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Große Beutegreifer in der Region

„Regelrecht zerfetzt“: So hat ein Almbauer die Bären-Attacke erlebt - Hüttenwirte in Sorge um Kinder

Almbauer Georg Thaler zeigt auf die Stelle, an der er die toten Schafe Ende Juni entdeckt hat.  Foto
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Almbauer Georg Thaler zeigt auf die Stelle, an der er die toten Schafe Ende Juni entdeckt hat. 
  • VonJulian Baumeister
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Der Bär ist da: Das wurde am Montag (11. Juli) durch eine DNA-Analyse bestätigt. Auf seinem Streifzug durch die Region hat er Ende Juni mindestens drei Schafe bei Thiersee gerissen. Der Almbauer der Tiere ist entsetzt und wütend auf die Politik zugleich. Auch der Hüttenwirt der Kala-Alm ist in Sorge.

Rosenheim/Thiersee – Als Georg Thaler, Almbauer aus Landl bei Thiersee, am Morgen des 30. Juni auf seine Alm am Wildenkar zum Melken seiner Kühe fuhr, wunderte er sich bereits bei der Anfahrt: Die Kühe eines benachbarten Almbauers waren fast bis ins Tal hinabgelaufen und standen dicht gedrängt zusammen. Sehr ungewöhnlich für die Weidetiere. Wenig später fand er dann drei seiner Schafe „regelrecht zerfetzt“ auf einer Almwiese in der Nähe seiner Hütte. Wie das Land Tirol am vergangenen Montag mitteilte, waren die Tiere von einem Bären angegriffen und getötet worden. Die Wut der Almbauern im Thierseetal, nur einen „Katzensprung“ von Kiefersfelden und Oberaudorf entfernt, auf die Politik steigt. Die Hüttenwirte der Region sind aufgrund der Bären-Attacke in Sorge.

Zwei Tiere noch vermisst

„Seit 40 Jahren züchte ich Schafe und jetzt das“, sagt Thaler. Zwölf Tiere hatte er auf der Almweide unterhalb des Hinteren Sonnwendjochs. Drei davon sind tot, zwei Weitere hat er immer noch nicht gefunden. „Von den beiden fehlt jede Spur, obwohl wir schon alles abgesucht haben. Die hat der Bär wahrscheinlich irgendwo unter Latschenkiefern vergraben“, sagt der Almbauer.

Die drei toten Schafe entdeckte Thaler in einer kleinen Senke auf der Weide. „Die Viecher sahen schlimm aus. Die Körperteile lagen auf 250 Meter verteilt“, erzählt Thaler. Dem Bauern sei gleich klar gewesen, dass die Schafe nicht von einem Wolf angegriffen wurden. „Ein Wolf hat nicht die Kraft den Schädel so aufzubeißen“, sagt Thaler. Das Ergebnis des DNA-Abgleiches bestätigte seine Theorie.

Die Herden sind unruhig

Noch am selben Morgen brachte Thaler die verbliebenen sieben Schafe ins Tal. Die Tiere seien durch den Angriff total verstört und verängstigt gewesen. „Normal fressen die mir aus der Hand. Das kannst du jetzt vergessen, die wollen einfach nur flüchten, egal vor wem“, erzählt Thaler. Auch alle anderen Almbauern im Thierseetal hätten ihre Schafe ins Tal gebracht.

„Bei uns gibt es gerade kein einziges Schaf mehr auf dem Berg“, sagt Thaler. Aber auch bei den Kuhherden sei die Angst zu spüren. „Die stehen seit Tagen auf wenigen Quadratmetern zusammen, das ist nicht normal“, sagt Thaler. Sonst seien die Tiere auf die ganze Weide verstreut.

Ob er seine Tiere in diesem Sommer erneut auf die Alm bringt, weiß Thaler noch nicht. „Ein Schaf hat einen Wert von 2000 bis 3000 Euro. Ich kann mir nicht leisten, dass ich noch mehr verliere“, sagt der Almbauer.

