Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


NEUES MEDIZINISCHES ANGEBOT

Wenn das Gedächtnis nachlässt: Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg hilft.

Tests am PC geben in der Gedächtnissprechstunde Aufschluss über die Leistungsfähigkeit des Gehirns.
+
Tests am PC geben in der Gedächtnissprechstunde Aufschluss über die Leistungsfähigkeit des Gehirns.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
    schließen

8,6 Prozent aller Menschen im Alter von 65 plus erkranken im Laufe ihres weiteren Lebens an Demenz. Das kbo-Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg hilft Betroffenen und ihren Angehörigen – auch ambulant in einer Gedächtnissprechstunde.

Wasserburg – „Grüß Gott, Frau ...“ Plötzlich fällt der 81-Jährigen der Name der Nachbarin, die sie auf der Straße trifft, nicht mehr ein. Am Tag zuvor hatte sie vergessen, die Herdplatte auszuschalten. „Geht`s jetzt los? Werde ich dement?“ Eine bange Frage, die auch ihre Angehörigen beschäftigt. Doch nicht immer steckt hinter Vergesslichkeit im Alter gleich eine Demenz, beruhigt Professor Dr. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor des kbo-Inn-Salzach-Klinikums in Wasserburg. Hier gibt es ein neues interdisziplinäres Zentrum mit ambulanten, stationären, diagnostischen und therapeutischen Angeboten zum Schwerpunkt Demenz.

Ab 18 altert bei jedem Menschen das Gehirn

Daran erkranken 8,6 Prozent aller Menschen im Alter von 65 plus im Verlauf ihres weiteren Lebens. Die Zahl der Betroffenen steigt. Das liegt nach Angaben von Zwanzger an der Tatsache, dass die Menschen immer älter werden. Bereits ab dem 18. Lebensjahr beginnt das Gehirn zu schrumpfen, berichtet Zwanzger.

Das könnte Sie auch interessieren:Ärztlicher Leiter am kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg rät: Keine Angst vor der Corona-Angst

Am häufigsten treten nach seinen Erfahrungen zwei Formen auf: die Alzheimer Demenz, ein langsam fortschreitender Abbau der Gedächtnisleistung, der durch Ablagerungen von Eiweißen in den Nervenzellen verursacht wird. Und „die vaskuläre Demenz“, hervorgerufen durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, die zu Sauerstoffmangel führen.

Doch das Gedächtnis kann auch als Folge körperlicher und seelischer Erkrankungen oder Stress leistungsschwächer werden. Auch nach Operationen erleben viele ältere Menschen eine Phase der Verwirrtheit. „Solche Einschränkungen sind in der Regel gut behandelbar“, sagt Zwanzger. Eine Demenz dagegen kann nur in ihrer Weiterentwicklung verlangsamt werden, heilbar ist sie bis heute nicht, bedauert er.

Gedächtnis-Ambulanz als niederschwelliges Angebot

Im Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg arbeiten jetzt interdisziplinär die Gedächtnis-Ambulanz, das Zentrum für Altersmedizin, die Klinik für Neurologie und die Abteilung für Neuropsychologie zum Schwerpunkt Demenz zusammen – ein im südostbayerischen Raum außerhalb von Universitätskliniken einmaliges Angebot, so Zwanzger. Bewusst niederschwellig sei die Spezialsprechstunde für Menschen wie die 81-jährige Wasserburgerin angelegt, die erste Wortfindungsstörungen hat. In der Ambulanz wird ihre Merkfähigkeit anhand einfacher standardisierter Untersuchungsmethoden analysiert.

Auch Angehörige finden Hilfe

Besteht weiterer Klärungsbedarf, folgt eine Diagnostik im stationären Bereich, berichtet Dr. Tobias Winkler, Chefarzt der Klinik für Neurologie. Hier stehe das ganze Spektrum der bildgebenden Verfahren über die Kernspintomographie zur Verfügung. Bei Bedarf werde auch Nervenwasser entnommen. Das klinikeigene Liquor-Labor untersuche es nach Eiweißablagerungen – wichtige Biomarker, die Hinweise auf Prozesse im Gehirn geben würden. . Auch die Hirnströme und Hirndurchblutung werden nach Angaben von Winkler gemessen.

Lesen Sie auch:Angst vor Federn: OVB-Redakteurin stellt sich ihrer Phobie in einer virtuellen Realität

In der Abteilung für Neuropsychologie lassen der Leiter, Privatdozent Dr. Alexander Brunnauer, und sein Team die Betroffenen zahlreiche Tests am PC durchlaufen. Ziel sei es, die kognitive Leistungsfähigkeit in den Bereichen Aufmerksamkeit und Gedächtnis oder auch die Planungsfähigkeit zu untersuchen und die Relevanz für die Bewältigung des Alltags herauszuarbeiten, Intensiv bezieht Brunnauer die Angehörigen ein: Denn die Tatsache, dass der Ehemann oder die Mutter sich stark verändert haben, verändert das Leben aller. Verzweiflung, Frustration, Verärgerung, der Verdacht, das Familienmitglied verhalte sich aus bösem Willen auf einmal so ganz anders: All dies ist normal, so Brunnauer. Der Sozialdienst im Klinikum unterstütze – gut vernetzt mit Beratungsstellen und Diensten – dabei, den neuen Alltag mit einem Demenzkranken zu stemmen.

Diagnose oft auch eine große Entlastung

Wobei Winkler immer wieder feststellt: „Die Diagnose ist oft auch eine große Entlastung: Endlich wissen der Patient und sein Umfeld, woran sie sind.“ Im Inn-Salzach-Klinikum können Betroffene außerdem ihre Hirnleistung trainieren. In einer ambulanten Gedächtnistherapie lernen sie auch, den Alltag so zu ordnen, dass verwirrende Einflüsse öfter ausbleiben. Trotzdem warnt Neuropsychologe Brunnauer vor übertriebenen Erwartungen. Natürlich lasse sich eine Demenz nicht einfach wegtrainieren, allerdings zeige die Erfahrung, dass das Üben erhebliche Chancen und Möglichkeiten biete, die Alltagskompetenz zu erhöhen.

„Ich persönlich glaube, dass der Leidensdruck bei den Betroffenen nicht immer so groß ist, wie wir das als Gesunde vermuten. Wir können die Patienten leider nicht fragen, wie es ihnen geht. Doch wir sehen bei vielen durchaus eine Lebensfreude“, betont Zwanzger.

Chefarzt Dr. Tobias Winkler.
Leiter Neuropsychologie Pritvatdozent Dr. Alexander Brunnauer
Ärztlicher Direktor Professor Dr. Peter Zwanzger

Kommentare