Wichtige Verkehrsader für Rosenheim

Brücke für Westtangente bei Westerndorf St. Peter ist fertig: Wieder eine Baustelle weniger

Eine spannende Sache: Karl Kergl, der „Brücken-Manager“ beim Bau der Rosenheimer Westtangente, vor der neuen Spannbetonbrücke. Foto: Simeth
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Eine spannende Sache: Karl Kergl, der „Brücken-Manager“ beim Bau der Rosenheimer Westtangente, vor der neuen Spannbetonbrücke. Foto: Simeth
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Die Westtangente ist das größte Projekt in der Geschichte des Staatliche Bauamts Rosenheim. Immerhin gibt es jetzt eine Großbaustelle weniger: Die neue Brücke im Norden bei Westerndorf St. Peter ist rechtzeitig zum Schulstart fertig geworden – sogar ein paar Tage früher als erhofft.

Rosenheim – Der neue Koloss aus Stahl und Spannbeton kreuzt die künftige Westtangente und leitet den Verkehr auf der Kreisstraße 19 zwischen Rosenheim und Großkarolinenfeld über die neue Trasse hinweg. Auch die Einschleifspuren sind schon angelegt. So können sich tausende Autofahrer schon jetzt ein Bild davon machen, wie die Sache in ein paar Jahren aussehen wird.

Die Bauabschnitte ganz im Süden (1) und Norden (4) sind schon fertig, jetzt wird der Mittelteil vorangetrieben: die Aicherpark-Überführung (Abschnitt 2) und der Abschnitt 3, das längste Stück, vom Tierheim bis zur Anbindung an die Staatsstraße 2080 bei Deutelhausen.

270 Tonnen Stahl und jede Menge Beton

Die neue Plattenbalkenbrücke zwischen Öllerschlössl und der Bahnunterführung bei Westerndorf St. Peter ist mit einer Stützweite von rund 25 Metern das größte von insgesamt elf Bauwerken in diesem Streckenabschnitt 3. „2000 Kubikmeter Beton und 270 Tonnen Stahl geben dem Bauwerk Halt, Substanz und Form“, verrät Karl Kergl, Abteilungsleiter für konstruktiven Ingenieurbau am Staatlichen Bauamt Rosenheim und damit zuständig für alle Brücken der Westtangente.

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Blickrichtung Norden: Hier wird bald asphaltiert. Foto: Simeth

Sämtliche Betonteile sind an Ort und Stelle gegossen und betoniert worden. Anders ging es nicht. Die Ausmaße hätten selbst die Dimensionen von Schwerlasttransportern gesprengt. So etwas hat auf keiner Autobahn Platz.

28 Bohrpfähle, alle mit einem Durchmesser von 1,2 Metern, wurden bis zu 20 Meter tief in den Boden eingebracht. Der Damm, der die Kreisstraße stetig ansteigend auf das neue Brückenniveau hebt, erstreckt sich auf fast 600 Meter. Die „neue“ Kreisstraße verläuft dort nun etwa 30 Meter weiter im Süden.

2,3 Millionen Euro wird das Bauwerk den Steuerzahler kosten – ein überschaubarer Posten angesichts der Gesamtsumme von 190 Millionen Euro, die für das Mega-Projekt genehmigt wurden – und vermutlich nicht reichen werden.

Corona-Lockdown nur kurz ein Hemmnis

Die eigentlichen Brückenbauarbeiten – der Zuschlag ging an die Firma Bodner aus Kufstein – beschränkten sich auf September 2019 bis Juni 2020. Die sogenannten Vorlastaufschüttungen und Entwässerungsarbeiten waren schon ein halbes Jahr vor dem Brückenbaustart erfolgt. Der Untergrund müsse sich ja erst setzen, damit es später, wenn die Brückenteile in den Boden kommen, keine bösen Überraschungen wie Risse gibt, erläutert „Brücken-Manager“ Kergl.

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Der Corona-Lockdown war auf der Freiluft-Großbaustelle übrigens kein nennenswerter Blockade-Faktor. Im April hingen ein paar Mitarbeiter aus Österreich für ein oder zwei Tage an der Grenze fest – schnell erwirkte Bescheinigungen machten den Weg nach Bayern frei. Das Hygienekonzept mit Sanitärcontainer stand auch im Handumdrehen, die maximal zehn bis 20 Kräfte ließen sich problemlos und regelkonform auf das weitläufige Gelände und gewaltige Maschinen wie Bohrpfahlgeräte oder Kräne verteilen.

Den Rest musste schließlich die Baufirma Rädlinger aus Cham besorgen – und zwar unter mächtigem Zeitdruck. Nach der Vollsperrung Ende Juli sollte es ruckzuck gehen auf der Ferienbaustelle. Doch für die flotten Oberpfälzer war das kein Problem. Sie verlegten das neue Kreisstraßenstück so zügig in den Süden und führten es über die Brücke, dass die ersten Autos schon in der Woche vorm Schulstart über den frischen Asphalt rollten.

Weiter im Norden nicht mehr im Zeitplan

Von oben betrachtet: Das neue Kreisstraßenstück samt Brücke.

So einfach ist das ein paar hundert Meter nördlich nicht. Bei Wernhardsberg, dem nordwestlichsten Stadtteil Rosenheims, muss sich die Westtangente unter der Bahnstrecke Rosenheim-München hindurchzwängen – zweifelsohne die komplizierteste Tangenten-Baustelle neben dem Aicherpark-Brückenschlag.

Beim Bau der Eisenbahn-Überführung bei Wernhardsberg liegt man nicht mehr im Zeitplan. Was nicht an Corona, sondern an der Bedeutung der Bahnlinie München-Salzburg liegt: eine „transeuropäische“ Strecke, die man nicht einfach für acht Wochen sperren kann. Außerdem macht den Statikern der Untergrund aus Seeton größere Probleme als erwartet. Und es muss extra eine Hilfsbrücke errichtet werden, über die der Zugverkehr rollen kann, während unten drunter die Westtangente hindurchgelegt wird.

Wegen Bahnverkehr nur kleine Zeitfenster

Immerhin: Nach eineinhalb Jahren Baustillstand – alle Geräte und Materialien waren abgezogen worden – tut sich wieder etwas. Vorbereitungen laufen gerade an, es herrscht Anlieferverkehr in Wernhardsberg. Für Ende Oktober bis Ende November sind nach zähen Verhandlungen mit der Bahn die nächsten sogenannte Sperrpausen vereinbart worden. Nur in diesen nächtlichen Zeitfenstern können die Bauarbeiten vorangetrieben werden. Vermutlich wird es deshalb nichts mit der erhofften Westtangen-Freigabe noch im Jahr 2022.

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Blickrichtung Süden: Hier gibt es viele Amphibien. Foto: Simeth

Indessen geht es im Streckenverlauf im Bereich der soeben fertigen neuen Großbrücke zügig weiter. In Richtung Norden ist die Firma Zosseder aus Eiselfing schon dabei, weitere Westtangentenmeter zu asphaltieren, in Richtung Süden, also nach Fürstätt und zum Gangsteig hin, sind die Straßenplaner und Experten vor allem mit dem Erdbau und Leitelementen für Amphibien beschäftigt.

Frösche kreuzen nicht gleich transeuropäisch

Die vielen Molche, Kröten und Frösche, die sich dort im Moor tummeln, sind glücklicherweise auf keiner transeuropäischen Strecke unterwegs. Um ihnen dabei zu helfen, künftig sicher von links nach rechts zu kommen, ist keine Sperrung erforderlich.

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