Nicht nur aufgrund des finanziellen, sondern größtenteils wegen des emotionalen Schadens, steigt die Wut der Almbauern auf die Politik in Österreich. „Das ist bei uns nicht anders als in Deutschland“, sagt Thaler.

Die Politiker und Experten würden nur reden und reden, aber nichts machen. „Die lassen uns mit der Wolf- und Bärenproblematik alleine“, beklagt Thaler.

Die ganzen Debatten um den Herdenschutz hätten bisher nicht viel gebracht. „Am liebsten würde ich die Kinder der Politiker und der ganzen Experten zum Zelten hier oben einladen. Dann können sie zeigen, ob sie die großen Beutegreifer tatsächlich als so harmlos einstufen“, sagt Thaler.

Kinder dürfen nicht mehr ins Freibad

In Landl ist die Verunsicherung nach dem Schafsriss groß. „Die Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr ins Freibad. Das ist nur wenige Meter neben dem Wald, wer weiß, ob der Bär da nicht auch ist“, sagt Thaler. Die Angst vor dem Bären ist auch auf der Kala-Alm am Pendling zu spüren. „Als in Langkampfen das Schaf gerissen wurde, haben wir die Kinder nicht alleine rausgelassen“, sagt Domitius Mairhofer, Wirt der Kala-Alm. Ansonsten sei auf der Alm alles „normal und so wie immer“. „Der Bär ist auch bei den Leuten, die zu uns wandern, kein großes Thema, bis jetzt“, sagt Mairhofer. Denn das könne sich auch noch ändern. „Als 2006 der Bär Bruno hier war, hatten wir fast 80 Prozent Umsatzeinbußen, weil die Leute aus Angst um ihre Kinder nicht mehr hochgekommen sind“, erzählt Mairhofer.

Nach Angaben des Bund Naturschutzes ist die Angst vor dem Bären grundsätzlich unbegründet. „Bären fressen keine Menschen“, sagt Uwe Friedel, Artenschutzexperte vom Bund Naturschutz Bayern.

Gefährlich für Menschen sei es oftmals dann, wenn Weibchen mit ihren Jungtieren unterwegs sind und sich provoziert fühlen. Dies sei laut Friedel aber bei vielen anderen Tierarten auch so.

Wahrscheinlich ein Männchen

Zudem ist der in der Grenzregion gesichtete Bär aller Wahrscheinlichkeit nach ein Männchen. „Die Männchen begeben sich als Einzeltiere auf Wanderschaft und suchen eine Partnerin. Dabei können sie beachtliche Strecken zurücklegen“, erklärt Friedel. Hinzu komme, dass Bären sich meist überwiegend pflanzlich ernähren. Attacken auf Schafe, Rehe und Kühe sind nach Angaben des Bund Naturschutzes eher selten. „Trotzdem verstehen wir die Sorgen der Almbauern und respektieren auch deren Ansichten“, sagt Friedel. Der Dialog sei entscheidend.

Hierbei müsse dann aber streng zwischen Wolf und Bär unterschieden werden. „Die Populationsdynamik bei Wölfen ist eine ganz andere als bei Bären“, erklärt Friedel. Im Gegensatz zu Wölfen werden Bären auch dann nicht sesshaft, wenn das Nahrungsangebot gut ist.

„Wenn das Männchen kein Weibchen findet, dann verlässt der Bär früher oder später das Gebiet auch wieder“, sagt Friedel. Deshalb „kann es sein, dass der Bär bereits wieder über alle Berge ist.“ Ganz unvorsichtig sollten Wanderer aber auch laut Bund Naturschutz nicht in Gebiete gehen, in denen ein Bär nachgewiesen wurde. „Wenn man abseits der Wege durch unübersichtliches Gelände schleicht, könnte es zu einer überraschenden Begegnung kommen“, sagt Friedel.

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