Grüne Arbeitswelt: Jobs im Umwelt- und Naturschutz

Anzahl der Beschäftigten im Umweltschutz
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Anzahl der Beschäftigten im Umweltschutz

Als Förster, in der „Green-IT“ oder als Techniker für erneuerbare Energien: Es gibt viele Möglichkeiten, beruflich den Umweltschutz voranzubringen. Akteure im Netzwerk Grüne Arbeitswelt zeigen Jugendlichen Wege auf.

Von Katharina Vähning

„Das Interesse an unserer Arbeit ist spürbar gestiegen“, sagt Winfried Schneider, Geschäftsführer des Instituts für Baubiologie und Nachhaltigkeit (IBN) in Rosenheim. Das gelte nicht nur für Menschen, die sich Gedanken über ihren Fußabdruck auf dem Planeten machen und nachhaltig Bauen wollen, sondern auch für Schüler und Studierende, die sich beruflich orientieren. Das IBN bietet zwar Praktikumsplätze an, aber nicht in Masse.

Dabei hat Fridays for Future deutlich gezeigt: Umwelt- und Klimaschutz bewegt Jugendliche rund um den Globus. Eine Vielzahl an Studien, ob Shell-Studie oder „Zukunft? Jugend fragen?“ vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, hat diese Haltung in Zahlen erfasst und Umwelt als Top-Thema identifiziert. Und diese Haltung scheint sich auch auf die Berufswahl auszuwirken.

Klimaschutz als Faktor bei Berufswahl

Aber welche Angebote gibt es für eine „grüne“ Berufsorientierung? „Das Thema Klimaschutz kommt in Berufsberatungsstellen und in Schulen häufig zu kurz“, sagt Krischan Ostenrath, Koordinator des Netzwerks Grüne Arbeitswelt und Arbeitsmarktexperte beim Wissenschaftsladen (WILA) Bonn. Das meint er keineswegs als Vorwurf, schließlich könnten Lehrer und Berufsberater nicht jedes Thema im Detail abdecken.

Vor drei Jahren gründete der WILA Bonn gemeinsam mit UnternehmensGrün und der Zeitbild Stiftung das Netzwerk Grüne Arbeitswelt. Dass hier Informationsbedarf notwendig ist, steht für Ostenrath außer Frage: Laut dem Umweltbundesamt arbeiteten 2017 über 2,8 Millionen Menschen in Deutschland für den Umweltschutz. „Dahinter steht ein riesiger Arbeitsmarkt“, betont Ostenrath.

Das Problem: „Viele verorten das Thema Klimaschutz automatisch in der ‚Technik-Ecke‘. Wenn Jugendliche dann keine tolle Mathe- oder Physiknote haben, haken sie das Thema schnell ab, auch wenn sie sich für Klimaschutz interessieren“, sagt er. Man kommt aber nahezu mit jedem Beruf in den „grünen Bereich“, man muss nur wissen wie.

Camps und Onlineplattformen

Um hier weiterzuhelfen, hat das Netzwerk Onlineportale, Camps und Infomaterialien für Schulen erstellt.

Unter anderem ist das Projekt „mach Grün! Berufe entdecken und gestalten“ entstanden, das mehrtägige Work-Camps in ganz Deutschland organisiert. Praktiker aus den Bereichen Mobilität und Stadtentwicklung, Wald- und Forstwirtschaft, Erneuerbare Energien, Hausbau und Kunststoffindustrie arbeiten Hand in Hand mit Jugendlichen.

Wie können Textilien nachhaltiger werden? Wie kann man ein Catering „ergrünen“ lassen?, sind etwa Themen, die in den Camps spielerisch beantwortet werden.

Auch andere Institutionen haben Camps zur Berufsorientierung ins Leben gerufen, die im Rahmen der „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung“ (BBNE) vom Bundumweltministerium gefördert werden. Zwar gibt es aktuell keine Angebote in Bayern, aber an den Camps in anderen Bundesländern kann jeder teilnehmen.

Coronabedingt können nicht alle Workshops und auch Beratungsangebote stattfinden. Hier greifen die Onlineangebote. So liefert etwa die Videoreihe „Grüne Zukunft jetzt entdecken“ Antworten auf Fragen wie: Was hat die Arbeit bei einer Bank mit Nachhaltigkeit zu tun? Wie lässt sich in der Green IT der Klimawandel bekämpfen? In dem Portal „Energiewende schaffen“ ist zudem ein Kompetenzcheck eingebunden.

Beruflich aktiv im Vogelschutz

Online-Angebote ersetzen natürlich nicht die realen Austauschformate. Zu den Projektpartnern in Bayern gehört unter anderem der Landesbund für Vogelschutz e.V. (LBV), der Traineestellen, Praktika und Bundesfreiwilligendienste anbietet. „Allein der Bundesfreiwilligendienst ist eine tolle Möglichkeit, in die Arbeitswelt reinzuschnuppern“, erzählt Steffen Hannich, der selbst über einen Freiwilligendienst in der Geschäftsstelle in Hilpoltstein zum LBV gekommen ist. Dabei hat er erfahren, dass der Verband auch Fachinformatiker und Kaufleute für Büromanagement ausbildet.

Auch in der Region gibt es viele Möglichkeiten, in „grüne Berufe“ einzusteigen. An der TH Rosenheim gibt es etwa den Studiengang „Energie- und Gebäudetechnik“. Die Bayerischen Staatsforsten, etwa in Wasserburg, bilden zum „Forstwirt“ aus. Zahlreiche Betriebe bieten Ausbildung zum Gärtner oder Landschaftsgärtner an.

Das Interesse junger Menschen an grünen Berufen – wie etwa Gärtner – steigt.

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