Faire Mode aus der Region

Ausschließlich nachhaltige Mode: Dear Goods in Mühldorf. re

Konventionell hergestellte Mode ist schick und dabei superbillig. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch, denn irgendwer bezahlt immer den Preis. In diesem Fall geht die Herstellung zu Lasten der Umwelt und der Menschen in den Produktionsbetrieben. Doch Kleidung einkaufen geht auch nachhaltig.

Ein Blick in den Kleiderschrank sieht bei den meisten ähnlich aus: Unter einigen Kleidungsstücken, die regelmäßig getragen werden, tummeln sich viele Schrankhüter. Egal ob spontane Fehlkäufe, das zehnte weiße T-Shirt oder eine Hose, die nie passen wird: Grund für diese Käufe ist der veränderte Umgang mit Mode. Hat man früher wohlbedacht in ein Kleidungsstück investiert, locken heute Modeketten mit ständig wechselnden Kollektionen und Dauertiefpreisen. Kleidung ist vom Gebrauchsgegenstand, der gepflegt und repariert wurde, zum Verbrauchsgegenstand geworden. Die Folgen sind Umweltbelastungen, unwürdige Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen in den Fabriken in Pakistan, Bangladesh und Co.

Fast Fashion vs. Fair Fashion

Den Gegenpol zu dieser sogenannten „Fast Fashion“ bilden nachhaltige Modelabels, die auf umweltschonende Ressourcen, menschenwürdige Produktionen und lang anhaltende Qualität setzen. Längst ist faire Mode kein Ökonischen-Produkt mehr, sondern eine echte Alternative zur konventionellen Massenware. Planet Heimat-Redakteurin Carlotta Mörz hat sich – natürlich mit Corona-Maske – auf den Weg gemacht und schöne, innovative und nachhaltige Mode in der Region gefunden.

Ihre Shoppingtour hat sie in Mühldorf gestartet. „Dort habe ich am Stadtplatz neben den üblichen Modeketten die Boutique ,Dear Goods‘ entdeckt“, berichtet sie.

Hier findet man zeitlose Klassiker, individuelle Liebhaberstücke und ausgewählte Accessoires – allesamt nachhaltig, umweltschonend und unter fairen Bedingungen hergestellt. Die Vision der Gründerin Nicole Noli: „Kein Mensch darf für Mode ausgebeutet, kein Tier dafür gequält oder getötet werden und die Umwelt möglichst nicht zu Schaden kommen.“

Das Konzept geht auf – aus einem Laden in München sind inzwischen sechs Boutiquen in Bayern und Berlin geworden.

Weiter geht es in Rosenheim. „Etwas versteckt in einem Innenhof befindet sich der Secondhandladen ‚Räubergwand‘, der sehr erfolgreich Kindermode anbietet“, erzählt Mörz. Von der Erstaustattung fürs Baby, über hochwertige Kinderkleidung, hin zu Spielzeug und Büchern findet sich hier alles, was das Eltern- und Kinderherz höherschlagen lässt. So finden neuwertige Dinge, die naturgemäß nur kurz getragen und gebraucht werden, ein neues Zuhause und bleiben länger in Benutzung.

Aus alt mach neu

„Aus alt mach neu!“ heißt es in Söchtenau im Atelier von „Lieblingsteil“. Die Besonderheit in der Manufaktur, wo Designer, Schneider und Schnittmacher zusammenarbeiten, sind die Rohstoffe, aus denen die Kleidung hergestellt wird. Hier wird aus der Mode gekommenen Lieblingsstücken ein zweites Leben geschenkt und Stoffreste zu Einzelstücken verarbeitet. „Bekannt ist das Label vor allem für die hochwertigen und ausgefallenen Dirndl“, hat die Redakteurin erfahren.

„Lange waren wir auf der Suche nach einer outdoortauglichen Sandale, die luftig ist und einen festen Halt bietet“, erzählen die Gründer des Rosenheimer Schuhlabels „Doghammer“, Maximilian Hundhammer und Matthias Drexlmaier. Schließlich haben sie kurz entschlossen selbst einen solchen Schuh entwickelt. Die Herstellung erfolgte anfangs in Zusammenarbeit mit einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Rosenheim, inzwischen hat sich das Sortiment so vergrößert, dass es in einer familiengeführten Schuhmanufaktur in Portugal hergestellt wird. Die Besonderheit sind die verarbeiteten, Materialien: Kork, Kokosfasern, Wolle und Recyclingmaterialien sorgen für einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck.

Regional und Fair

Der Handel mit der „Fair Fashion“ floriert vor allem online und lockt mit dem Versprechen, guten Gewissens einkaufen zu können. Doch die Versuchung ist groß, mit ein paar Klicks mehr als nötig zu bestellen und der Versand belastet die Umwelt zusätzlich. Oft ist zudem nicht nachvollziehbar, wie umweltfreundlich und nachhaltig die Produke tatsächlich sind.

Die Vorteile von kleinen, regionalen Anbietern liegen für Carlotta Mörz klar auf der Hand: „Man unterstützt den Einzelhandel, die Herkunft der Kleidung ist transparent und durch kompetente Beratung vor Ort kauft man nur das, was man auch wirklich behalten möchte.“ Und falls doch einmal die Zeit fehlt: Die meisten regionalen Geschäfte haben auch einen kleinen Online-Shop.

Greenwashing: Die Tricks der Hersteller

Bio boomt. Längst ist das auch bei den Konzernen der Modebranche angekommen. Doch ein genauerer Blick entlarvt die vermeintlich nachhaltigen Kampagnen oft als „Greenwashing“. Unternehmen stellen sich als ökologisch dar, während ihr Hauptgeschäft diesem Anspruch nicht gerecht wird.

Nicht immer ist es leicht, Greenwashing zu erkennen. Eine Frage, die bei der Beurteilung hilft: „Ist die nachhaltige Initiative Teil des Kerngeschäfts?“ Wenn also Konzernriesen wie H&M, Zara und Co. einzelne Modelinien aus Biobaumwolle produzieren, während der Großteil aus konventionellem Anbau stammt, lässt sich diese Frage verneinen.

Auch Recyclingsysteme, die einen Kreislauf suggerieren, führen in die Irre. Textilrecycling geschieht in einem Kreislauf nach unten. Das bedeutet, aus einem T-Shirt wird kein neues T-Shirt, sondern Putzlappen oder Dämmmaterial. Durch den Kaufgutschein, den man für die zurückgebrachte Kleidung bekommt, wird das eigentliche Problem weiter gefüttert: Zu viel Konsum.

Um wirklich nachhaltige Hersteller zu erkennen, sollte man auf einen ganzheitlichen Ansatz, Transparenz und anerkannte Gütesiegel achten.

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