Feuerwerk und Festgewand

Ein Feiertag, unabhängig vom Glauben.
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Ein Feiertag, unabhängig vom Glauben.

Wie feiern andere Kulturen Weihnachten? Und was machen Muslime, während die Christen unter dem geschmückten Tannenbaum sitzen? Fünf Flüchtlinge aus der Region erzählen.

Yusuf/Nigeria

Yusuf stammt aus Nigeria und lebt in einer Wohnung in Wasserburg. Er berichtet aus der Heimat: „In der Nacht vor Weihnachten gibt es Feuerwerk. In Nigeria ist Weihnachten ein öffentlicher Feiertag. Die meisten Familien sind zu Hause, manche gehen in die Kirche. Muslime besuchen ihre christlichen Freunde. Es wird gefeiert, gesungen, getanzt. Die Straßen sind geschmückt, es gibt Vorführungen wie im Karneval, Partys und laute Musik. Ich habe an Weihnachten manchmal meine Tante besucht, die Christin war. Man macht sich Geschenke, gönnt sich etwas, fährt an den Strand. Es gibt auch Leute, die zu dieser Zeit spenden und bedürftige Menschen aufsuchen.“ In Wasserburg feiert Yusuf ebenfalls mit seinen christlichen Freunden. Sie kochen zusammen nigerianisches Essen, feiern und machen Musik.

Dalia/Syrien

Dalia stammt aus Damaskus in Syrien und lebt mit ihren fünf Kindern in einer Asylunterkunft in aus Stephanskirchen. Sie erzählt: „Wir sind Moslems, an Weihnachten gingen wir in Damaskus immer zu unseren ‚Geschwistern‘, den Christen. In deren Straßen war es zu Weihnachten immer schön geschmückt. Wir selbst feiern als Moslems Weihnachten zwar nicht, haben uns aber immer gerne angesehen, wie die Christen sich darauf vorbereiten. Durch den Krieg wurde das alles anders... Hier in Deutschland feiern wir Weihnachten nicht. Wir verbringen den Abend wie jeden anderen.

Abiel/Eritrea

Abiel kommt aus Eritrea, wo Weihnachten traditionell am 7. Januar gefeiert wird. Der Christ ist Familienvater mit zwei Kindern und wohnt in einer Wohnung in Stephanskirchen. Er berichtet:

An Weihnachten und zu anderen Festen kleidet man sich in Eritrea in weißes Festgewand. Es wird das traditionelle Brot ‚Himbasha‘ gebacken und wenn man Geld hat, wird ein Schaf oder eine Kuh geschlachtet. Die Frauen bereiten das Essen vor, die Familie trifft sich und man isst zusammen. Danach gibt es unseren typisch eritreeischen Kaffee. Nur in der Stadt wird Weihnachten auch am 25. Dezember gefeiert. Hier wird ähnlich geschmückt wie in Europa: mit Kerzen und einem Weihnachtsbaum. Das liegt daran, dass wir einmal italienische Kolonie waren.“ In Deutschland feiert die Familie an beiden Tagen, wie Abiel erzählt. „Wir kochen etwas Schönes und essen gemeinsam.“

Abdul/Afghanistan

Abdul Rahim ist aus Afghanistan geflohen und lebt nun in einer Asylunterkunft in Stephanskirchen. Er erzählt: „Weihnachten feiern wir nicht. Bei uns im Islam ist das Zuckerfest zum Ende des Ramadan das größte Fest. Zwei Monaten später zum Opferfest Eid al-Adha wird noch einmal gefeiert. Hier in Deutschland nutzen wir Weihnachten, um unsere Freunde und andere Familien zu besuchen – zumindest in Nicht-Corona-Zeiten. Das bietet sich an, weil wir frei oder Urlaub haben.“

Muctar/Sierra Leone

Muctar stammt aus Sierra Leone und lebt in einer Asylunterkunft in Babensham. Der Moslem berichtet: „An Weihnachten laden uns die Christen ein, mit ihnen in die Kirche zu gehen. Danach kommen mit ihnen nach Hause zum Essen und Feiern. Wenn wir Zuckerfest haben, machen wir es anders herum und laden unsere christlichen Freunde ein. Wir nehmen Weihnachten sehr ernst. Denn auch im Koran wird von der Geburt Jesu berichtet. In unserer Asylunterkunft organisieren die Christen manchmal eine Party und wir feiern gemeinsam – oder wir gehen zu ihren Kirchen.

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