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KINDER MIT GESCHENKEN INS HAUS GELOCKT

Manager (52) missbraucht zwei kleine Nachbarmädchen

Nach über 10000 Kinderpornos, die er in über drei Jahren aus dem Internet heruntergeladen hatte, wollte ein kaufmännischer Angestellter (52) nach seinen Worten bei einem Gutachter die nackten Körper von Kindern „in Natur sehen“. In seinem Haus in der Nähe von Rosenheim vergriff sich der Münchner an zwei sieben und fünf Jahre alten Nachbarmädchen.

Traunstein/Rosenheim – Wegen zweifachen „schweren“ sexuellen Missbrauchs von Kindern und eines weiteren Missbrauchsfalls musste er sich gestern vor der Jugendschutzkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann verantworten. Das Urteil wird am Freitag, 3. August, um 12 Uhr verkündet.

Auf das Nachbargrundstück war 2017 ein Ehepaar mit zwei kleinen Mädchen eingezogen. Es entwickelte sich ein fast freundschaftliches Verhältnis zwischen der Familie und dem Angeklagten mit seiner Frau. Staatsanwältin Vanessa Wiegner warf dem Angeklagten vor, das siebenjährige Kind zweimal im Sommer 2017 in sein Haus gebracht und dort massiv sexuell missbraucht zu haben. Die Schwester (5) soll er in eindeutiger Weise begrabscht haben.

Die Begründung, in Wirklichkeit Kinder nackt sehen zu wollen, wiederholte der in München lebende 52-Jährige, seit 36 Jahren im mittleren Management eines großen Autoherstellers tätig, gestern nicht. Er wollte auf einem alten Firmenrechner lediglich schnell durch Seiten mit Kinderpornografie durchgezappt sein – „aus Neugierde, was so alles ins Netz gestellt war“.

Über seinen Verteidiger, Harald Baumgärtl aus Rosenheim, ließ der 52-Jährige die Vorwürfe der Staatsanwältin einräumen. Sein Mandant habe den Kindern Glaubwürdigkeitsgutachten und eine Aussage vor Gericht ersparen wollen. Der Verteidiger: „Ihm tut leid, was er den Kindern zugefügt hat.“ Die Zimmertüren seien nicht versperrt worden, die Ehefrau des Angeklagten habe sich während der Taten im Haus befunden. Der 52-Jährige habe einen Täter-Opfer-Ausgleich mit 12500 Euro Schmerzensgeld angeboten.

Opfer mit Geschenken ins Haus gelockt

Das Gericht hakte in intensiv nach. Der 52-Jährige beteuerte, er habe „nie Gewalt angewendet“. Neben physischer Gewalt gebe es psychische Gewalt – bis hin „zu Geschenken, damit die Kinder etwas tun und hinterher nichts sagen“, hielt ihm Beisitzende Richterin Dorothea Bartschmid vor. Ein Kind habe den Nachbarn zitiert mit: „Wenn du etwas sagst, wird es Probleme geben.“

Zu den über 10 000 Kinderpornos – sie waren nicht Gegenstand der Anklage, da sie im Vorfeld mit Blick auf das Gewicht der restlichen Taten eingestellt worden waren – meinte der 52-Jährige, er habe sich zunächst nur für Erwachsenenpornos interessiert. Über Links sei er zu Kinderpornos gelangt, der „ästhetischen Komponente“. Von „Sucht“ könne keine Rede sein. Weidmann betonte hinter jeder Aufnahme mit Kindern stecke eine reale Situation: „Da waren harte Sachen dabei. Die Aufnahmen sind mit entsprechend schädigenden Erlebnissen für die Kinder verbunden.“ „Ich werde nie wieder in Versuchung kommen. Ich bereue es ganz bitter“, erwiderte der Manager.

Die Mutter (42) der Mädchen erinnerte sich an die Worte von einem der Opfer im Zusammenhang mit einem Buch über den Umgang von Kindern mit Fremden: „Mami, ich habe ein Geheimnis.“ Dann habe die Kleine erzählt, was der Angeklagte mit ihr gemacht habe. Später sei auch die andere Tochter mit ihren Erlebnissen herausgerückt. Beide hätten Angst gehabt. Die Mama machte sich gestern Vorwürfe, nichts vom Missbrauch bemerkt zu haben. Der Nachbar habe die Mädchen mit Spielzeug ins Haus gelockt. Deshalb hätten sie gemacht, „was er wollte“.

Dem Vater (39) der Opfer, der sehr auf gute Nachbarschaft bedacht und beruflich stark engagiert war, fiel lange Zeit nichts auf. Die Geschenke hätten sich irgendwann gehäuft. Den Kindern sei vom Angeklagten eingebläut worden, der Vater werde „extrem böse“, falls sie ihm etwas sagen würden. Die Eltern gingen im Dezember 2017 zur Polizei. Kurz darauf klickten die Handschellen für den 52-Jährigen. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

„Schmerzensgeld ist ein Witz“

Zu den Folgen informierten die Eltern, das ältere Kind habe unter gesundheitlichen Problemen ohne erklärbare Ursache gelitten. Die Schwestern hätten sich beide im Verhalten verändert. Eine habe Angst geäußert, dass der Angeklagte zurückkomme. Inzwischen habe man einen Zaun zwischen den Grundstücken errichtet.

Zu einem Täter-Opfer Ausgleich stellte der Vater fest: „Das Geständnis ist nur ein Teilgeständnis. Es waren mehr Übergriffe. Der Entschuldigungsbrief ist eine Themaverfehlung. Ein Schmerzensgeld von einem Monatslohn ist ein Witz.“ kd

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