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DIE POLIZEIBILANZ

Mitleid mit Merkels Bettvorleger

Die Sitzplätze im Gmoahof reichten nicht aus, so viele Zuhörer kamen, um die Wahlkampfrede von Alice Weidel zu hören. Der Veranstalter musste etliche Leute wegen Platzmangels sogar wieder nach Hause schicken.

Ein starkes Polizeiaufgebot sicherte am Sonntag die Wahlveranstaltung mit Dr. Alice Weidel, Fraktionssprecherin der AfD im Deutschen Bundestag, und eine Gegendemonstration vor dem Willinger Gmoahof. Größere Zwischenfälle gab es nicht.

Bad Aibling– Während die Gegner der Rechtspartei schon lange vor dem Eintreffen der Hauptrednerin ihren Protest gegen die Kundgebung lautstark zum Ausdruck brachten, mischte sich in die Begeisterung des AfD-Kreisvorsitzenden Andreas Winhart über den großen Besucheransturm auch ein wenig Ratlosigkeit. „Wir sind an unserer Kapazitätsgrenze angelangt“, musste er etlichen enttäuschten Besuchern klar machen, dass sie keinen Einlass mehr finden. Verständnis fand er hierfür eher wenig. Am Schluss waren es weit über 100 Menschen, die die Partei abweisen musste, rund 200 folgten im Saal der Rede der Fraktionsvorsitzenden.

Die fackelte nicht lange und brachte die Zuhörer mit einem wahren Feuerwerk an Attacken fast mühelos auf ihre Seite. Zielscheibe waren vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel und die CSU sowie eine aus Sicht der AfD verfehlte Sozialpolitik. Es dauerte nicht lange, bis die ersten „Merkel-muss-weg-Rufe“ zu ihr ans Rednerpult drangen.

Letztlich war es ein Heimspiel für Weidel. Dafür hatte die AfD im Vorfeld der Veranstaltung offenbar geschickt gesorgt. Winhart und auch der Spitzenkandidat der Rechtspartei für Oberbayern, Franz Bergmüller, freuten sich in ihrer Begrüßung auch über die vielen Freunde aus den Nachbarlandkreisen. Mit denen machte Winhart zur Einstimmung erst einmal einen Geruchstest. „Riecht ihr den Mief, der über ganz Bayern liegt? Das ist der Angstschweiß der CSU“. Da spielte es auch keine Rolle, dass der Kreisvorsitzende sich anfangs noch bei der CSU wähnte, der er einst angehörte, und in deren Namen er versehentlich begrüßte. Beifall, Gelächter und Gejohle.

Publikumsreaktionen, die sich auch durch Weidels knapp einstündige Rede wie ein roter Faden zogen. In ihrer Wortwahl war die Frontfrau der Partei an diesem Abend beileibe nicht zimperlich. Nicht nur beim Thema Flüchtlingspolitik. Sie sieht Bayerns Grenzen nach wie vor „offen wie Scheunentore“, und Horst Seehofer würde sie am liebsten in den Arm nehmen und trösten. Für sie ist er„der Möchtegern-Löwe, der bei jedem Miauen Merkels zuverlässig wieder als ihr Bettvorleger landet“.

Als Weidel zum Fall Sami A. überleitet, einst Leibwächter des weltweit gejagten Terroristen Osama Bin Laden, verknüpft sie dies mit der Sorge vor zunehmender Altersarmut. Wie berichtet, wertete ein Gericht dessen Abschiebung als rechtswidrig und ordnete seine Rückholung von Tunesien nach Deutschland an. Darüber kann sich die Fraktionsvorsitzende an diesem Abend gar nicht genug empören – vor allem, als sie darauf hinweist, dass A. vor seiner Abschiebung zehn Jahre lang 1200 Euro monatlich vom Sozialstaat erhielt. „Und arme Rentner in unserem Land müssen Flaschen sammeln gehen, weil sie kaum mehr über die Runden kommen“, so Weidel. „Das ist doch der Wahnsinn. Diese Regierung macht unser Land zum Gespött in der ganzen Welt.“ Wenn kriminelle Asylbewerber besser gestellt und geschützt würden als die eigene Bevölkerung, dann sei Deutschland kein Rechtsstaat mehr, echauffierte sich Weidel. Aus der Verantwortung lässt sie da auch die SPD nicht. Für sie „eine total verbissene Proleten-Partei, die sich immer weiter marginalisieren wird“.

Wie die AfD sich die Sicherung des Wohlstandes und sozialstaatliche Grundsätze vorstellt, das will der Gast aus Berlin den Zuhörern nicht vorenthalten: Entlastung für kleine und mittlere Einkommen, Absenkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent und 2000 Euro des Einkommens steuerfrei für alle. Wie das finanziert werden soll, dazu hakt in der anschließenden kurzen Diskussionsrunde an diesem Abend niemand nach.

Zustimmendes Kopfnicken erhält die Bundestagsabgeordnete allerdings, als sie Grundvoraussetzungen nennt, ohne die solch politisches Handeln nicht möglich ist. Sichere Grenzen, Investitionen in die Zukunft und keine weitere Aushöhlung der deutschen Souveränität durch die EU. „Die Hoheit über unseren Haushalt gehört nach Berlin und nicht nach Brüssel“, sagte die AfD-Politikerin.

Und dann kommt sie allmählich zum Schluss und spricht von der Dramaturgie her passend dazu von der „längst aufgezogenen Merkel-Dämmerung“. Auch damit begründete Weidel die „immense Bedeutung“ der Landtagswahl am 14. Oktober. „Da geht es nicht nur darum, die selbstherrliche CSU abzustrafen. Je schärfer der Denkzettel für die CSU ausfällt, desto schneller geht Merkels Kanzlerschaft zu Ende.“

Protestierende AfD-Gegner: Ein starkes Polizeiaufgebot sorgte für einen reibungslosen Ablauf der Gegendemonstration und der Wahlveranstaltung. Resiner

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