Wenig Schnee, viel Föhn: Nicht nur Corona verhagelt Rosenheimer Skigebieten die Saison

Ein Unterschied wie Tag und Nacht: Während am 16. März 2019 noch ideale Bedingungen für den Frühjahrsskilauf herrschten, war an diesem Datum im Jahr 2020 aufgrund der Corona-Krise und nach einer durchwachsenen bis schlechten Wintersaison bereits Schluss. Aerzbäck
  • vonMartin Aerzbäck
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Zu wenig Schnee, zu warme Temperaturen und zu viel Sturm: Die Bilanz zur vergangenen Wintersaison fällt überwiegend enttäuschend aus. Darin sind sich heimischen Bergbahn- und Skiliftbetreiber in der Region Rosenheim einig.

Rosenheim – „Leider hat es die Witterung in dieser Wintersaison nicht zugelassen, den Skibetrieb im Naturschneeskigebiet am Wendelstein zu eröffnen“, so Claudia Steimle, zuständig für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit bei der gleichnamigen Bergbahn-Gesellschaft.

Keine ausreichende Schneedecke

Unterhalb von 1400 Metern Seehöhe, zum Beispiel am Gleishang der Ostabfahrt zur Mitteralm, kam ihr zufolge zu keiner Zeit eine ausreichende Schneedecke zusammen. Hinzu seien überdurchschnittlich viele Sturmtage gekommen, die am ausgesetzten Aussichtsberg für Schneeverfrachtungen sorgten, ergänzt sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

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Steimle blickt trotzdem positiv in die Zukunft. Im Herbst werden die „Wendelstein-Streifzüge“ eröffnet. Dabei handelt es sich um ein gefördertes Leader-Projekt mit Themenwanderwegen, das die Bergbahnen in Zusammenarbeit mit den Talgemeinden Brannenburg, Bayrischzell, Fischbachau und Bad Feilnbach umsetzen. Teils interaktiv werden entlang der Wanderpfade die Blöcke „Geologie“, „Kunst“, „Sage und Almwirtschaft“ sowie „Meditation und Wasser“ präsentiert. Die fleißigen Arbeiter der Wendelsteinbahnen schaffen in diesem Zusammenhang im Laufe des Sommers zudem einige außergewöhnliche Rastplätze für Wanderer.

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„Während wir in der Wintersaison 2018/19 regelrecht schneeverwöhnt waren, fällt unsere Bilanz zum diesjährigen Winter leider sehr dürftig aus“, so Tobias Anderl vom Marketing der Kampenwandbahn in Aschau. Eine zu geringe Schneeauflage habe dazu geführt, dass in dieser Wintersaison kein Skibetrieb möglich war. „Entschädigt wurden unsere Gäste aber mit zahlreichen Sonnentagen, die für die Begehung der präparierten Winterwanderwege und für die Einkehr in einer Alm beste Bedingungen lieferten“, fügt Anderl hinzu.

Eine etwas bessere Bilanz in Oberaudorf

Etwas besser fällt die Bilanz in Oberaudorf aus. „Der Skibetrieb war im Januar und Februar mit der offenen Talabfahrt durchgehend möglich und auch die Flutlichtabende fanden statt“, gibt Hannes Rechenauer, Geschäftsführer der Hocheck-Bergbahnen- und Freizeitanlagen GmbH, Auskunft gegenüber unserer Zeitung. Sogar die Winterrodelbahn war ihm zufolge an 15 Tagen befahrbar. Einheimische Kinder, Familien und Senioren sowie die Urlaubsgäste seien mit den Bedingungen am Hocheck durchaus zufrieden gewesen, so der Bergbahn-Chef. „Allerdings fehlten die Tagesgäste, da im Großraum Rosenheim kein Schnee lag“, weiß er.

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Das vielseitige Angebot mit Sommerrodelbahn, Flying-Fox-Fluganlage, Free-Fall-Rutschbahn und Wanderparadies mit Abenteuerspielplatz, Tiergehe sowie Kneippanlage wird in diesem Jahr um eine attraktive Neuheit erweitert: eine Goldwaschanlage im Bereich der Bergstation.

Genau 24 Stunden lang kamen Skifahrer und Snowboarder heuer am Hochfelln auf ihre Kosten. Wolfgang Helldobler, Leiter vom Tourimusverbund Bergen-Siegsdorf: „Aufgrund der Schneelage konnten in dieser Saison nur an drei Tagen Skibetrieb angeboten werden.“ An Tagen mit guter Witterung, an denen Fahrbetrieb durchgeführt wurde, war die Bahn seinen Angaben nach dafür gut frequentiert. Momentan werden Revisionsarbeiten durchgeführt. „Wir hoffen, dass der Fahrbetrieb bald wieder aufgenommen werden kann“, so Helldobler.

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Früher als geplant mussten zuletzt aufgrund der Corona-Krise die Skigebiete vom Verbund Alpen-Plus zusperren. Am 16. März endete die Saison am Spitzingsee im benachbarten Landkreis Miesbach und am Sudelfeld zwischen Oberaudorf und Bayrischzell. „Auch, wenn uns dies nach einem ohnehin schwierigen Winter umso mehr trifft, tragen wir die politischen Entscheidungen zu 100 Prozent mit als notwendige Maßnahme zur Eindämmung und Bekämpfung des Coronavirus“, so Sprecherin Stephanie Decker.

Hoffen auf baldige Freigabe

Aktuell befinden sich alle Bahnen und Lifte in einer vorgezogenen Revision. Wann die Bahnen am Spitzingsee sowie am Brauneck (Lenggries) und am Wallberg (Rottach-Egern) den Sommerbetrieb aufnehmen, steht zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht fest. „Wir hoffen aber, dass die von der Politik getroffenen Maßnahmen schnell greifen und wir in nicht allzu ferner Zeit wieder unsere Gäste wie gewohnt begrüßen können“, so Decker weiter.

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