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Corona auch für Kinder nicht harmlos

Wie schützt man Kinder vor Long Covid? Rosenheimer Kinderarzt Otto Laub redet Klartext

„Immunität durch die Hintertür“: Kinderarzt Otto Laub findet die Lockerungen für Schüler fragwürdig.
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„Immunität durch die Hintertür“: Kinderarzt Otto Laub findet die Lockerungen für Schüler fragwürdig. (Symbolbild)
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Rosenheim – Corona tut Kindern und Jugendlichen nichts, das ist eine weit verbreitete Meinung. Stimmt so nicht, sagt der Rosenheimer Mediziner Otto Laub, der Kinderarzt, Pneumologe und Vorsitzender des Paednetz Bayern ist. Warum er für die Impfung ist, darüber sprach Laub im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.

Schüler müssen nun auch im Klassenzimmer keine Maske mehr tragen. Wie beurteilen Sie das?

Kinderarzt Otto Laub

Otto Laub: Die Ankündigung zu dem frühen Zeitpunkt hat mich überrascht. Wir wissen, dass neben der Impfung die AHA-Regeln und die Maske die einzigen Mittel sind, um in Situationen, in denen mehrere Menschen zusammenkommen, eine Ansteckung oft wirksam zu vermeiden.

Ich verstehe es nicht. Normal diskutiert man, überlegt, es werden dann auch die ärztlichen Berufsverbände kontaktiert, das heißt, auch die Meinung der Ärzte wird eingeholt. Aber bei Corona ist es schon öfter passiert, dass vor wichtigen Entscheidungen kein sachlicher Austausch stattgefunden hat, jedenfalls nicht mit uns Hausärzten.

Eine eher politisch denn medizinisch begründete Entscheidung?

Laub: Ein Schlingel, wer das annehmen will, angesichts dieser Koalition in Bayern. So ein bisserl hab ich manchmal das Gefühl, dass man an den Kindern versucht, sie sozusagen in der vierten Welle der Corona-Pandemie krank werden zu lassen, um so durch die Hintertür eine Immunität zu generieren. Man lässt sie in die vierte Welle laufen, weil es die Meinung gibt, Kinder werden nicht so häufig schwer erkranken. Wenn aber viele Kinder angesteckt werden, dann wächst auch die Zahl derer mit schweren Erkrankungen.

Ich weiß also nicht, ob diese Rechnung aufgeht. Was man nicht begreift: Auch Kinder, die nur mittelschwere oder leichte Symptome hatten, können unter Long Covid leiden. Es gibt im deutschen Sprachraum bisher keine guten Erhebungen, die in der Fläche darstellen, wie viele betroffene Kinder und Jugendliche tatsächlich an Long Covid und den damit verbundenen Folgen leiden.

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Kinder tauchen tatsächlich in der Krankenhausstatistik selten auf.

Laub: Kinder von null bis sechs Jahren werden am seltensten schwer krank. Die zwischen sechs und zwölf haben 60 Prozent der symptomatischen Verläufe von Erwachsenen, die Zwölf- bis 18-Jährigen werden beinahe genauso häufig symptomatisch krank wie Erwachsene.

Insgesamt aber sind schwere Verläufe bisher viel seltener als bei Erwachsenen, gerade im Vergleich mit über 60-Jährigen. Aber wie schon gesagt: Wenn ich grundsätzlich eine Zunahme von Neu-Erkrankungen habe, werde ich auch vermehrt schwerere Verlaufsformen sehen können.

Wie reagieren Kinder auf die Impfung?

Laub: Aus der Praxis können wir noch nicht wirklich Evidentes berichten, weil die relativ geringe Anzahl der geimpften Jugendlichen in unserer Praxis keine echte Statistik zulässt. Mein Eindruck ist jedenfalls so, dass die meisten Jugendlichen allenfalls von minimalen Beschwerden berichten. Gottseidank hatten wir noch keine schwereren echten Nebenwirkungen, was bei der Zahl allerdings auch nicht unbedingt zu erwarten war.

