Wie zwei Schulen im Raum Rosenheim auf den digitalen Unterricht umgestiegen sind

Manuel Endres hält seinen Unterricht im leeren Klassenzimmer am Dietrich Bonhoeffer Bildungs Campus. Die Schüler sitzen zuhause am Tablet. DBBC
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Manuel Endres hält seinen Unterricht im leeren Klassenzimmer am Dietrich Bonhoeffer Bildungs Campus. Die Schüler sitzen zuhause am Tablet. DBBC
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Seit Montag sind bayerische Schulen geschlossen. Der Unterricht soll digital erfolgen. Und in der Region schaffen Schüler den Umstieg sehr gut.

Bad Aibling/Rosenheim – Aufmerksam und diszipliniert folgen die Schüler dem Unterricht, beantworten Fragen des Lehrers, schreiben „an die Tafel“, füllen Arbeitsblätter aus, reden miteinander, freuen sich auf die Pause, wenn der Gong erklingt. Und das, obwohl seit Montag bayernweit alle Schulen geschlossen sind.

In Bad Aibling geht die Umstellung fast nahtlos

Am Dietrich Bonhoeffer Bildungs Campus (DBBC) in Bad Aibling gingen die rund 50 Lehrer und 330 Schüler von Mittel-, Real- und Fachoberschule sowie Akademie am Dienstag in den Kernfächern fast nahtlos in den virtuellen Unterricht über - die Schulräume werden (fast) nicht mehr gebraucht.

Allein zuhause und doch im Team

Lehrer und Schüler sitzen allein zuhause (einige Lehrer noch im leeren Klassenzimmer) und sind mittels Tablets über die Office365-App „Teams“ verbunden. Der Lehrer hält seine Stunde wie gewohnt, erteilt Arbeitsaufträge, die Schüler arbeiten mit. Sie können alles hören und sehen, was der Lehrer macht und reden, wenn sie aufgerufen sind.+++

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Auch an der FOS/BOS laufen Videokonferenzen

Ein ähnliches Bild an der Beruflichen Oberschule Rosenheim (FosBos): Audio- oder Videokonferenzen, Live- oder Gruppenchats - es ist fast wie im „normalen“ Unterricht, nur eben räumlich getrennt.

Dr. Martin Schwingenheuer (FosBos) unterrichtet seine Klasse von Aschau aus per Videokonferenz. re

„Die vierte Kulturtechnik“ nennt DBBC-Geschäftsführer Markus Schmidt den kompetenten Umgang mit Tablets. Diese gehören an seiner Schule seit drei Jahren genauso zur Grundausstattung der Schüler wie Stift und Hefte. Da das Medium so fest im Schulalltag verankert und man mit der Software bestens vertraut ist, war es von jetzt auf gleich möglich, auch über Distanz mit dem Lehrplan fortzufahren, als gäbe es kaum eine Einschränkung.

Unterricht ohne Gestik und Mimik

„Für uns Lehrer ist es insofern auch eine Herausforderung, als jetzt beispielsweise Gestik und Mimik beim Kontakt mit den Schülern wegfallen - die Kameras an deren Geräten sind in der Regel ja aus. Wir sind aber alle enorm positiv überrascht, wie diszipliniert und konzentriert die Schüler arbeiten“, sagen die Lehrer Manuel Endres und Jasmin Heptaygun.

Die Schulpausen laufen etwas anders

Mit „phänomenal“ fasst Schulrätin i.R. Veronika Käferle, die die Lehrkräfte am DBBC pädagogisch begleitet, ihre Eindrücke zusammen, die sie dort erlebt. Die Schüler saßen pünktlich eingeloggt an ihren Tablets, einer meldete sich sogar mit der Frage, ob er zur Toilette gehen dürfe. „Sie nehmen es als Unterricht und Schule wahr, obwohl sie daheim sitzen.“ In den Pausen schließen sie sich zusammen, tauschen sich vor den Kameras aus, zeigen den Freunden ihre Haustiere oder ihr Zimmer.

Systembetreuer der Schule macht den Umstieg möglich

Den Vorsprung, den die DBBC-Lehrer und Schüler durch den gewohnten Umgang mit Hard- und Software hatten, haben an der FOS/BOS Rosenheim Systembetreuer Michael Schmid und sein Kollege Alfred Fuchs quasi übers Wochenende logistisch aufgeholt. Für über 1000 Schüler und 100 Lehrer schafften sie die Voraussetzungen, dass der Unterricht rein digital weitergeführt werden kann.

Datenschutz war bisher ein Hindernis

Dass das Internetportal Mebis des Kultusministeriums für eine Situation wie diese – dass gleichzeitig von allen Schulen Bayerns aus darauf zugegriffen wird – nicht ausreichen würde, war Schulleiter Dr. Marko Hunger und Michael Schmid von Anfang an klar. „Dafür war sie auch nie gedacht, sondern nur als unterrichtsbegleitende Idee“, so Dr. Hunger. Cloudlösungen wie „Teams“ hatte man auch in Rosenheim von Anfang an im Visier, doch aufgrund von Vorgaben des Datenschutzes habe man bisher davon abgesehen.

Jetzt sieht das anders aus und so galt es, innerhalb kürzester Zeit über 1000 Benutzerkonten zu generieren, jedem einzelnen zukommen zu lassen, die Fach- und Klassengruppen individuell zu zuorden und darüber hinaus die Nutzer auf die Schnelle fern zu schulen. „Wir sind hier in der glücklichen Lage, mit Michael Schmid und Alfred Fuchs zwei absolute Fachkräfte zu haben, die in der Lage waren, diese Transformation fachgerecht in dieser Kürze umzusetzen. Und zwar so, dass es bisher überhaupt keine Probleme gab“, so Hunger.

Überzeugt davon, im Lehrplan voranzukommen

In Rosenheim ist man ebenso überzeugt wie in Bad Aibling, dass man so im Lehrplan bestens vorankommen wird und gut gerüstet ist, wenn die Krise die Schulen über den 19. April hinaus zur Schließung zwingen sollte.

Das sagen die Schüler aus dem Raum Rosenheim

DBBC-Schüler Luis Schlee (11) ist voll dabei und sagt: „Ich finde es cool, dass wir richtig Unterricht machen. Da müssen wir danach dann weniger nachholen. Außerdem kann man länger schlafen und verpasst trotzdem den Unterricht nicht.“

Katharina Fischer besucht die achte Klasse der DBBC-Mittelschule: „Wir bekommen die Chance, den Stoff zu machen, ohne dem Virus nah zu sein. Die Stunden sind gut aufgeteilt und es macht sehr viel Spaß, zu erleben wie es ist, auch außerhalb der Schule etwas zu lernen. Und, dass ich jeden Tag den Lehrer sehen darf, finde ich toll.“

Fehler erkennen und verbessern

Und auch Benjamin Sauer, der die elfte Klasse der DBBC-FOS besucht, sieht in die positiven Aspekte: „Die aktuelle Situation wird sehr lehrreich für die Zukunft sein, da wir gezwungen sind, die Fehler unseres jetzigen Systems zu erkennen, diese zu verbessern und bestmöglich zu vermeiden. Deshalb ist es wichtig, dass wir in solchen Zeiten zusammenarbeiten.“

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