BAHNCHAOS: POLITIK SCHALTET SICH EIN

„Meridian wehrt sich völlig zu Recht“

Wer darf zuerst? Meridian, Fernverkehr von ÖBB und DB sowie Güterverkehr werden während der Vollsperrungen der Hauptstrecke über das Mangfalltal umgeleitet. Folge: Chronische Überlastung der eingleisigen Bahnlinie. Aerzbäck
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Wer darf zuerst? Meridian, Fernverkehr von ÖBB und DB sowie Güterverkehr werden während der Vollsperrungen der Hauptstrecke über das Mangfalltal umgeleitet. Folge: Chronische Überlastung der eingleisigen Bahnlinie. Aerzbäck

Die erste Vollsperrung der Bahnstrecke Rosenheim-München hat Fahrgästen und Zugpersonal viel abverlangt. Die Umleitung über die eingleisige Strecke im Mangfalltal verlief alles andere als reibungslos. Der Nahverkehr wurde von Fern- und Güterzügen ausgebremst. Jetzt hat sich die Politik eingeschaltet. „Der Meridian wehrt sich völlig zu Recht“, sagt der Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner (CSU) überzeugt. Sein Kollege Otto Lederer übt ebenfalls Kritik an der DB, sieht aber auch beim Meridian Handlungsbedarf.

Rosenheim/München – Drei Tage lang ging auf der viel befahrenen Bahnstrecke zwischen Rosenheim und der Landeshauptstadt im Abschnitt Grafing-Ostermünchen gar nichts mehr. Nahverkehr, Fernverkehr und Güterzüge leitete die Deutsche Bahn (DB) deshalb über das Mangfalltal um. Die Folge war eine chronische Überlastung der eingleisigen Strecke zwischen Rosenheim und Holzkirchen.

Klaus Stöttner sieht Nachbesserungsbedarf vor allem bei der DB. „Die Baustellenabwicklung der DB Netz AG ist absolut chaotisch organisiert“, urteilt der Rosenheimer Landtagsabgeordnete im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Die Planungen seien eine Zumutung. Ein großes Problem sei die falsche Priorisierung: Es könne nicht sein, dass ein Güterzug oder ein Railjet, der mit 300 Personen besetzt ist, Vorrang vor einem Meridian hat, in dem sich 1000 Leute befinden. „Der Meridian wehrt sich völlig zu Recht“, ist er überzeugt. Stöttner hat nun ein Krisengespräch mit Verantwortlichen der DB anberaumt, um kurzfristige Verbesserungen zu erreichen.

Ins gleiche Horn stößt sein Kollege Otto Lederer. Ihm zufolge haben die Planungen der Bauarbeiten schon vor zwei Jahren begonnen und, initiiert durch die DB Netz AG, sei auch im Rahmen dieser Entwürfe mit allen betroffenen Unternehmen gesprochen worden. Auch im Beisein der Aufsichtsbehörde, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) wurden die Ersatzfahrpläne festgelegt. „Aber trotz der langwierigen Vorplanungen und intensiven Gespräche wurde offenbar von der Deutschen Bahn versäumt, den Baustellenfahrplan so zu gestalten, dass man auf verspätet einfahrende Züge noch sinnvoll reagieren kann“, so Lederer, der als Bahnfahrer die Beschwerden aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

Dennoch sieht der Abgeordnete auch den Meridian in der Pflicht. Dieser ist zum Beispiel für den Schienenersatzverkehr im Mangfalltal und auf der Strecke zwischen Ostermünchen und Grafing verantwortlich. „Leider haben die vergangenen Wochen gezeigt, dass der Meridian dieser Verantwortung nicht immer gerecht wurde“, so Lederer. In der Tat gingen in den vergangenen Tagen in der Redaktion der OVB-Heimatzeitungen Beschwerden über zu wenige oder zu kurze Busse im Schienenersatzverkehr ein. So schilderte eine Pendlerin aus Heufeldmühle, dass bei einer Fahrt um 6.50 Uhr Richtung Rosenheim in Heufeld und Kolbermoor Fahrgäste wegen Überfüllung zurückgelassen werden mussten und die Haltestelle Bad Aibling-Kurpark gar nicht mehr angefahren werden konnte. Gleiches bei der Rückfahrt um 17.40 Uhr von Rosenheim Richtung Holzkirchen: Zehn Minuten vor Abfahrt habe der Busfahrer gebeten, dass alle noch etwas enger zusammenrücken sollten: „Da standen wir aber schon wie Ölsardinen.“

Zugleich übt sie Kritik da ran, dass der Meridian halbstündliche Verstärkerkurse nur zwischen Rosenheim und Bad Aibling einsetzt. Fahrgäste aus Bruckmühl, Westerham und Holzkirchen haben dagegen nur eine Verbindung pro Stunde.

Der Meridian selbst zieht grundsätzlich ein positives Fazit über die Abwicklung des Betriebs während der Vollsperrung. „Wir konnten den Ersatzbus- und Ersatzschienenverkehr weitgehend sicherstellen“, so Christopher Raabe, Pressesprecher der Bayerischen Oberlandbahn GmbH (BOB), die den Meridian betreibt. Aber: Das Unternehmen übt laute Kritik an der DB, welche die Infrastruktur betreibt. „Erst wenn die Bauarbeiten laufen, sehen wir nämlich, ob der uns vorgegebene Fahrplan funktioniert“, so Raabe. Und bei den jüngsten Pünktlichkeitswerten von gerade 72 Prozent sei offensichtlich, dass die Fahrpläne nicht optimal funktionieren.

Mehr und längere Busse

Nachsteuern will das Unternehmen am Ersatzverkehr mit Bussen. Die Zuschriften der OVB-Leser decken sich Raabe zu Folge mit einem der Hauptwünsche der Fahrgäste für die noch kommende Bauphase von 5. bis 10. Mai: mehr und längere Busse. „Das haben wir aufgenommen und werden es für die nächste Bauphase berücksichtigen“, verspricht er. Von Donnerstag, 5. Mai (Christi Himmelfahrt), 22.20 Uhr, bis Montag, 10. Mai, 24 Uhr, heißt es erneut: Nichts geht mehr.

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