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Letztlich handeln wir nach den Empfehlungen der Stiko (Ständige Impfkommission, Anm. der Red.). Und deren Empfehlung beruht auf den Daten von Zulassungsstudien und auf Zahlen aus den USA, wo von Anfang Dezember bis Ende Juli 2,3 Millionen Impfdosen an Mädchen von zwölf bis 17 und rund zwei Millionen Dosen an Jungen derselben Altersklasse verimpft wurden.

Was stellte sich nach Verimpfung diesen vier Millionen Dosen heraus?

Laub: Herzmuskelentzündungen traten bei den Mädchen, die geimpft wurden, nicht häufiger als in der für die Altersgruppe üblichen Häufigkeit auf. Bei den Jungs gab es rund allerdings 133 Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen, was einer Häufigkeit von 1:16.000 gleichkommt. Das kann man nicht wegdiskutieren.

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Allerdings sind die beobachteten Verläufe überwiegend als milde bis moderat einzustufen. Aber bei einer aktiven Corona-Infektion ist das Risiko einer teils schweren Herzmuskelentzündung um den Faktor zehn höher als bei der Impfung. Dies alles zusammengenommen hat die Stiko zuletzt bewogen, eine generelle Empfehlung auszusprechen, nicht das Drängen von Politikern.

Sie befürworten also die Impfung von Jugendlichen?

Laub: Ab zwölf Jahren auf jeden Fall. Also, wenn ein Jugendlicher möchte, und die Eltern haben nichts dagegen, dann werden wir im Einvernehmen impfen.

Mal abgesehen von einer Herzmuskelentzündung. Was kann denn bei der Impfung noch passieren?

Laub: Es ist wie bei allen anderen Impfungen auch: Es kann eine allergische Reaktion auftauchen. Bei einem von 100.000 Fällen tritt eine allergische Reaktion auf, meines Wissens bisher aber keine schwere Kreislaufreaktion. Es gibt Ausschläge, vielleicht auch mal Asthmaanfälle.

Ich sage dann meinen Patienten im Gespräch zur besseren Veranschaulichung oft: Stellt s’ euch vor, wir machen die Praxistür auf, und da steht dann zweimal die Einwohnerschaft von Rosenheim, und nur einer zeigt Symptome einer allergischen Reaktion. Das ist also überschaubar.

Warum soll man es nicht darauf ankommen lassen, in dem man sich gegen eine Impfung entscheidet?

Laub: Erstens, weil es diese schweren Verläufe eben doch gibt, zweitens, weil es auch Post Covid mit Möglichkeit chronischer Krankheiten gibt. Kann ich einer 15-Jährigen, die seit Monaten nichts mehr riechen kann, erklären, dass eine Impfung das verhindert hätte? Wir impfen Viele, um Einige zu schützen – diejenigen, die es schwer erwischen würde.

Wir impfen übrigens auch, um zum Beispiel die Großeltern zu schützen. Also, um in der Gesellschaft eine Herdenimmunität herzustellen. Übrigens: Warum ist es verboten zu sagen, ich impfe einen Jugendlichen, damit er wieder am Leben teilnehmen darf, ohne sich andauernd Tests oder weiteren Einschränkungen unterziehen zu müssen?

Was glauben Sie, wie lange dauert es noch, bis die Stiko einen Impfstoff auch für Kinder unter zwölf Jahren empfiehlt?

Laub: Es könnte vielleicht im Januar so weit sein, zumindest im ersten Quartal 2022. Die Zulassungsstudien laufen oder sind sogar schon abgeschlossen. Das kommt auf die Bewertung der Stiko und zuvor noch der EMA (European Medicines Agency, Anm. der Red.) an.

Geht das alles nicht viel zu schnell?

Laub: Sagen Sie das der Pandemie. Ich kann aber sagen, dass durch die mRNA-Impfstoffe eine unglaubliche Innovation eingetreten ist. Noch nie war eine Zulassung mit so massiv vielen Probanden in so kurzer Zeit verbunden wie die von Biontech und anderen Herstellern. Die Prüfungen sind dabei immer noch so streng wie früher. Aber die Produktionswege haben sich verbessert und erheblich beschleunigt.

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