Ein Schultag auf der Alm: Landwirtschaftsschüler lernen die Bewirtschaftung der Bergwelt

Die Landwirtschaft Studierenden packten auf der Alm an.
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Die Landwirtschaft Studierenden packten auf der Alm an.

Almen gelten als die „Arche Noah der Artenvielfalt“. Die hoch gelegenen Flächen zeichnen sich durch eine bunte Pflanzen- und Tierwelt aus. Doch wenn Almen nicht mit Vieh beweidet werden, wachsen sie mit Gestrüpp zu und der wertvolle Lebensraum geht verloren.

Eine Bergalm zu bewirtschaften ist aber nicht zu vergleichen mit einer Landwirtschaft im Tal. Wie anstrengend schon das Zurückschneiden von Gehölzen am Berg ist, lernten die Schüler der Landwirtschaftsschule Rosenheim beim Almschultag.

Viele Touristen kennen die Bergwelt nur bei schönem Wetter. Die Landwirtschaftsschüler dagegen mussten zu ihrem Almschultag bei Dauerregen aufbrechen. Coronabedingt wurde die Gruppe geteilt, um die Abstände einhalten zu können. Für die eine Hälfte ging es auf die Mühlbergalm, für die andere auf die Schweinsteiger-Alm im Sudelfeld. Am Nachmittag wurde getauscht.

„Es wurde noch nie ein Schultag wegen schlechten Wetters abgesagt“, so Felix Forster, Pflanzenbauberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim. Da es die Studierenden auch von ihren Betrieben gewohnt seien, bei Regen zu arbeiten, habe niemand gejammert.

Nach einer theoretischen Einführung galt es auf der Mühlbergalm, Wacholdersträuche und Fichtengestrüpp zu entfernen. Wie man in der unwegsamen Bergwelt mit Astschere, Motorsense und Motorsäge umgeht, zeigte Almbauer Josef Astl. Auf der Schweinsteiger-Alm rückten die Studierenden zusätzlich den Brennnesseln zu Leibe.

Bei ihrer Arbeit haben die Junglandwirte gelernt, wie wertvoll die Almflächen für den Naturraum sind. „Durch die extensive Bewirtschaftung und den Strukturreichtum gibt es auf der Alm eine enorme Artenvielfalt“, so Almfachberater Christian Tegethoff. So liegen auf einer Almfläche etwa ertragreiche Fettweiden neben Magerweiden, Feuchtstellen, Felsen, Wäldern oder Brachflächen.

Anstrengende Arbeit

Diese kleinteilige Struktur in hoher Lage macht die Bewirtschaftung aber zu einer Herausforderung. „Die Studierenden haben auch gesehen, dass die Almbewirtschaftung mit zum Teil körperlich sehr anstrengender Arbeit verbunden ist“, so Forster. Die Fördermittel, die es für Almbauern gibt, müssten sich diese also hart verdienen. Eine weitere Erkenntnis des Tages: Almbewirtschaftung und Umweltschutz liegen eng beieinander. Denn nur durch die Beweidung der Flächen bleibt der Lebensraum erhalten.

Doch es kann auch zu Konflikten zwischen Naturschutz und Almbewirtschaftung kommen. Der Wacholder etwa gilt auf der Alm bei starkem Vorkommen als Unkraut – ist aber eine geschützte Art. Viele Maßnahmen erfordern daher Ausnahmegenehmigungen und müssen mit den Naturschutzbehörden abgesprochen werden. „Es finden sich aber in der Regel Kompromisse, die sowohl aus naturschutz- als auch almwirtschaftlicher Sicht passen“, erklärt Tegethoff. khe

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