Lernen fürs Leben: Projektwochen in der Schule

Kochen lernen mit den Landfrauen. Für manche Kinder ist die Arbeit in der Küche noch Neuland.
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Kochen lernen mit den Landfrauen. Für manche Kinder ist die Arbeit in der Küche noch Neuland.
  • Veronika Görlitz
    vonVeronika Görlitz
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Gesund und günstig kochen, einen Knopf annähen oder Müll richtig trennen: Scheinbar einfache Tätigkeiten des Alltags sind vor allem für die jüngere Generation oft schwierig umzusetzen. Projektwochen sollen ab diesem Schuljahr Abhilfe schaffen.

„Schule fürs Leben“ lautet der Titel der verpflichtenden Projekttage, die das bayerische Kabinett zu Beginn dieses Jahres beschlossen hat. Nachdem im Zuge des erfolgreichen Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ und den Beratungen über ein großes Artenschutzpaket zunächst von einem Unterrichtsfach die Rede war, finden die Alltagskompetenzen nun in Form von Projekten Einzug in die Schulen.

WichtigeAlltagskompetenzen

Ein Vorstoß in die richtige Richtung, wenn es nach Kreisbäuerin Katharina Kern geht: „Wir Landfrauen haben schon lange gefordert, dass vernünftiges Verbraucherverhalten und Alltagskompetenzen in den Schulen vermittelt werden.“ Über 90 000 Unterschriften haben die Bayerischen Landfrauen dazu schon vor mehreren Jahren gesammelt. Sie haben damit den Stein ins Rollen gebracht, der nun ab diesem Schuljahr einen festen Platz in den Lehrplänen der allgemeinbildenden Schulen sowie der Wirtschaftsschulen haben wird.

In mindestens einer fünftägigen Projektwoche an den Grundschulen sowie einer Woche jeweils in den Klassen fünf bis neun sollen Schüler dann lernen und hautnah erleben, wie es in landwirtschaftlichen Betrieben zugeht, aber auch, wie sie mit Geld richtig umgehen und im größeren Sinne einen Haushalt führen. Umweltverhalten und damit Nachhaltigkeit sollen zudem im Fokus stehen – als eines der insgesamt fünf Handlungsfelder.

Kern ist zufrieden mit der Entscheidung für die Projektwochen und damit gegen ein festes Schulfach: „Wir Landfrauen sind darüber gar nicht traurig. Im Gegenteil: In einer Woche lässt sich gut und kompakt vermitteln, was Arbeit in der Landwirtschaft wirklich bedeutet.“

Was frisst die Kuh? Auch das ist Alltagswissen.

Konkret soll das so aussehen, dass die Schüler landwirtschaftliche Betriebe besuchen – aber auch Bäuerinnen in die Klassen kommen und dort etwa zeigen, wie man aus einfachen Zutaten eine leckere Mahlzeit kocht.

„Das wissen doch die meisten jungen Leute gar nicht mehr“, so die Kreisbäuerin. Seitdem das Schulfach „Hauswirtschaft“ keinen nennenswerten Stellenwert mehr in der Gesellschaft hat, sei es immens wichtig, SchülerInnen zu zeigen, wie man mit frischen Zutaten umgeht. Was ist ein Lebensmittel eigentlich wert? – auch dieser Aspekt sollte laut Katharina Kern unbedingt in die Projektwochen mit einfließen.

Ein breites Feld an Themen, aber auch neuer organisatorischer Aufwand steht damit für die Schulen an. Welchen Umfang die jeweiligen Teilbereiche haben und wie die Projekttage im Einzelnen aussehen – das obliegt den Schulen selbst. Und das sei auch gut so, meint Beate Irle, Kreisvorsitzende des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands Rosenheim und Schulleiterin der Grundschule Rohrdorf. „Jede Schule muss sich im Vorfeld fragen: ‚Was passt für uns?‘ und ‚Welche Möglichkeiten haben wir?‘“, so die Lehrerin. Vieles hänge vom Netz der Unterstützer in der Region ab.

Schule kann nicht alleBereiche abdecken

Auch Irle befürwortet die Entscheidung für die gebündelten Projektwochen, könne Schule doch „kein Bauchladen sein“, der im Falle eines eigenen Unterrichtsfaches in immer weniger Zeit immer mehr vermittelt. Digitalisierung, Geld, Nachhaltigkeit – „Schule kann nicht alle Bereiche des Lebens auffangen“, kritisiert sie. Eine wichtige Rolle komme deswegen vor allem den Eltern zu. Ein nachhaltiges Bewusstsein innerhalb der jeweiligen Handlungsfelder zu entwickeln – das sei wichtig und richtig. Mit den regelmäßigen Projektwochen ist zumindest eine Grundlage geschaffen.

Über 90 Betriebe in und um Rosenheim haben sich bereits bei Katharina Kern und ihren Projekt-Beauftragten gemeldet und wollen ihre Türen im Zuge der „Schule fürs Leben“ für die Schüler öffnen. „Das freut uns sehr – wir können also auf die ganze Bandbreite der Landwirtschaft zurückgreifen“, so die Kreisbäuerin. So wollen zum Beispiel Milch- und Geflügelbetriebe der Region einen Einblick gewähren und den SchülerInnen die Alltagswirklichkeit zumindest ein kleines Stück näherbringen.

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