Musik als Therapieinstrument

Musik kann bei Demenz-Erkrankungen eine heilsame Wirkung entfalten. istockphoto.com/shironosov
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Musik kann bei Demenz-Erkrankungen eine heilsame Wirkung entfalten. istockphoto.com/shironosov

Die meisten Menschen empfinden Musik als heilsam – der Lieblingskomponist kann die Stimmung nach einem anstrengenden Tag stabilisieren, der vielgesungene Hit bringt Schwung in den Tag.

Musik findet auch als therapeutisches Mittel Anwendung in verschiedenen klinischen Bereichen.

Die Wirksamkeit von Musik in der Demenzpflege wurde bisher jedoch noch nicht untersucht. Ziel der Studie von Thomas und Kollegen (2017) war die Untersuchung von US-amerikanischen Pflegeheimpatienten vor und nach Einsatz eines individualisierten Musikprogramms. Dazu wurde das Musik- und Gedächtnisprogramm angewandt, kurz M&G, das zur Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten und psychologischen Symptomen der Demenz entwickelt worden war.

Es nahmen 196 Pflegeheime an der Studie teil. 98 nahmen während des Jahres 2013 am M&G-Programm teil, die übrigen 98 dienten als Kontrollen. Untersucht wurden Langzeitheimbewohner mit diagnostizierter Alzheimer-Erkrankung und da rauf basierender Demenz. In den M&G-Heimen waren dies 12 905 Patienten, in den Kontrollheimen 12 811 Patienten.

Qualitätssteigerung in den Heimen

Das M&G-Programm diente zur Qualitätssteigerung der Heime und bot den Bewohnern speziell auf ihre persönliche Geschichte und Vorlieben zugeschnittene Musik an. Um die Auswirkung des Programms zu bewerten, wurde untersucht, ob während des Programmzeitraums die Behandlung mit angstlösenden und antipsychotischen Medikamenten unterbrochen wurde. Weiter wurde das Auftreten von Verhaltensschwierigkeiten und depressiver Stimmung vor und nach der Intervention bewertet. Diese Veränderungen wurden mit einem ausführlichen Klientenbeurteilungsbogen (dem Minimalen Datensatz, MDS) bestimmt.

Der Anteil der Pflegeheimbewohner, die ihre antipsychotische Behandlung in einem Zeitraum von sechs Monaten beendeten, erhöhte sich in den M&G-Heimen von 17,6 auf 20,1 Prozent.

In den M&G-Heimen zeigten sich auch bei mehr Patienten geringere Verhaltensauffälligkeiten.

Die Ergebnisse bieten einen ersten Anhaltspunkt für die Unterstützung, die ein individualisiertes Musikprogramm wie M&G in der Pflege von Alzheimerpatienten im Heim bieten könnte. Die auf die Patienteninteressen und -wünsche zugeschnittene musikalische Begleitung des Heimlebens ging mit geringerem Bedarf an antipsychotischer und angstlösender pharmakologischer Behandlung einher. Zudem fanden sich bei den teilnehmenden Langzeitheimbewohnern mit psychologischen Symptomen der Demenz geringere Verhaltensprobleme als zu Beginn der Studie. Die Arbeit legt nahe, dass individualisierte Musik einen wertvollen therapeutischen Beitrag zum Pflegeheimalltag dementer Patienten liefern könnte.

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