Bauen mit Hanf

Die Hanf-Pflanze ist vielseitig nutzbar.
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Die Hanf-Pflanze ist vielseitig nutzbar.

Aus dem Inneren der Pflanze entsteht zusammen mit Kalk ein biologisches Material

Hanf ist eine Pflanze voller Überraschungen. Schon im Planet Heimat-Monatsthema wurde deutlich, wie die Faser nachhaltig in der Textilindustrie verwendet werden kann. Nun, im Monatsthema „Bauen“, kommt Hanf erneut in den Fokus. Denn aus dem Inneren des Stengels, dem so genannten Schaumholz, lässt sich in Vermischung mit Kalk ein luftiger, völlig biologischer Baustein herstellen.

„Sehr ökologisch, gesund und energiesparend“ sei der, wie Uta Stechl aus Rattenkirchen erklärt. Die Diplom-Ingenieurin und Lebensmitteltechnologin hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Hanf regional zu promoten. Der Anbau soll für Landwirte so rentabel wie möglich werden. Dazu gehöre, dass man das Produkt möglichst umfassend nutze. Neben der Verwendung der Hanfsamen im Lebensmittelbereich gehört dazu auch die Nutzung der Hanf-Faser für Textilien und des Schaumholzes als Baustoff.

Hanf zu 100 Prozent recycelbar

Hanf ist laut Stechl das zweitgrößte Biomasseprodukt der Welt. Gut für die Umwelt: er wächst in moderatem Klima überall gut, wo genügend Regen fällt – weshalb keine künstliche Bewässerung notwendig ist. Hanf braucht außerdem wenig Pflege und keinerlei chemische Pflanzenschutzmittel. Während herkömmliche Baustoffe riesige Müllberge verantwortlich sind, ist Hanf zu 100 Prozent recycelbar.

Leider, so Stechl, sei Hanf als Baustoff in Deutschland nahezu unbekannt. Nur 1600 Hektar Hanf wurden in Deutschland im Jahr 2017 angebaut. Weltweit dagegen sei ein regelrechter Trend hin zum Bauen mit Hanf zu beobachten. In Frankreich etwa betrug die Anbaufläche im gleichen Jahr über 17 000 Hektar. „In Holland werden sogar Fertighäuser aus Hanfschäben hergestellt, welche schon bis Australien geliefert wurden“, so Stechl.

Sie bedauert, dass Bauträger in Deutschland derzeit nicht besonders aufgeschlossen gegenüber neuen Ideen seien, da ihre Auftragsbücher auch so voll seien. Außerdem fehle es an regionalen Verarbeitungsbetrieben sowie Know-how und Erfahrung im Bauhandwerk. Immerhin: Ein paar Projekte entstehen auch in Deutschland: Die Firma „Hanfzeit“ in der Nähe von Hannover hat laut Stechl ihr Betriebsgebäude zu 100 Prozent aus Hanfkalk gebaut und am Ammersee befindet sich derzeit ein Haus in Planung. „Für ein Wohnhaus genügt das Stroh von einem bis zwei Hektar Hanf. Das ist die Biomasse, die man in einem solchen Haus üblicherweise in einem Jahr verheizt“, erklärt Stechl. khe

Bauwerk aus Hanf.
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