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Aktionstag „Naturgefahren“ im Innmuseum

Wie gut ist die Region Rosenheim auf Unwetter und Starkregen vorbereitet? Experten klären auf

Christian Wanger (kleines Bild l.) und Dr. Tobias Hafner (kleines Bild r.) erklären, wie gut die Region Rosenheim auf Unwetter vorbereitet ist.
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Christian Wanger (kleines Bild l.) und Dr. Tobias Hafner (kleines Bild r.) erklären, wie gut die Region Rosenheim auf Unwetter vorbereitet ist.
  • VonJulian Baumeister
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Die Unwetter im Sommer 2021 haben für große Schäden nicht nur in der Region gesorgt. Mit Beginn der Gewittersaison stellt sich die Frage, wie gut die Region für erneute Starkregen- und Hochwasserereignisse gerüstet ist. Wo Experten und Einsatzkräfte Verbesserungspotential sehen.

Rosenheim – Es ist der 26. Juli des vergangenen Jahres. Viele Menschen in der Region genießen den warmen Sommertag und das schöne Wetter. Gegen Abend brauen sich dunkle Gewitterwolken zusammen. Nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit. Die Wucht des Unwetters überrascht aber selbst manche Experten. In Götting rauscht eine Flutwelle vom Irschenberg durch den Ortskern. In Bad Aibling und Bad Endorf steht das Wasser teilweise bis zu 1.50 Meter hoch in den Kellern. In Halfing wird der Kirchturm stark beschädigt.

Größte Gefahr durch Starkregen

In diesem Jahr sind die ersten Unwetter bisher alle glimpflich verlaufen. Wie gut die Region aber für Starkregen, Sturzfluten und Hochwasser gerüstet ist, wenn diese doch wieder heftiger ausfallen, haben Dr. Tobias Hafner, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim, und Christian Wanger, Referatsleiter für Wasserbaumaßnahmen am Umweltministerium, am Rande eines Aktionstages zu Naturgefahren im Innmuseum Rosenheim erklärt.

„Für die Region gibt es drei Hauptgefahren“, sagt Dr. Hafner. Das wären zu einem Starkregenereignisse mit folgenden Sturzfluten, Hochwasser oder auch über die Ufer tretende Wildbäche. „Die größte Gefahr für Leib und Leben geht sicherlich durch Unwetter mit Starkregen aus“, sagt Wagner. Bei Starkregen besonders betroffen seien laut der beiden Experten kleine Bäche und Flüsse.

Die zusätzlichen Wassermengen würden die Pegel so schnell ansteigen lassen, dass sich daraus Sturzfluten ergeben könnten, da sich das Wasser einen anderen Weg als das Bachbett suchen müsse. „Der Pegelanstieg ist bei kleineren Bächen wesentlich schneller zu merken als am Inn oder der Mangfall, da diese mehr Wasser aufnehmen können“, sagt Dr. Hafner. Deshalb seien laut Wanger oft unscheinbare und als ungefährlich geltende Gewässer bei Unwettern betroffen.

Das größte Problem bei Starkregenereignissen ist, dass diese so schlecht vorhersehbar seien. „Diese ist fast unmöglich, da es den Wolken nicht anzusehen ist, wie viel Wasser sie genau aufgenommen haben“, sagt Dr. Hafner. Hinzu käme, dass man nicht sagen könne, wann und an welcher „exakten“ Stelle es sich abregnet.

„Es ist ein Unterschied, ob die gleiche Menge Wasser in einer halben Stunde oder in zwei Stunden herunterkommt“, sagt Dr. Hafner. Dennoch sei die Region Rosenheim nicht gefährdeter als andere Teile Bayerns. „Es gibt zwar durch den Klimawandel und die Nähe zu den Alpen mehr Unwetter als anderswo, aber die topografische Lage Rosenheims ist an größere Niederschlagsmengen angepasst“, sagt Wanger.

Christian Wanger, Referatsleiter für Wasserbaumaßnahmen am Umweltministerium (links) und Dr. Tobias Hafner, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim vor einem Modell mit möglichen Naturgefahren in der Region.

Daran, dass in der Region ähnliche Katastrophe wie im Ahrtal vergangenes Jahr passiert, glauben beide nicht. „Es gibt hier kein ausreichend ausgeprägtes Flusstal“, sagt Wanger. Zudem sei auch das Frühwarnsystem in der Region besser abgestimmt. „Die Koordination und Kommunikation von Wetterdienst, Wasserwirtschaftsamt und Einsatzkräften ist sehr gut“, sagt Hans Meyrl, Stadtbrandrat von Rosenheim.

Der Maßnahmenplan von Feuerwehr und Katastrophenschutz „wird ständig kontrolliert und geübt“. Im Ernstfall werde laut Meyrl eine Bewertung der Unwetterwarnung vorgenommen und dann an die lokalen Feuerwehren weitergegeben. „Auch wenn es schwierig ist, bei so plötzlichen Ereignissen von null auf 100 zu reagieren“, sagt Meyrl.

Starkregenschutz noch nicht ausreichend

Dennoch sieht Wanger beim Schutz gegen Starkregenereignissen noch viel Handlungspotenzial. „Da schaut´s noch nicht so gut aus“, sagt der Referatsleiter. Vor allem bei der Neubesiedelung in Gemeinden oder beim Hausbau müsse noch mehr passieren. „Wenn ich ein neues Haus baue, dann sollte ich an wasserdichte Fenster und Türen denken. Oder das Haus etwas erhöht errichten“, sagt Wanger. Für alle Fälle rät er deshalb auch zu einer Elementarversicherung.

Auch die Kommunen könnten mit einem Sturzflutkonzept zu einem besseren Schutz beitragen. Dabei würde das Gefahrenpotenzial durch Starkregen von Experten beurteilt und die Baumaßnahmen entsprechend angepasst werden können.

Sehr guter Hochwasserschutz

Im Gegensatz dazu sieht Dr. Hafner die Region für Hochwasser gut gerüstet, auch wenn durch die dichte Besiedlung an den Flüssen immer eine Gefahr bestehe. „Sowohl am Inn, als auch der Mangfall ist der Hochwasserschutz sehr gut ausgebaut.“ Im Mangfalltal befinde man sich in den letzten Bauabschnitten, die spätestens 2025 abgeschlossen sein sollen.

Die Deiche seien auch höher, als zunächst geplant, gebaut worden, um auf die Veränderung des Klimas und die Zunahme an Regenfällen zu reagieren. Zusätzlich würden immer wieder Vorsorgeszenarien mit den Kommunen und dem Katastrophenschutz durchgespielt werden. „Fakt ist aber, dass es trotzdem, zu Überschwemmungen inklusive Todesfällen kommen kann“, sagt Dr. Hafner.