Ein Blick über den Tellerrand

Selber Brot backen entschleunigt und ist super nachhaltig.
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Selber Brot backen entschleunigt und ist super nachhaltig.
  • vonKatharina Heinz
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Aus einer alten Jeans einen modernen Hingucker machen oder mit Urkorn selbst Brot backen – in der Region gibt es zahlreiche Bildungsangebote, die einen nachhaltigen Mehrwert bieten.

Denn bei den Kursen lernt man nicht nur neue Techniken, sondern erfährt auch vieles über Ökologie und kann sogar etwas Handgemachtes mit nach Hause nehmen.

Vom Korn zum Brot

Beim Brotbackkurs im Finkennest in Zillham bei Schonstett backen die Teilnehmer ein Brot aus Urkorn. Sie lernen dabei nicht nur die Verarbeitungsschritte, wie aus Emmer oder Einkorn ein Vollkornbrot aus dem Steinofen hergestellt wird. „Sich Zeit nehmen und selbst ein Brot backen dient auch der inneren Entschleunigung“, sagt Simon Fink. Er ist der Inhaber des Finkennests, einem Landwirtschaftsbetrieb mit Direktvermarktung, Events und Hofcafé.

Beim Brotbackkurs, der im Rahmen der Bio-Erlebnistage der bayerischen Bio-Lebensmittelhersteller stattfindet, wird das traditionelle Back-Handwerk vermittelt. Nur Mehl, Wasser und Zeit braucht es dabei für ein gutes Brot. Kursleiter Fink geht auch auf die ernährungsphysiologische Bedeutung der Zubereitung von Brot ein und erklärt, wie Glutenunverträglichkeit mit der heutigen Backindustrie zusammenhängt.

Außerdem vermittelt er die landwirtschaftliche Herstellung des Getreides. Denn im Kurs „Vom Korn zum Brot“ werden Urgetreide der hofeigenen Bio-Landwirtschaft verwendet. „Ich erkläre, wie wir unseren Acker bewirtschaften und wie wichtig es ist, mit der Natur im Einklang zu sein“, so der gelernte Koch, Gastronom und Landwirt.

Emmer-Feld in Zillham.

Den Schwerpunkt auf alte Sorten hat Fink aus mehreren Gründen gelegt. „Sie wurden nie von Saatenzüchtern gekreuzt oder genetisch verändert, wachsen heute also noch wie vor 10 000 Jahren“, erklärt er. Sie haben einen höheren Vitamin- und Mineralstoffgehalt. Außerdem ist der Anbau nachhaltig, weil zwischen dem Getreide auch Kleegras, Gräser oder Kornblumen wachsen dürfen. Die „3-Felder-Wirtschaft“ gebe dem Boden genug Zeit, sich selbst zu erholen und auf natürlichem Weg mit Nährstoffen anzureichern.

Der nächste Kurs findet am 19. September von 18 bis 22 Uhr im Veranstaltungssaal des Finkennests statt. Weitere Infos unter www.bioerlebnistage.de/programm2020.

Seifen selbst gemacht

Sie schäumt, duftet und verleiht ein wunderbares Hautgefühl. Doch die Seife kann auch richtig umweltschädlich sein, besonders, wenn sie industriell hergestellt wurde. Beim Seifensiede-Kurs auf dem Bauernhof mit Kräuterpädagogin Andrea Illguth stellen die Teilnehmer ihre eigene Seife her. In Handarbeit, mit natürlichen Zutaten und völlig umweltverträglich.

„In der Regel besteht die Basis handgesiedeter Seifen aus pflanzlichen oder tierischen Fetten. Bei industriell hergestellten Seifen werden zudem aber noch zum Beispiel Farbstoffe, Duftstoffe oder Konservierungsstoffe hinzugefügt“, erklärt die Kursleiterin. Deswegen fängt die Nachhaltigkeit der Seifenherstellung schon bei der Auswahl der Rohstoffe an. Illguth verwendet regionale Produkte wie Mohn-, Hanf- oder Sonnenblumenöl, Bienenwachs sowie heimische Kräuter und Wildfruchtextrakte.

Handgemachte Seifen.

Übrigens kann man mit einer Seife viel mehr als nur Hände waschen. „Auch für die Haare und die Körperpflege eignen sich die schäumenden Stücke sehr gut“, betont sie. Die selbst gemachte Seife sei nicht nur hautverträglicher, sondern schone auch die Umwelt mehr als Duschgels oder Lotionen. „Das liegt zum einen an der Verpackung, die ganz ohne Plastik auskommt, zum anderen an den Inhaltsstoffen, die bei Seife biologisch besser abbaubar sind“, so Illguth.

Der Kurs mit dem Titel „1-2-3 – Plastik- und schadstofffrei. Seifensieden auf dem Bauernhof“ des Katholischen Bildungswerkes Rosenheim findet am 17. Oktober von 14 bis 17 Uhr in Obereggenhausen bei Grabenstätt statt. Weitere Infos unter www.bildungswerk-rosenheim.de.

Aus Alt mach Neu

Die neue Hose ist zu lang und der Reißverschluss der Lieblingsjacke ist kaputt – was tun? Statt Kleidung wegzuwerfen, kann man sie umnähen, anpassen oder aufpeppen – wenn man eine fachkundige Anleitung hat. Schneiderin Anita Weiss zeigt im Kurs „Die Änderungsschneiderei – aus Alt mach Neu“ der VHS Rosenheim, wie es geht.

„Ja logisch ist das total ökologisch“, sagt Weiss. Denn heutige Mode lege weite Strecken zurück und werde oftmals mit Chemie behandelt, bevor sie in die Regale der Boutiquen komme. Jedes Stück hat daher einen großen ökologischen Fußabdruck, den man vermeiden kann, wenn man weniger davon konsumiert. Dazu kommt: Der Used-Look mit Löchern in der Jeans zum Beispiel ist gerade „mega-schick“, weiß die Schneiderin. Und: „Wenn man selber Zeit, Arbeit und Ideen reinsteckt, bekommt das Teil einen ganz anderen Wert“, betont sie.

Ein bisschen Geschick sollte man mitbringen, wenn man sich selbst als Schneider versuchen will. Vorkenntnisse sind aber nicht nötig. Jeder Teilnehmer bekommt individuelle Hilfestellung, sodass er step-by-step sein Projekt verwirklichen kann. Neben der Herausforderung, etwas Neues zu lernen, erleben die Teilnehmer jede Menge Spaß. „Wir haben immer eine richtige Gaudi“, so Weiss. In der Gruppe können die Laien-Schneider Ideen austauschen und Freundschaften schließen.

Der nächste Kurs findet am 26. September von 9 bis 13 Uhr bei der VHS Rosenheim statt. Mehr Infos unter www.vhs-rosenheim.de.

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