Eine OVB-Redakteurin zeigt, wie Shoppen ohne schlechtes Gewissen funktioniert

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Links: Ein Blick in den Kleiderschrank von Redakteurin Andrea Klemm. Die 40-Jährige mag es individuell, chic und nachhaltig und hat vor Langem das Kleiderkreiseln für sich entdeckt.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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  • Katharina Heinz
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8.000 Liter Wasser werden für die Herstellung einer Jeans verbraucht. Seit Andrea Klemm diese Zahl im Kopf hat, fühlt sie sich als Kleiderkreislerin gleich nochmal besser und lebt ihren „Modetick“ mit gutem Gewissen aus. Ein gutes Beispiel, wie leicht sich Kleidung auch nachhaltig konsumieren lässt. 

Die bewährte Methode: „Ich schnappe mir das, was an tollen Teilen schon im Umlauf ist – durch die App Kleiderkreisel, via ebay oder Kleidertauschaktionen mit Kolleginnen und Schwestern“, erklärt Klemm, die als Redakteurin bei der Wasserburger Zeitung arbeitet. Es sind gut erhaltene Markensachen, Selbstgenähtes oder die Fehlkäufe anderer: Neu und mit Etikett für kleines Geld. Da jubelt das Herz!

Für die 40-Jährige ist klar: „Second-Hand ist heiß!“ Ihre Garderobe besteht zu etwa 70 Prozent aus gebrauchten Kleidungsstücken. Manche sind wie neu, andere haben bei der Ersteigerung eine minimale Macke. Mit ein paar Stichen genäht oder durch geschickte Kombination: Alles super!

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Schicke Kleidung Second Hand

Die Kleiderkreislerin erzählt: „Modebegeistert war ich schon als Teenager – jedoch waren es nicht die Designerteile aus den Hochglanzmagazinen, die es mir angetan hatten, sondern Unikate, wie sie sich nur in Second-Hand-Läden, Flohmärkten oder der Klamottenkiste von Mama und Oma finden.“ Schlaghosen, Plateauschuhe, Bundeswehr-Parka und Lederjacken mit Spitzkragen, 70er-Jahre-Wickelkleider mit turbulenten Mustern. Immer ein bisschen bunter und ein bisschen anders.

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Inzwischen habe sie sich allerdings etwas eingekriegt, was die exotische Auswahl anbelangt. So trage sie schicke Blazer fürs Büro, die neu locker 200 Euro kosten würden, aber dank ebay für 25 Euro in ihren Besitz wanderten. Die Lieblingskombi dazu: Jeans von Liu Jo – natürlich erkreiselt oder ersteigert – und Doc Martens. Letztere seien dank Bienenwachscreme schon langjährige Begleiter.

„Natürlich musste ich als Studentin sehr auf die Kohle achten, daher war das Stöbern auf ebay schon vor 20 Jahren mein virtueller Schaufensterbummel – und ist es bis heute“, berichtet sie. Während Klemm damals aus wirtschaftlichen Gründen Gebrauchtkleidung erstand, tue sie das heute aus Überzeugung.

Mit T-Shirts Wasser sparen

Gebrauchtes aus Überzeugung

„Mir tut es in der Seele weh, wenn Kleidung, die noch gut beinander ist, weggeworfen wird. Ich rette sie und schau, wer, wenn nicht ich, sie in meinem Freundeskreis oder in der Nachbarschaft brauchen könnte.“ Natürlich kauft die Redakteurin auch neue Sachen, hauptsächlich Basics oder besondere Stücke, wie ein schönes Dirndl oder ein Kostüm für den Job. Hier kommen ihr am liebsten qualitativ hochwertige, langlebige und zeitlose Klamotten in die Tüte. Denn: Wegwerfmode der „Fast Fashion“-Ketten seien der Müll von morgen.

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Zwar habe sie von manchen auch etwas im Schrank hängen – die Klamotten trage sie aber dann auch schon einmal 15 Jahre. Wenn sie aus einem Kleidungsstück herauswächst, bekommt es jemand anders.

Andrea Klemm achtet aber darauf, ihre Sachen lange zu tragen. „Ich pflege sie, lasse sie bei Bedarf fachmännisch von der Näherin reparieren und Schuhe hält mein Schuster in Form.“

Inzwischen habe sie auch das Upcycling entdeckt und etwa eine alte Jeansjacke mit Stoffblumen, Bommeln, Fransen, Glitzersteinchen und Frida-Kahlo-Patches zu einem angesagten Festival-Begleiter aufgepimpt. Sie ist überzeugt: „Unser Modewahnsinn zerstört die Umwelt und die Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern sind menschenverachtend. Der CO2-Ausstoß der Textilindustrie beträgt jährlich 1,2 Billionen Tonnen. Kleiderkreiseln hilft mit, den Kleiderkollaps zu verhindern und schont deinen Geldbeutel!“

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