Eine Frage der Haltung

Ein schönes Leben, behutsame Schlachtung – das ist das Konzept der Tierhaltung bei Simsseer Weidefleisch.
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Ein schönes Leben, behutsame Schlachtung – das ist das Konzept der Tierhaltung bei Simsseer Weidefleisch.

„Es ist alles eine Frage der Haltung“ – das war das Motto von Richard Müller, dem Gründer von Chiemgauer Naturfleisch. Man kann es auf alle Bereiche des Fleischkonsums anwenden. Es ist eine Frage der Haltung, wie Tiere gefüttert und geschlachtet werden. Es ist eine Frage der Haltung, welchen Lohn die Tierhalter erhalten und welche Preise die Verbraucher zahlen.

Die Tierhaltung gehört in den Landkreisen Rosenheim und Umgebung zur typischen Landwirtschaft. Das Alpenvorland mit seinen hohen Niederschlagsmengen ist ein traditionelles Grünlandgebiet. Rinder und Schafe fressen Gras und Klee und wandeln es zu Milch und Fleisch um. Doch in der modernen Landwirtschaft degradiert das Tier immer mehr zum Produktionsfaktor und wird auf höchste Leistung getrimmt.

Billige Massenware

Die große Nachfrage nach billigem Fleisch kann nur von großen Mastbetrieben und riesigen Schlachthöfen geliefert werden. Dabei kommen ökologische und soziale Kriterien oft zu kurz. Tiertransporte über riesige Distanzen in mehrstöckigen LKW sind Stress und Todesgefahr für Tiere. Nicht zuletzt hat die Coronakrise aufgedeckt, unter welchen Umständen ausländische Gastarbeiter für den billigen Fleischkonsum schuften müssen. Doch es gibt auch positive Alternativen, vor allem in der Region.

Da ist zum Beispiel der bereits erwähnte Richard Müller, der Biobauern eine Möglichkeit für die Vermarktung ihrer besonders wertvollen Tiere geben wollte und dazu Chiemgauer Naturfleisch gründete.

Bei Simsseer Weidefleisch lautet das Ziel: . Den Tieren soll es gut gehen, sie sollen Gutes fressen und achtsam vom Leben in den Tod gebracht werden.“ Finanziert als Genossenschaft trägt eine engagierte Gemeinschaft dazu bei, dass Bauern fair bezahlt und Tier gut behandelt werden.

Eine ganz andere Geschichte schrieb Karl Ludwig Schweinsfurth. Der Industriemetzger stand einst hinter „Hertha“, eine Wurst-Marke aus dem Supermarkt. 1984 wurde er vom Saulus zum Paulus, verkaufte auf Drängen seiner Kinder seinen europäischen Fleischkonzern an Nestle und gründete auf dem Gut Herrmannsdorf seine Landwerkstätten. Dort an der nordwestlichen Landkreisgrenze Rosenheims nahe Glonn, entwickelte er eine neue und doch altbewährte Kultur für Landwirtschaft und Lebensmittelhandwerk. Sein Ziel war eine wirtschaftlich tragende, ökologische Landwirtschaft und eine hohe Geschmacks- und Gesundheitsqualität vor allem auch von Fleisch und Wurst. Seiner Meinung nach sollten Menschen nicht komplett auf Fleisch verzichten müssen, sondern weniger und dafür gutes Fleisch essen.

Gesund und Gut

Wer sicher gehen will, dass die Tiere artgerecht gehalten werden, stößt unweigerlich auf die streng reglementierte Bio-Landwirtschaft. Dort müssen die Halter den Tieren ausreichend Platz gewähren, Auslauf oder Weide sind vorgeschrieben. Futterantibiotika oder hormonelle Masthilfen sind verboten.

Auch für die Schlachtung gelten Richtlinien bei der ökologischen Fleisch- und Wurstherstellung. Sie bestimmen, dass das Tier auf kurzen Wegen zur Schlachtung kommen soll, mit schonendem Transport, mit ausreichendem Platz und ohne zusätzlichen Stress.

Zu den Vorreitern der Region gehören zum Beispiel der Chiemgauhof Locking bei Amerang, der sich vor allem auch den alten Hühner- und Schweinerassen verschrieben hat, sowie in Schnaitsee der Biohof Schwingenstein mit seinen Weideschweinen.

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