Alternative Energien von den Feldern der Region: „Silphie“

Silphie-Blüten.
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Silphie-Blüten.

Biogas gilt als saubere Energie. In der Region Rosenheim ist Mais die wichtigste Energiepflanze dafür. Er kommt mit dem Klima gut zurecht und liefert bei entsprechender Witterung Spitzenerträge. Doch in Sachen Biodiversität schneidet Mais vergleichsweise nicht so gut ab. Ganz im Gegensatz zu einer Energiepflanze, die ursprünglich aus Nordamerika stammt und in der Region immer mehr Beachtung bekommt: die „durchwachsende Silphie“ (Silphium perfoliatum). Beim Ertragsniveau schafft sie es zwar nicht an den Mais heran, könnte sich aber als gute Alternative etablieren.

Der größte Vorteil der Pflanze: sie ist eine Dauerkultur. Das heißt, sie muss nur einmal gesät werden und kann bis zu 15 Jahre lang geerntet werden. Um einen guten Bestand hinzubekommen, bedeutet sie allerdings in den ersten Jahren einen Mehraufwand für den Landwirt.

Dauerkultur fördert Bodenbiologie

Die Pflanze gehört in die Familie der Korbblütler und wird auch „Becherpflanze“ genannt. An den Ansätzen der Blätter sammelt die Silphie Tau- und Regenwasser, wovon sich Insekten aller Art bedienen. Zudem blüht die Kultur von Anfang Juli bis September in strahlendem Gelb und dient als Nahrungsquelle für Bienen, Schmetterlinge und allerlei Insekten. Neben den Leistungen für die Insektenwelt bietet die Dauerkultur auch weitere Vorteile für die Umwelt. Ihr dichtes Wurzelwachstum fördert die Bodenbiologie, das Bodenleben und somit die Humusbildung.

Wurzeln verhindern, dass Nitrat in den Boden gelangt

Zudem verhindert die ständige Durchwurzelung des Bodens, dass Nitrat ausgewaschen wird und ins Grundwasser gelangt. Nicht zuletzt sind die leuchtenden Blüten hübsch anzusehen.

„Der älteste Bestand in der Region ist im dritten Erntejahr“, sagt Felix Forster Pflanzenbauberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim. In diesem Jahr wurden 10,42 Hektar im Landkreis angebaut. „Das ist insgesamt noch relativ wenig“, so der Experte.

Nachteil: teures Saatgut

Der größte Nachteil der Silphie sind die hohen Anbaukosten. Das Saatgut sei sehr teuer und zusammen mit einer speziellen Saattechnik müssten Landwirte mit knapp 2000 Euro pro Hektar rechnen, erklärt Florian Hötzelsperger, der Geschäftsführer des Maschinenrings Rosenheim.

Finanzielle Förderung für den Anbau

Um einen Anreiz zu schaffen, unterstützt der Kreistag den Anbau der Pflanze. Er stellt einmalig 240 Euro pro Hektar, gedeckelt auf 100 Hektar, in den nächsten vier Jahren zur Verfügung

„Sicherlich wird die Silphie den Mais nicht generell ersetzten, jedoch gewinnt sie an einigen Flächen zunehmend an Bedeutung, etwa an Hanglagen, Wasserschutzgebieten und unförmigen Flächen“, sagt Hötzelsperger. Die größten Vorteile sehe er durch weniger Arbeits- und Maschinenaufwand, weniger bis keinen Pflanzenschutzeinsatz und einer hohen Stickstoffverwertung. Ihre Nebenleistungen wie Humusaufbau, CO²-Bindung, Lebensraum für Insekten und die Imagepflege durch gute Akzeptanz in der Bevölkerung seien dabei nicht weniger interessant.

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