Duale Ausbildung im Handwerk: Wenn Theorie auf Praxis trifft

Lernen und anpacken bei der dualen Ausbildung.
+
Lernen und anpacken bei der dualen Ausbildung.

Rosenheims Kreishandwerksmeister Gerhard Schloots im Interview

Sie ist eine Erfolgsgeschichte „made in Germany“: die duale Ausbildung dient inzwischen vielen anderen Ländern auf der Welt als Vorbild. Denn während anderswo nur in der Berufsschule ausgebildet wird, vereint die berufliche Ausbildung in Deutschland Theorie und Praxis vom ersten Tag an. Wie das funktioniert und warum es einen nachhaltigen Nutzen hat, erklärt Rosenheims Kreishandwerksmeister Gerhard Schloots.

Herr Schloots, was bedeutet „duale Ausbildung“ eigentlich?

Das bedeutet eine Verbindung von Schule und Wirtschaft. In den Ausbildungsbetrieben der Region findet die praktische Ausbildung statt. Der Unterricht in Theorie und zum Beispiel an kostspieligen Maschinen, die sich nicht jeder Betrieb leisten kann, erfolgt in der Berufsschule.

Was ist das Besondere an dieser Ausbildungsform hier in der Region?

Die Qualität ist hervorragend. Das liegt auch daran, dass wir in den Berufsschulen tolles Personal und eine sehr gute Ausstattung mit modernen Maschinen haben. Rund 7000 Handwerksbetriebe gibt es in der Region und die meisten davon bilden aus.

Warum ist diese Verbindung aus Theorie und Praxis gerade im Handwerk so wichtig?

Wenn man mit einem bestimmten Werkstoff arbeitet, ist es wichtig, alles darüber zu wissen. Denn wenn ich nicht verstehe, wie das Material zusammengesetzt ist, kann ich es auch nicht perfekt in der Praxis anwenden. Zur praktischen Arbeit im Handwerk ist knallhartes Basiswissen nötig.

Wie läuft eine duale Ausbildung konkret ab?

Die theoretische Ausbildung erfolgt in den Staatlichen Berufsschulen, die Praxis in den Ausbildungsbetrieben. Es braucht einen Meister im Betrieb, um ausbilden zu dürfen. Gegen Ende des zweiten Jahres erfolgt die Zwischenprüfung, in der Regel zum Ende des dritten Jahres oder nach dreieinhalb Jahren die Gesellenprüfung. Im vergangenen Jahr haben im Bereich der Kreishandwerkerschaft 450 Azubis ihre Ausbildung abgeschlossen. Als Geselle kann man mit einem Kurs zum Meister weitermachen und danach sogar studieren.

Warum ist die duale Ausbildung nachhaltig?

Mit einer abgeschlossenen Ausbildung im Handwerk kann man sich selbstständig machen, einen Betrieb gründen und Mitarbeiter beschäftigen. Damit leistet man einen nachhaltigen Beitrag für die Gesellschaft und den Wirtschaftsstandort. Man zahlt als Unternehmer Steuern und Löhne, sorgt durch Weiterbildung für eine hohe Qualität im Handwerk und kann als Meister auch die zukünftige Generation ausbilden. khe

Kommentare