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ERSTE LOCKERUNGEN DES LOCKDOWNS

Kunden strömen teils in die Läden – So öffneten Gärtnereien, Baumärkte und Friseure in der Region

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Am 1. März haben zahlreiche Geschäfte in der Region wieder eröffnen dürfen.

Ganz Bayern hat bald die Haare schön, nur das südliche Inntal nicht. Weil dort die Chefinnen von drei Friseursalons in Österreich leben – und aus dem Risikogebiet Tirol nicht nach Bayern einreisen dürfen. Hier ein Überblick über die Öffnungen, Wünsche der Unternehmer und Schwierigkeiten.

Rosenheim/Prien/Tuntenhausen/Wasserburg/Raubling/Kiefersfelden – „Friseure sind vom Innenministerium nicht als systemrelevant gelistet. Also dürfen wir keine Sondergenehmigung ausstellen, auch wenn wir es gerne täten“, bedauert Ina Krug, Sprecherin des Landratamtes.

Ein Schlag für das ohnehin gebeutelte Friseurhandwerk sei das, so der Innungsobermeister Stefan Mashold aus Raubling. Denn es gibt gerade im Inntal viele Kollegen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Tirol haben, diese derzeit nicht einsetzen dürfen. Mashold selber konnte gestern kaum Luft holen, so eng getaktet war sein Tag.

Der Nachholbedarf bei den Kunden ist groß. Der bei den Kollegen auch. Die Überbrückungshilfen III konnten Friseure erst in der vergangenen Woche über ihre Steuerberater beantragen, vorher fehlten Regularien und Formulare.

Haare schneiden im Akkord

Friseur-Innungsobermeister Stefan Mashold aus Raubling ist wieder in Aktion.

Dass sie ab dem 1. März wieder Haare schneiden dürfen – und das im Akkord tun – dürfte den einen Kollegen und die andere Kollegin zunächst gerettet haben, denn viele lebten vom Ersparten, zahlten davon auch ihre Fixkosten, so Mashold. Rücklagen zu bilden sei unter den aktuellen Bedingungen nicht möglich. „Wir können nur hoffen, dass es nicht zu einem weiteren Lockdown kommt“.

„Wir haben heute regulär um 8 Uhr geöffnet und haben seitdem kontinuierlich Kunden“, sagt Philipp Rother von der Gärtnerei Blumen Rother in Prien und Bernau. Es sei den Leuten anzumerken, dass sie sich nach Farbe und Leben sehnen. Eine Schlange habe es aber nicht gegeben. „Das mag auch daran liegen, dass wir in der Nacht noch Frost haben. Wir merken zwar, dass die Leute ganz speziell Frühlingsblumen kaufen, aber überrannt werden wir noch nicht“, sagt der Gärtner.

Frühling ist Hauptumsatzzeit

Er und seine Mitarbeiter seien sehr froh, endlich öffnen zu dürfen. Schließlich stehe im Frühjahr die Hauptumsatzzeit an. Hinzu komme, dass die in den vergangenen Wochen und Monaten gezogenen Frühjahrspflanzen verkauft werden müssen, weil sonst für die folgende Saison kein Platz für Geranien und Co. da sei.

Seine Mitarbeiter haben laut Rother zwar keine Angst um ihren Arbeitsplatz gehabt, aber dennoch unter der Schließung gelitten. Irgendwann werden er und seine Mitarbeiter auch mal feiern, denn sie seien alle froh, dass sie wieder öffnen dürfen. Durch das weitläufige Gelände seines Betriebs fühle sich Rother zwar auf der sicheren Seite bei der Infektionsgefahr. „Wir haben sehr viel umgesetzt, zum Beispiel eine Einbahnstraßenregelung“, sagt Rother.

Gedanken mache ihm jedoch die deutschlandweiten steigenden Infektionszahlen und ob daraus womöglich ein dritter Lockdown resultiert.

