm.

Reichtum als soziale Verantwortung Was sagt Jesu zu materiellem Reichtum?

Für Jesus ist materieller Reichtum nichts Schlechtes. Entscheidend ist für Jesus, was ich mit meinem materiellen Reichtum mache. Reichtum bedeutet für Jesus soziale Verantwortung verbunden mit dem Auftrag, Gutes damit zu tun. Jesus warnt vor den Gefahren des Reichtums. Wenn der Mensch ihn nur ängstlich hortet und sein ganzes Leben darum kreist, wird Reichtum zum Ersatzgott, der versklavt. Jesus unterscheidet zwischen vergänglichem Reichtum und Schätzen, die bleiben für das ewige Leben. Der entscheidende Reichtum ist für Jesus die Liebe.

Was macht Seiner Ansicht nach „reich“?

Was das Leben reich und groß macht, ist seine göttliche Dimension, die Dimension des Himmels und der Ewigkeit, die mich anders in der Welt leben lassen. Mir ist ein Sinn im Leben geschenkt, der über mich hinausgeht, eine Zuversicht von Gott, die mich trägt, eine ewige Liebe, aus der ich nie herausfallen kann. Für Jesus ist der Glaube ein Schatz, der alles durchdringt.

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