Kostenfaktor Klimawandel

Zu wenig Niederschlag, zu hohe Temperaturen – dem Borkenkäfer gefällt der Klimawandel.
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Zu wenig Niederschlag, zu hohe Temperaturen – dem Borkenkäfer gefällt der Klimawandel.

Es sind erschütternde Zahlen: innerhalb der letzten 60 Jahre hat sich die jährliche Mitteltemperatur in Deutschland um 1,8 Grad erhöht.

Der Inn in Rosenheim ist seit 1980 um 1,5 Grad wärmer geworden. Neun Prozent aller Nutztierrassen sind bereits wegen des Klimawandels ausgestorben. Doch die Auswirkungen des veränderten Klimas beschränken sich nicht auf die Natur. Denn die Schäden kosten bares Geld.

Schäden im Wald

Wie sich der Klimawandel in der Region auswirkt, zeigt sich am Beispiel des Waldes. Höhere Temperaturen, weniger Niederschläge und Stürme schaden den Bäumen. Sie sorgen aber auch für Bedingungen, die einem Schädling gut gefallen: Der Borkenkäfer vermehrt sich explosionsartig, befällt gerne Fichten, legt in der Rinde seine Brutgänge an und kann damit ganze Waldbestände zum Absterben bringen. Dramatisch ist das besonders dann, wenn ein Großteil des Waldes aus Fichten besteht, wie es in vielen Altbeständen in der Region der Fall ist. So auch im Wald der Bayerischen Staatsforsten, die ein Drittel der Waldfläche Bayerns ausmachen.

„Der Borkenkäfer zeigt uns, dass wir jetzt schnell handeln müssen“, sagt Dr. Heinz Utschig, Forstbetriebsleiter Wasserburg, der für 19 000 Hektar Staatswaldfläche zuständig ist. Denn neben Auswirkungen für die intakte Natur und die Artenvielfalt im Wald geht es auch um wirtschaftliche Schäden. „Weil die Schadensereignisse in ganz Europa stattfinden, haben sie auf den gesamten Holzmarkt Auswirkungen“, so Dr. Utschig.

Holzpreis im Keller

Seine Rechnung: In Bayern würden pro Jahr rund 15 Millionen Festmeter Holz geschlagen. Bei einem Preisrückgang von 20 Euro im Vergleich zu einem Normaljahr betrage der Schaden 300 Millionen Euro pro Jahr. Für den Forstbetrieb Wasserburg mit 150 000 Festmeter Einschlag pro Jahr rechnet der Experte mit Mindereinnahmen von rund 2,5 Millionen Euro. Dazu komme der Mehraufwand für Waldbesitzer und Förster: Durch erhöhten Pflanzaufwand, Verbissschutz oder die Borkenkäfersuche. Dieser zeitliche Aufwand ist laut Dr. Utschig im Forstbetrieb Wasserburg von 5 000 Stunden in einem normalen Jahr auf inzwischen rund 10 000 Stunden gestiegen. Kostenfaktor: 250 000 Euro mehr pro Jahr.

Bei den Staatsforsten des Betriebs Wasserburg halte man sich zwar finanziell noch über Wasser. Doch laut Dr. Utschig seien die Prognosen düster. Kurzfristig müsste man Schadholz vermeiden, um den Holzmarkt zu beruhigen. „Es würde auch helfen, wenn zum Beispiel im Wohnungsbau noch verstärkter auf den Rohstoff Holz gesetzt würde“, so der Forstbetriebsleiter.

Langfristig müsse man den Wald fit machen für die geänderten Bedingungen. Daher ist man bei den Bayerischen Staatsforsten seit den 80er-Jahren bestrebt, robuste Mischbestände zu entwickeln. „Unser langfristiges Ziel ist es, einen klimaangepassten Mischwald für die nachfolgende Generation zu hinterlassen“, so Dr. Utschig.

Die Schäden des Klimawandels aufzuarbeiten kostet eine Menge Geld. Das Klima aktiv zu schützen kann sich dagegen sogar finanziell lohnen. Dieser Überzeugung ist Prof. Dr. Dominikus Bücker vom Institut für nachhaltige Energieversorgung an der TH Rosenheim. „Um die Erderwärmung zu verlangsamen und unsere wirtschaftliche Lebensgrundlage zu erhalten, sind wir alle gefordert“, betont er.

Dabei könnten auch Kommunen und Unternehmen einen wichtigen Beitrag leisten, beispielsweise als Betreiber großer Liegenschaften und energieintensiver Produktionsprozesse. „Und das kann sich auch finanziell rentieren, denn Klimaschutz ist nicht automatisch mit steigenden Kosten verbunden“, so der Experte. „Die Handlungsmöglichkeiten reichen von kleinen Maßnahmen, wie der richtigen Einregulierung von Heizungsanlagen, über Investitionen, die sich schnell rechnen, wie die Umstellung der Beleuchtung auf LED, bis hin zu größeren Maßnahmen, wie der Umsetzung von nachhaltigen Wärmeversorgungskonzepten oder der Nutzung von Abwärme in Produktionsprozessen.“

Neben zahlreichen Förderprogrammen für Kommunen gebe es auch für Unternehmen bayerische und bundesweite Förderungen, die den Weg zu klimafreundlichen Technologien erleichtern und Innovationen fördern. An dieser Stelle bemängelt Prof. Bücker ein Kommunikationsproblem: „Wir sollten in der öffentlichen Diskussion nicht nur über kurzfristige Kosten der Energiewende sprechen, sondern unser Augenmerk viel stärker auf die Chancen des Technologiestandortes Deutschland richten, welche die Energiewende uns bietet.“

Dass Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen können, zeigt das Beispiel Salus. Der Hersteller von Naturheilmitteln mit Sitz in Bruckmühl, 400 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro, wurde 2014 als Mitglied in der Klimaschutz- und Energieffizienzgruppe der Deutschen Wirtschaft aufgenommen.

Salus produziert zum Beispiel über Sonnenenergie und Wasserkraft bilanziell bis zu 90 Prozent des Firmen-Stromverbrauchs selbst. Am Standort Bruckmühl werden jährlich rund 2,5 Millionen kWh Strom umweltfreundlich erzeugt. „Im Vergleich zum deutschen Strommix können wir somit über 1400 Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden“, sagt Nachhaltigkeitsbeauftragte Cassandra Heimgartner. Durch die Nutzung von Abwärme zu Heizzwecken können in der Flüssig- und Extraktproduktion rund 500 000 kWh Erdgas pro Jahr eingespart werden.

Klimaschutz lohnt sich

Dieses Engagement für das Klima ist laut der Nachhaltigkeitsbeauftragten auf Otto Greither zurückzuführen, den sie als „Biopionier“ bezeichnet und der sich seit über 70 Jahren für eine nachhaltige Unternehmensführung einsetzt. Außerdem sei man als Hersteller von Naturprodukten auf Rohstoffe aus einer intakten Natur angewiesen. Und nicht zuletzt: „Natürlich kann durch Klimaschutzmaßnahmen und Effizienzsteigerungen in der Produktion auch gespart werden.“

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