Studie zur Situation von Einelternfamilien im Landkreis Rosenheim vorgestellt

"Wir sind auch Familie!"

Rosenheim/Landkreis - Deutlich mehr Akzeptanz wünschen sich Einelternfamilien im Landkreis Rosenheim. Das ist ein wesentliches Ergebnis einer Studie, die Landrat Josef Neiderhell bei einem Treffen der Bürgermeister vorstellen ließ. Erstellt wurde sie im Auftrag des Landkreises Rosenheim von Angela Wernberger vom Institut für Praxisforschung und Projektberatung in München.

Die Situation der Einelternfamilien ist dem Landrat ein großes Anliegen. Der ländliche Raum lebe von seinen glücklichen Familien, egal ob es sich um Ein- oder Zweielternfamilien handle, meinte Neiderhell. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das Familienbild in unserer Region weiterhin stark vom traditionellen Rollenverständnis mit Mutter und Vater geprägt ist. Das überrascht insofern, weil der Anteil der alleinerziehenden Mütter und Väter im Landkreis über dem Landesdurchschnitt liegt. Auf 100 Einwohner kommen drei Alleinerziehende, landesweit sind es 2,3.

Die Studie von Angela Wernberger ist die erste überhaupt, die sich mit der Situation von Einelternfamilien im ländlichen Raum beschäftigt. Daher werde die Studie auch national wahrgenommen, sagte Wernberger. Erst kürzlich stellte sie sie in Berlin vor.

Der ländliche Raum verlangt eine erhöhte Mobilität. Viel Zeit wird auf der Straße verbracht, weil es die für Kinder notwendige Infrastruktur wie Kinderarzt oder Ergotherapeut nicht überall gibt. Das ist laut Wernberger ein wesentlicher Unterschied zum städtischen Bereich.

Das alltägliche Leben wird sehr durch die Einkommenssituation bestimmt. Vor allem Alleinerziehenden, die zuvor ein Mittelschichteinkommen gewohnt waren, fällt es schwer, eine Bedürftigkeit einzugestehen. Der Bezug von Arbeitslosengeld II wird als Stigmatisierung empfunden. Mütter versuchen daher, noch mehr zu verzichten und sparen vor allem bei sich selbst. Kurzfristig gelingt es ihnen, die drohende Armut so zu überbrücken, dass es die Kinder nicht einmal merken.

Besonders zu schaffen macht den Einelternfamilien der teure Wohnraum im Landkreis. Hinzu kommt, dass sie bei der Wohnungssuche häufig Diskriminierung erfahren. Alle Alleinerziehenden, die sich an der Studie beteiligten, mussten erleben, schon am Telefon abgewiesen zu werden.

Die alleinige Zuständigkeit und Verantwortung eines alleinerziehenden Elternteils birgt das Risiko der Isolierung. Der häufigste Freizeitpartner sind die eigenen Kinder. Unterstützung erhalten Einelternfamilien vor allem bei den Großeltern. Durch die Betreuung der Kinder ermöglichen sie eine Erwerbstätigkeit. Sie übernehmen Arzt- und Behördenbesuche und helfen teilweise auch finanziell. Im Unterschied dazu funktioniert die Unterstützung durch die Nachbarschaft auch im ländlichen Raum nur sehr begrenzt. Hilfe wird nicht angeboten und sie wird auch nicht in Anspruch genommen.

Bei den Wünschen stehen bei den Einelternfamilien nicht Kindergärten, Krippen, Horte oder die persönliche Entlastung durch Hausaufgabenbetreuung oder Kochen an erster Stelle. Es ist stattdessen die Hoffnung auf Anerkennung für die nicht selbst gewählte Lebenssituation. Alleinerziehende Mütter und Väter sehnen sich nach Respekt und Akzeptanz für ihre Familienform.

Ideen, wie Einelternfamilien unterstützt werden können, gibt es viele bei den Bürgermeistern. Sie reichen von der Verlängerung der Mittagsbetreuung über einen Familienberater in der Gemeinde, Tauschbörsen, Leihomas und kostenlose Teilnahme an Ferienprogrammen bis hin zum sozialen Wohnungsbau.

Angela Wernberger und Vertreter des Kreisjugendamtes Rosenheim boten an, auch in den Gemeinden über die Situation der Einelternfamilien zu informieren. Die gesamte Studie wird vom Kreisjugendamt im Internet zum Herunterladen zur Verfügung gestellt.

Die pdf-Datei ist im Internet unter www.landkreis-rosenheim.de/jugendamt sowie den Links "Aktuelles" und "Informationen" zu finden. re

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