Sichtung bestätigt

Es ist wirklich ein Wolf: Landwirte in Sachrang bringen ihre Weidetiere in Sicherheit

Der Wolf wurde am Sonntag von Peter Söllner aus dem Landkreis Landberg am Lech gesehen und fotografiert.
+
Der Wolf bei Sachrang wurde am Sonntag von Peter Söllner aus dem Landkreis Landberg am Lech gesehen und fotografiert.
  • vonTina Blum
    schließen

Seit Monaten wird spekuliert, ob ein Wolf in der Region Rosenheim umherschweift und Schafe reißt. Oder sind es gar mehrere? Am Sonntag hatte ein Augenzeuge zuletzt ein wolfsähnliches Tier gesehen und es fotografiert. Jetzt ist klar: Es ist ein Wolf. Das bestätigte nun das Landesamt für Umwelt (LfU).

Sachrang – Als sich Peter Söllner und seine Familie aus dem Landkreis Landsberg am Lech am vergangenen Sonntag nach einem Ausflug in Sachrang auf dem Heimweg machten, trauten sie ihren Augen kaum. Eine Schafherde stand auf Höhe Hainbach auf ihrer Weide dicht am Wegerand zusammen. Alle Tiere blickten in eine Richtung. Wenige Meter davon entdeckte er ein weiteres Tier: „Erst habe ich es für einen großen Hund gehalten“, berichtet Söllner.

Landesamt bestätigt die Wolfssichtung in Sachrang

Weil er sich im fließenden Verkehr befand, drehte er nochmals um. Dann habe er das Tier genauer gesehen und ausschließen können, dass es sich um ein Schäferhund oder Ähnliches handelt. Schnell zückte er sein Handy und machte Fotos. „Der Wolf hat die Schafe stehenlassen, ist über die Straße in Richtung Prien gelaufen und dann in einem Waldstück verschwunden“, schildert er.

Lesen Sie auch:

Zwei tote Schafe am Bichlersee - Detail deutet für Jäger auf Wolf als Verursacher hin

Wolf reißt schon wieder Schafe in Tirol – Almbauern in Reit im Winkl in Angst

Söllner schickte die Bilder zum Landesamt für Umwelt (LfU). Das bestätigte am Montag (12. Oktober 2020), dass es sich bei den Aufnahmen um einen Wolf handelt. „Es ist wahrscheinlich, dass es sich dabei um den Wolf handelt, der seit Ende Juni in dem Grenzgebiet Traunstein, Rosenheim, Österreich nachgewiesen wird“, so eine Sprecherin des LfU. Nutztierhalter und Verbände seien bereits informiert worden.

Landwirte bringen ihre Weidetiere in Sicherheit

Bevor sich Peter Söllner schließlich auf den Heimweg machte, berichtete er von seinen Beobachtungen. „Ich habe es als Pflicht gesehen, die Leute vor Ort zu informieren.“ Er klingelte am anliegenden Hof der Eltern von Josef Schmid. Dieser sei sofort alarmiert gewesen und habe seine Ziegen reingebracht.

„Eine halbe Stunde später habe ich den Wolf auch gesehen, als er sich in der Nähe einer Schafweide in Richtung Geigelstein-Gebiet unterwegs war“, sagt Schmid. Es sei nur ein kurzer Moment gewesen, aber er rief sofort die Nachbarin an, sie müsse auf die Schafe aufpassen. Schon in der Nacht auf den 5. Oktober hätten seine Pferde plötzlich auf der Weide gescheut. „Die Tiere waren mitten in der Nacht total panisch.“

Kuhherde flüchtet von ihrer Weide bei Aschau

Über eine Whatsapp-Gruppe verbreitete sich die Nachricht schnell. Auch Familie Pfaffinger vom Simmerlhof in Mitterleiten haben am vergangenen Dienstag einen unerklärlichen Zwischenfall mit ihrer Mutterkuhherde erlebt: Mitten in der Nacht sei die Familie aus dem Bett geklingelt worden, weil ihre Herde im Aschauer Ortsteil Außerwald auf der Straße stand – sieben Kilometer von der Weide entfernt.

Lesen Sie auch:

Gerissene Schafe in der Region: War es ein Wolf oder ein Wolfshund?

Vermutungen um Wolf an der Hochries: Zweiter Hinweis hat sich offenbar zerschlagen

Wie die Polizei Prien auf Nachfrage mitteilte, habe ein Autofahrer die Beamten angerufen, da er „beinahe in eine Kuhherde gekracht“ sei. Eine Streife habe zusammen mit einem anderen Landwirt so die Tiere auf dessen Weide zu treiben. In der Nacht musste Familie Pfaffinger die Herde über die Staatsstraße zurück nach Sachrang treiben. Fünf Stunden später um 7 Uhr morgens seien die Kühe erneut ausgebrochen: Mitten durch den Ort und den Verkehr. Nur mit Mühe und Not konnte sie die Bäuerin stoppen.

Kreisbäuerin: Wolf passt nicht in die Kulturlandschaft

„Keines der Tiere wurde getötet oder verletzt. Aber der Stress war enorm und kann vor allem bei Muttertieren viel Schaden verursachen“, sagt Monika Pfaffinger. Auch die anderen Bauern seien in sorge um Ihre Tiere und befürchten wirtschaftliche Schäden.

Kreisbäuerin Katharina Kern zeigt sich besorgt. Schließlich gehe es den Landwirten nicht nur um den wirtschaftlichen Schaden. „Die Bauern ziehen die Tiere auf, man hängt natürlich auch emotional an ihnen“, erklärte sie auf Anfrage unserer Zeitung. Der Wolf passe nicht in die Kulturlandschaft, diese habe sich in den vergangenen 200 Jahren ohne das Raubtier entwickelt. Ebenfalls problematisch: Bricht eine Herde aus, hafte im Schadensfall der Bauer.

Landwirte besorgt über mutmaßliche Zunahme der Wolfspopulation

Die Kreisbäuerin erklärt, dass der Bayerische Bauernverband keineswegs „gegen den Wolf“ sei. Es müsse aber „wolffreie Zonen“ geben, wozu auch die Region zählen sollte.

Ein einzelnes Tier sei meist unproblematisch, ab einer bestimmten Population sollten die Tiere aber bejagt werden können, so Kern. Pro Woche erreichten den Verband aber zwei bis drei Fotos mit Wildkamera-Aufnahmen von Wölfen. Auch Jungtiere und Paare seien laut Kern in Bayern schon gesichtet worden.

Mehr zum Thema

Kommentare