Auf der Jagd nach dem Gewitter

Blitz und Donner im Nachthimmel – Beim Sturmjagen gelingen Florian Sabo imposante Gewitter-Bilder.
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Blitz und Donner im Nachthimmel – Beim Sturmjagen gelingen Florian Sabo imposante Gewitter-Bilder.

Unterwegs mit dem „Stormchaser“: Florian Sabo aus Raubling jagt mit seiner Kamera nach Gewittern. Seine Wetterberechnungen helfen auch bei der Unwetter-Warnung.

Seit Tagen beobachtet Florian Sabo die Wettermodelle, und nun das: Er und sein Team stehen zu weit westlich, in der Nähe von München. Doch das Gewitter, auf das sie warten, geht laut aktueller Prognosen demnächst in der Nähe der Landshut nieder. Deswegen muss es jetzt schnell gehen. Spiegelreflexkameras, Objektive und Co. werden in die Autos verladen. Mit drei Wagen – das Team muss wegen Corona auf die nötigen Sicherheitsabstände achten – geht es Richtung Osten. Im Auto herrscht Aufgabenteilung: Einer hat die Straße im Blick, einer ist für die Navigation zuständig und der Dritte peilt anhand der Wetterdaten im Smartphone das Gewitter an: Das ist „Stormchasing“, also „Sturmjagen“ pur!

Faszination für Gewitter

„Das Wetter hat mich schon seit meiner frühesten Kindheit interessiert“, sagt Florian Sabo. Der Raublinger war drei Jahre alt, als er zusammen mit den Eltern ein Gewitter mit golfballgroßen Hagelkörnern von seinem Balkon aus erlebt hat. Die Faszination ist ihm bis heute geblieben. „Zum Geburtstag bekam ich dann ein Wetterbuch und habe angefangen, mir die Zusammenhänge anzueignen und eigene Aufzeichnungen festzuhalten“, berichtet er.

Gewitter habe er zunächst vor der eigenen Haustüre beobachtet und mit dem Camcorder festgehalten. Bis er auf die damals noch recht junge Sturmjäger-Szene in Deutschland gestoßen ist. „Stormchaser“ versuchen, Gewitter und Extremwetter anhand verschiedener Daten möglichst exakt vorherzusagen und jagen ihnen dann hinterher, um die Ereignisse anhand Fotos oder Videos festzuhalten. So auch Sabo und sein Team an diesem Tag im Mai.

In Taufkirchen an der Vils angekommen folgt die Enttäuschung: Die Sturmjäger können nur noch den Abzug der Gewitterzellen beobachten. Doch so sei es eben bei dieser Leidenschaft: Langes Warten, Geduld und dann oft hektische Eile führten nicht immer zum Erfolg. Diesmal kommt es doch noch anders.

Ein Feuerwerk aus Blitzen

Denn im Hintergrund des abziehenden Unwetters braut sich eine neue Gewitterzelle zusammen. Erst nur ein paar Kumulus-Wolken, doch die Energie nimmt immer weiter zu. Zu Beginn der Dämmerung setzt ein Blitzfeuerwerk ein, das selbst Sabo überrascht. „So etwas konnte ich in den vergangenen Jahren eher selten beobachten “, sagt er. Blitze zucken über das gesamte Gewitter, teilweise in spinnen- oder linienartiger Form, dazwischen gibt es immer wieder Erdblitze.

Auch die abziehende Gewitterzelle liefert beeindruckende Bilder: Die Gewitterwolke wird von den Blitzen immer wieder erhellt, während darüber schon wieder der Sternenhimmel zu sehen ist.

Schnell da und schnell wieder weg – was für Gewitter typisch ist, nimmt laut Sabo insgesamt für die verschiedenen Wetterlagen zu. In seinen über zehn Jahren Wetterbeobachtung sei ihm aufgefallen, dass die Abstände immer kürzer werden.

Dafür, so seine Erfahrung, nehmen auch die Schwergewitter hervorgerufen durch Superzellen in der Region ab. Mit Sorge sieht der junge Mann aber einen Klimawandel bei dere Entwicklung von Temperatur und Niederschlag. „Das Frühjahr und das Sommerhalbjahr erweisen sich häufig als zu warm und zu trocken, Niederschläge treten selten dauerhaft auf“, berichtet er.

Klimawandel in der Region spürbar

Diese Auswirkungen zeigten sich in der Umwelt, etwa anhand zu trockener Moore und niedrigen Wasserständen bei Seen. „Ein aktuelles Beispiel ist das Dreiseengebiet bei Ruhpolding, wo sich teils schon abgetrocknete Flächen zeigen“, so Sabo.

Das Sturmjagen ist für Florian Sabo Leidenschaft und Hobby – noch. Aktuell ist er Abiturient und jobbt, um sich das Geld für die Touren und die Foto-Ausrüstung zu verdienen. Im Oktober will er seine Faszination zum Beruf machen und Meteorologie in Innsbruck studieren. Mit seinen Bildern erreicht Sabo inzwischen immer mehr Menschen. Sein Instagram-Profil hat mehr als 10 000 Follower. Doch es geht nicht nur um beeindruckende Fotos.

Über diverse Kanäle informieren die Sturmjäger auch über anstehende Gewitter und können damit die Bevölkerung warnen. Neben der Facebookseite vom „Chasingteam.Oberbayern“ melden die Sturmjäger brisante Prognosen auch an den Verein„Skywarn“, die dann an den deutschen Wetterdienst weitergeleitet werden.

Warnung vor Unwettern

„Dadurch, dass dieser von Sturmjägern präzise Hinweise über die Entwicklung einer Gewitterzelle erhält, können die Warnungen gezielt angepasst und die Bevölkerung schneller gewarnt werden“, so Sabo.

Sich selbst in Gefahr bringen kommt indes für die Sturmjäger nicht in Fragen. Eigenschutz stehe an erster Stelle. Man versuche zwar, so nah wie möglich an das Gewitter heranzukommen. Doch das Ziel sei es, im Trockenen zu bleiben. Es gebe auch immer einen Backup-Plan, etwa den Rückzug in ein Tankstellen-Gebäude, sollte man doch einmal direkt in ein Gewitter geraten.

An diesem Tag im Mai braucht es keinen Fluchtplan. Die Sturmjäger kommen trockenen Fußes nach Hause – mit beeindruckenden Fotos eines imposanten Gewitters im Gepäck.

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