Mehrjährige Haftstrafen

Zutaten über Amazon: Zwei 37-jährige Rosenheimer wegen Drogenlabor in der Wohnung angeklagt

Einen Teil der Rohstoffe, die die Männer für die Produktion der Drogen benötigten, bestellten sie über Amazon.
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Einen Teil der Rohstoffe, die die Männer für die Produktion der Drogen benötigten, bestellten sie über Amazon.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Mit Zutaten, die sie in der Apotheke besorgt und bei Amazon bestellt hatten, haben zwei 37-jährige Männer aus Rosenheim ein Drogenlabor in einer Wohnung aufgebaut. Doch die Rauschgift-Produktion flog auf. Jetzt mussten sich die beiden Männer in Traunstein dafür vor Gericht verantworten.

Traunstein/Rosenheim – Zwei 37 Jahre alte Männer aus Rosenheim verurteilte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs jetzt wegen Betreibens eines Rauschgiftlabors über mehr als ein Jahr hinweg in einer ihrer Wohnungen und wegen mehreren Drogendelikten zu Freiheitsstrafen von vier beziehungsweise drei Jahren. Außerdem ordnete das Gericht jeweils die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Einen Teil selbst konsumiert

Die Angeklagten, einer aus Prien und einer aus Thüringen stammend, kannten sich seit April 2019. Beide stellten in einer der Wohnungen flüssiges Methamphetamin her. Die Rohstoffe besorgten sie in Apotheken und über Amazon. Zur Last lag den Männern die viermalige Produktion von jeweils 200 bis 250 Milliliter flüssiges Methamphetamin. Einen Teil konsumierten sie selbst, der Rest wurde weiterveräußert.

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Drei weitere Tatkomplexe galten dem Verkauf von jeweils einem Kilogramm Amphetamin und von kleineren Mengen zwischen Sommer 2019 und Ende März 2020 an verschiedene Leute, dazu dem Besitz von nicht unerheblichen Mengen Kokain. Außerdem hatte die Polizei in den Wohnungen der Angeklagten Waffen – ein Messer beziehungsweise eine Machete – gefunden.

Der gebürtige Thüringer mit Verteidiger Korbinian Ortner aus Traunstein zur Seite war in dem Verfahren von Anfang an geständig. Der 37-Jährige hatte eher die Funktion eines Kuriers, der das Rauschgift unter die Leute brachte, jedoch dafür selbst Drogen erhielt. Der zweite, der erst gestern ein Geständnis ablieferte, war der Initiator, „der eigentliche Hintermann, der alles steuerte“, wie die Kammer feststellte. Der Vorsitzende Richter wörtlich: „Der andere machte nur, was ihm angeschafft wurde.“

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Der Angeklagte mit der Machete in der Wohnung habe einen „bewaffneten Drogenhandel“ verwirklicht, jedoch in minderschweren Fall. Das in seiner Wohnung beschlagnahmte Kokain sei zum Eigenkonsum bestimmt gewesen. Deshalb habe die Kammer den Angeklagten in diesem Punkt wegen „unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln“ schuldig gesprochen. In der Wohnung selbst habe kein Handel stattgefunden.

Kampfmesser gefunden

Beim zweiten Angeklagten sei ein großes Kampfmesser, einem „Outdoor-Messer“ ähnlich, in der Nähe von Rauschgift platziert gewesen. Andere Outdoor-Utensilien – die Angeklagten hatten beide Waffen als „Gartengeräte“ bezeichnet – habe man nicht in den Räumen entdeckt, begründete Erich Fuchs. Der Bundesgerichtshof habe entschieden, eine Waffe müsse nicht direkt beim Handeltreiben eingesetzt werden. Für eine Verurteilung reiche, wenn sie zusammen mit Drogen gelagert werde.

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Zum Thema „Unterbringung“ merkte der Vorsitzende Richter an, bei beiden Männern seien laut Gutachten von Oberarzt Rainer Gerth vom Bezirksklinikum in Gabersee die Voraussetzungen für Unterbringung zum Drogenentzug erfüllt. Eine Therapie sei „kein Zuckerschlecken“.

Im Bereich der Absprache

Die Strafhöhen im Urteil der Zweiten Strafkammer wie auch die Schlussanträge in den Plädoyers von Staatsanwalt Nils Wewer sowie den Verteidigern, Korbinian Ortner aus Traunstein und Andreas Müller aus München, bewegten sich in dem Bereich, der bei Rechtsgesprächen im Gegenzug für Geständnisse vereinbart worden war.

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