Krebsberatungsstelle in Rosenheim offiziell eröffnet - Diakonie fungiert als Träger der Einrichtung

Wertvolle Hilfe in "existentieller Grenzsituation"

Bei der offiziellen Eröffnung der neuen Krebsberatungsstelle: Vereinsvorsitzende Dr. med. Sigrun Gabius, Sigrid Zierer, die Ansprechpartnerin für die Patienten, Diakonie-Vorstandssprecher Peter Selensky und Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (von links). Foto heinz
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Bei der offiziellen Eröffnung der neuen Krebsberatungsstelle: Vereinsvorsitzende Dr. med. Sigrun Gabius, Sigrid Zierer, die Ansprechpartnerin für die Patienten, Diakonie-Vorstandssprecher Peter Selensky und Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (von links). Foto heinz

Rosenheim - Die Diagnose Krebs ist ein tiefer Einschnitt im Leben eines jeden Menschen. Umso wichtiger ist es, eine kompetente und mitfühlende Begleitung an seiner Seite zu haben.

Daher hat der Verein Rosenheimer Krebsberatungsstelle zusammen mit der Diakonie eine Krebsberatungsstelle in der Klepperstraße 18 in Rosenheim eingerichtet, die jetzt feierlich eröffnet wurde.

"Die Diagnose Krebs ist wie ein Tsunami, der plötzlich auftritt, alles überrollt und die Menschen hilflos zurücklässt", sagte Sigrid Zierer. Sie ist die Ansprechpartnerin für die Patienten in der Beratungsstelle, die im Oktober des vergangenen Jahres gegründet und nun offiziell eröffnet wurde. "Es braucht ein dichtes Helfernetz, um in der Krise Halt und Zuversicht zu geben", so die Sozialpädagogin. Da dürfe auch ein ambulantes Angebot nicht fehlen. In der Beratungsstelle in den Räumen der Diakonie bekommen Betroffene Informationen zu sozialrechtlichen Fragen, zu therapiebegleitenden Maßnahmen, zu Rehabilitation sowie zur Wiedereingliederung am Arbeitsplatz. Außerdem organisiert die Stelle Gruppenangebote wie Entspannungskurse oder Kreativtherapie und hat Zugang zu einem Netzwerk aus medizinischen Einrichtungen, Selbsthilfegruppen oder psychoonkologisch tätigen Psychotherapeuten. Unterstützung gibt es auch rund um die Themen Familienbetreuung, Umgang mit Ängsten oder Umgestaltung von Lebensplänen.

Zierer betonte die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung in Rosenheim. Im Jahr 2012 seien bayernweit 75000 Menschen an Krebs erkrankt, in der Region gebe es aber bislang keine Möglichkeit der ambulanten Beratung. "Wir wollen die Hilfe und Unterstützung anbieten, die die Betroffenen wirklich suchen", so Zierer. Das Angebot soll in Zukunft durch ein monatlich stattfindendes Kontaktcafé im Bistro Arche sowie einen Online-Krebswegweiser für Stadt und Landkreis Rosenheim ergänzt werden.

"Auf diese Einrichtung haben wir lange hingearbeitet", berichtete Dr. med. Sigrun Gabius, die Vorsitzende des Vereins Krebsberatungsstelle. In den behandelnden Ärzten hätten die Patienten zwar zuverlässige Partner, doch diese könnten eben nicht allumfassend begleiten. Das Ziel des Vereins sei es immer gewesen, ein solches Angebot einzurichten, doch es müsse auch irgendwie finanziert werden. "Wir haben also nach einem Träger gesucht, der Erfahrung hat und unabhängig ist", erklärte die in Rosenheim niedergelassene Ärztin für Onkologie. Mit der Diakonie habe man diesen Träger gefunden, dank erster Spenden und einer Unterstützung der Stadt Rosenheim habe die Krebsberatungsstelle im Oktober des vergangenen Jahres eingerichtet werden können. In den Räumen der Diakonie kann seitdem eine kostenlose Beratung, frei von kommerziellen Interessen, angeboten werden.

"Wir haben uns die Hilfe für Kranke auf die Fahne geschrieben", betonte Peter Selensky, der Vorstandssprecher der Diakonie Rosenheim. Außerdem betreibe man bereits einige Beratungsstellen. Also sei man prädestiniert gewesen, auch eine Krebsberatungsstelle unter dem Dach der Diakonie einzurichten. Selensky erzählte auch von seinem ganz persönlichen Verhältnis zum Thema Krebs. Vor einigen Jahren selbst daran herkrankt, habe er große Unterstützung in der Familie, gute Ärzte und einen verständnisvollen Arbeitgeber vorgefunden. "Ich wäre aber auch froh gewesen über einen neutralen Ansprechpartner in dieser hochangespannten Situation", so Selensky. Er habe den Krebs gut überwinden können und hoffe, dass betroffene Menschen durch die Betreuung der Krebsberatungsstelle Rat finden und ein bisschen Hoffnung schöpfen können.

Das Leben mit Krebs sei eine "wahrlich existentielle Grenzsituation", beschrieb Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer die Situation. In Rosenheim befinde man sich, was zum Beispiel medizinische Einrichtungen angeht, auf der Höhe des Leistbaren. "Nicht weniger wichtig sind aber Beratungsangebote wie diese, die die Möglichkeit zum Austausch geben", sagte Bauer. Die Diagnose verändere alles im Leben, wodurch sich für Betroffene eine Vielzahl an Fragen ergebe. Ein neutraler Zuhörer könne da Mut geben, Perspektiven zeigen und Hindernisse aus dem Weg räumen. "In dieser Hinsicht hilft die Krebsberatungsstelle, die tückische Krankheit zu besiegen, soweit das möglich ist", so die Oberbürgermeisterin.

Bevor sich die Gäste der Einweihungsfeier zu einem Gedankenaustausch trafen, segneten Pfarrer Andreas M. Zach und Pfarrerin Christian Lutz von der evangelischen Kirche die neuen Räumlichkeiten.

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