Bio boomt

Katrin Grünwald, Geschäftsführerin von Demeter Bayern.

Lebensmittel aus ökologischem Anbau sind nicht nur in Zeiten der Krise gefragt

Lebensmittel mit Geschichte und eine hohe Nachfrage nach Trockenprodukten in der Corona-Krise: Katrin Grünwald, Geschäftsführerin von Demeter Bayern aus Ruhpalzing, im Interview.

Frau Grünwald, wie sieht die Marktsituation im Bereich der Bio-Lebensmittel derzeit aus: kann man die Nachfrage bedienen oder herrscht ein Angebotsüberschuss?

Demeter wächst und Demeter-Produkte werden sehr gut nachgefragt. Generell ist im Premium-Segment noch Wachstum möglich, hier gibt es eine gute Nachfrage nach hochqualitativen Produkten. Wir können im normalen Marktumfeld die Nachfrage bedienen, Angebot und Nachfrage sind hier stabil.

In welchen Produktsparten herrscht welcher Trend?

Bei Demeter haben wir eine hohe Nachfrage bei der Grünen Frische. Obst und Gemüse sind ursprüngliche, unverarbeitete Produkte, die eine direkte Verbindung vom Erzeuger zum Verbraucher herstellen. Auch bei Demeter-Milch ist die Nachfrage stabil. Kurzfristig haben wir durch die Coronavirus-Krise eine sehr hohe Nachfrage nach Demeter-Fleisch und Trockenprodukten wie Haferflocken, Linsen und Mehl.

Sind die Verbraucher gewillt, einen höheren Preis für hochwertigere Bio-Lebensmittel zu zahlen?

Für besondere und hochwertige Produkte und für gute, ehrliche Geschichten, die hinter Produkten stehen, sind Verbraucher sehr wohl bereit, etwas mehr zu bezahlen. Da spielt die Herkunft natürlich eine große Rolle. Auch der Vertriebskanal bestimmt mit, wieviel sie bereit sind, auszugeben. Im direkten Kontakt mit den Erzeugern – etwa auf dem Wochenmarkt – ist die Bereitschaft am größten. Dass Demeter-Produkte aufgrund ihrer besonders anspruchsvollen Erzeugung etwas höherpreisiger sind.

In Bayern, heißt es, würden mehr Milchbauern gerne auf Bio umstellen, es gäbe aber nicht genug Nachfrage – sehen Sie das auch so?

Seit 2016 gab es eine Umstellungswelle auf Bio aufgrund der schlechten Milchmarktsituation im konventionellen Sektor. Dadurch geriet der Bio-Milchmarkt unter Druck, hat sich 2019 aber stabilisiert; auch aufgrund sinkender Milchmengen aufgrund der Dürre und der daraus resultierenden Futterknappheit im letzten Jahr. Demeter-Milch ist im Bio-Bereich allerdings ein Premium-Produkt, und da sieht es anders aus. Demeter sucht weiter Umsteller; zum Beispiel suchen wir hier im Chiemgau aktiv gemeinsam mit der Molkerei Berchtesgadener Land neue Erzeuger für Demeter-Milch.

Welche Rolle spielen die Lebensmitteleinzelhandelsketten bei der Preisgestaltung?

Die Lebensmitteleinzelhandelsketten runden ihr Bio-Angebot mit Demeter-Produkten nach oben hin ab. Sie wissen und akzeptieren, dass Demeter-Erzeuger für die besondere biodynamische Qualität auch einen höheren Preis benötigen. Aber das bedarf kontinuierlicher Gespräche zwischen allen Handelspartnern. khe

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