20 Kunden waren bei Hanni Machl am Montag in ihrem Salon in Wasserburg angemeldet. „Ich arbeite heute durch“, sagt die Friseurin. Ihre Angestellte Verena Arndt sorgte bei den Herren für einen schönen Schnitt. „Es ist ein gutes Gefühl, wieder im Salon zu sein“, so Machl. Schon um 7.30 Uhr hat sie angefangen, um 19 Uhr wollte sie mit der Arbeit fertig sein. „Und so geht es die ganze Woche über weiter.“

Wiedereröffnung sorgt für strahlende Gesichter

Pünktlich zur Pflanzsaison darf Mario Drechsler vom Eder-Profimarkt Tuntenhausener seine Kundin Yvonne Gebert wieder persönlich beraten.

Gartentechnik, Blumenerde und Pflanzen waren am Montag die Renner im Profibaumarkt Eder in Tuntenhausen. Pünktlich vor der neuen Gartensaison durften die Eders öffnen und ihre Kunden nun auch wieder persönlich beraten. „Der Re-Start sorgte für einen Kundenansturm, der für einen normalerweise eher verhaltenen Montag ungewöhnlich war“, resümiert Marktleiter Mario Drechsler.

Die Wiedereröffnung habe ein Strahlen auf die Gesichter des Markt-Teams und der Kunden gezaubert, denn „alle sind froh, dass wir endlich wieder aufsperren dürfen, alle sind positiv gestimmt“, so Drechsler. Damit das so bleibt, wird ein strenges Hygienekonzpet umgesetzt. Es gibt nur so viele Einkaufswagen wie Kunden in den Markt dürfen. Zudem werden diese regelmäßig desinfiziert.

Der „ganz große Ansturm“ sei ausgeblieben, berichtet Florian Nickl, Geschäftsführer des Rosenheimer Gartencenters Bellandris.

Hygienekonzepte liegen vor

Stattdessen habe sich der Zuspruch eher im üblichen Bereich bewegt, wie man es beim nahenden Frühling gewohnt sei. Im Vergleich zum vergangenen Jahr habe man das Hygienekonzept nicht anpassen müssen.

Die Kontrolle der Kunden im Geschäft erfolge elektronisch, allein die FFP-2-Masken seien ein neuer Anblick gewesen. Schon zur vergangenen Woche habe sich das Gartencenter mit den ersten Lieferungen wieder mit Leben gefüllt, sehr zur Freude der Mitarbeiter, die bislang auf leere Verkaufsstiche hätten blicken müsse.

Schnell füllte sich gestern der Parkplatz zum Rosenheiemr Gartencenter. Die Menschen wollen Blumenpflanzen und den Frühling damit einläuten. Der große Anstrum blieb aber hier eher aus.

Endlich wieder seinen Kunden die Haare schneiden zu können, das war nicht nur für Friseur-Innungsobermeister Stefan Mashold aus Raubling in seinem eigenen Salon eine Herzensangelegenheit.

„Ganz guad“, fand Martin Gschwendtner aus Reischenhart als Stammkunde die Wiedereröffnung, „i hoits nimma aus mit de langa Zotzen“, die unbedingt wieder gekürzt werden mussten. Er war einer von denen, die sich lange vorher bereits angemeldet hatten.

Kampf ums Überleben

Die Friseure waren die einzigen Vollhandwerker, die in den letzten zwei Monaten nicht arbeiten durften, so Stefan Masold, Innungsobermeister im Landkreis Rosenheim. Für die Friseure kam die Wieder-Öffnung gerade noch rechtzeitig, so Mashold, sonst hätten viele gar nicht mehr ausgemacht.

Genaue Zahlen habe er nicht, so Mashold, weil sich die Kolleginnen und Kollegen oft auch schämten, aber er gehe davon aus, dass über die Hälfte bis zu drei Viertel der Friseure ums wirtschaftliche Überleben kämpften.

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