Frieden als größtes Geschenk

Kadija aus Sierra Leone und ihre vier Kinder haben in Wasserburg Frieden und ein neues Zuhause gefunden.
+
Kadija aus Sierra Leone und ihre vier Kinder haben in Wasserburg Frieden und ein neues Zuhause gefunden.

Weihnachten kann der wichtigste Feiertag im Jahr sein, ganz ohne Tannenbaum und Geschenke. So zumindest ist es bei Flüchtling Kadija und ihren vier Kindern.

Die kleine Familie stammt aus Sierra Leone, einem der ärmsten Länder in Westafrika, in dem bis 2002 Bürgerkrieg herrschte. Im Jahr 2016 ist Kadija nach Deutschland geflohen und lebt seitdem als Flüchtling hier. Ihre Kinder Alpha (16 Jahre), Alim (sechs Jahre) und Victoria (zwölf Jahre) kamen einige Jahre später nach, die kleine Kadal (drei Jahre) wurde in Deutschland geboren. Heute wohnen sie in einer Wohnung in Wasserburg.

Die Kinder naschen Plätzchen und Orangen, während Mutter Kadija erzählt. Gut essen ist ganz wichtig an Weihnachten, berichtet sie. Das war auch schon in der früheren Heimat so. „In Sierra Leone ist Weihnachten ein großes Fest. Bei uns leben die Religionen friedlich zusammen, somit feiern Moslems die christlichen Feiertage mit uns und wir Christen die muslimischen“, sagt sie. Auch in ihrer Familie gibt es unterschiedliche Glaubensrichtungen. Während Kadijas Mutter Muslima war, ist sie selbst Christin. „Wir wählen unsere Religion selbst“, erklärt sie.

Kinder singen Weihnachtslieder

In ihrer ehemaligen Heimatstadt Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones, beginnt Weihnachten am 24. Dezember. „Dann gehen die Kinder von Haus zu Haus und singen Weihnachtslieder, die sie einstudiert haben“, berichtet die junge Mutter. Der eigentliche Weihnachtstag ist der 25. Dezember. Dann finden drei Messen in der Kirche statt, zu denen Christen ihre muslimischen Freunde mitnehmen. „Es wird auch groß gekocht“, so Kadija. Auf den Tisch kommen etwa Kasava, ein Gericht aus Maniok, oder Okra-Suppe. „Dann feiern wir gemeinsam in der Familie, tanzen, singen und unterhalten uns.“

Zu Weihnachten gehörte es auch, sich etwas zu gönnen: so ging die Familie in Sierra Leone etwa ins Kino und kleidete sich neu ein. „Wichtig ist jedoch, dass man zusammen ist. Wir ziehen uns schick an, besuchen uns und servieren und Essen“, erklärt Kadija, für die Weihnachten ein Fest des Glaubens und der Gemeinschaft ist.

In Deutschland fällt das Fest für die junge Familie kleiner aus. „Ich gehe am Abend des 24. Dezembers mit meiner deutschen Freundin in die Kirche“, berichtet sie. Am Abend hört sie mit den Kindern Weihnachtslieder. Am 25. Dezember kommen Freunde aus Sierra Leone, die in der Nähe wohnen. Dann wird ähnlich gefeiert wie früher: Mit Essen, Musik und Tanz.

Kein Christbaum, aber Plätzchen

Geschenke gibt es allerdings keine. „Dafür ist das Leben in Deutschland zu teuer“, betont sie. Auch ein Weihnachtsbaum wird nicht aufgestellt. „Wenn ich Zeit habe, mache ich aber ein paar Plätzchen, die wir gemeinsam essen“, sagt sie.

Weihnachten ist für die Flüchtlinge auch ein besinnlicher Moment. „Ich danke Gott für diesen Tag und dafür, dass es mir und meinen Kindern gut geht“, so Kadija. Doch sie vermisse auch ihre Heimat, die verstorbene Mutter und den Ehemann, von dem sie hofft, dass er bald nachkommen kann.

„Kadija musste in Sierra Leone um ihr Leben fürchten“, sagt Melanie Bumberger von der Flüchtlings- und Integrationsberatung der Caritas Rosenheim. Die Sozialpädagogin kümmert sich schon länger um die Familie und weiß, dass die Geschehnisse in der ehemaligen Heimat ein heikles Thema für die junge Mutter sind. „Es fällt ihr schwer, darüber zu sprechen“, so Bumberger. Immerhin: Die Flüchtlinge haben eine längerfristige Bleibeperspektive in Deutschland. Darüber ist auch Kadija glücklich. „Ich bin sehr froh, in Deutschland zu sein, mich hier sicher zu fühlen und gesund zu sein. Ich bin sehr glücklich hier.“ Das ist auf alle Fälle ein guter Grund zum Feiern. Dazu braucht es gar keine Geschenke und auch keinen Weihnachtbaum.

Kommentare