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Weiter steigende Corona-Fallzahlen

Welle der Ungeimpften trifft die Kliniken in der Region Rosenheim hart

Die Belastung auf der Covid-Intensivstation im Romed-Klinikum Rosenheim ist groß.
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Die Belastung auf der Covid-Intensivstation im Romed-Klinikum Rosenheim ist groß.
  • Katrin Woitsch
    VonKatrin Woitsch
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  • Rosi Gantner
    Rosi Gantner
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Überlastete Kliniken und Ärzte, immer weiter steigende Fallzahlen – die Serie der Negativrekorde reißt in dieser vierten Corona-Welle in der Region Rosenheim nicht ab. Und: Es ist eine Welle der Ungeimpften, die für Überlastung sorgt. Wobei die Impfbereitschaft seit einigen Tagen zunimmt – 2G scheint es ungemütlich werden zu lassen.

Rosenheim Der Landkreis Rosenheim hat mit aktuell 370 Neumeldungen binnen eines Tages und einer 7-Tage-Inzidenz von 620 (Stand: 12. November) in rasantem Tempo die Marke 600 gerissen (Vortag: 581). Die Stadt Rosenheim liegt mit 87 Neumeldungen bei einer Inzidenz von 470 (Vortag: 388). Noch kritischer ist die Situation in den Nachbarlandkreisen: Miesbach und Mühldorf haben die 1000 überschritten, mit 1049 in Miesbach und 1023 in Mühldorf.

Das sind die Gründe für den Anstieg

Die Gründe für die explodierenden Zahlen in der Region Rosenheim: vielfältig – und weiter „diffus“, wie es seitens des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim heißt. Einzelne Ausbruchsgeschehen könnten nicht mehr festgemacht werden. Sorgen bereiten indes die vermehrten Infektionsübertragungen auf Mitarbeiter und Bewohner in Alten- und Pflegeheimen. „Besorgniserregend ist dabei der hohe Anteil vollständig geimpfter Bewohner bei den positiven Fällen und den Hospitalisierten“, erklärt Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Hierl auf Anfrage.

Viele Schulen und Kitas betroffen

Hinzu komme eine „zunehmend hohe Zahl“ an positiven Fällen sowie an Infektionsübertragungen in Schulen und Kitas. Während den Herbstferien hatte es eine zwischenzeitliche Abnahme der Fallzahlen gegeben, inzwischen steigen sie wieder. Neben Einzelfällen in Schulen und Kitas in der Region ist aktuell Wasserburg stark betroffen: Hier registrierte das Gesundheitsamt zuletzt sechs Neuinfektionen in der Anton-Heilingbrunner-Realschule Wasserburg sowie zwei Fälle am Luitpold-Gymnasium.

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106 Covid-Patienten in den Kliniken

Rekordinzidenzen, explodierende Fallzahlen, alles noch nie dagewesene Werte, die sich täglich zu übertreffen scheinen – und die in der Folge die Kliniken mit einer weiter steigenden Anzahl an schweren Covid-Verläufen an die Belastungsgrenze bringen. Allein in den RoMed Kliniken befinden sich aktuell (Stand: 12. November) 106 Covid-Patienten (davon acht Verdachtsfälle) in stationärer Behandlung, verteilt auf die Standorte Rosenheim, Bad Aibling und Wasserburg. Davon liegen wiederum 19 Patienten auf der Intensivstation, fünf müssen beatmet werden. Belegungszahlen, die höher sind als zu Spitzenzeiten im vergangenen Corona-Winter, als es noch keine Impfungen gab. „Aber damals gab es einen Lockdown, deshalb wurden deutlich weniger Unfallpatienten eingeliefert“, sagt RoMed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram im Gespräch mit unserer Zeitung.

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Auch Jüngere schwer erkrankt

Seit August, als sich die vierte Welle anbahnte, waren in den RoMed Kliniken bereits über 90 Covid-Intensivpatienten in Behandlung. Etwa 90 Prozent der Covid-Patienten auf Intensiv ungeimpft, berichtet der Geschäftsführer. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein vollständig Geimpfter aufgrund seines Covid-Krankheitsverlaufs auf der Intensivstation lande, sei sehr gering. „Das sind dann ganz seltene Konstellationen von Impfdurchbrüchen und ist in der Regel nur der Fall bei richtig schweren Vorerkrankungen.“ Er kann nur einmal mehr unterstreichen: „Eine Impfung schützt vor schweren Verläufen.“

Und eine weitere Feststellung machen die RoMed Kliniken in der aktuellen vierten Welle, wie der Klinikchef erklärt: „Wir haben jetzt deutlich mehr jüngere Patienten. Kerngesunde 40-Jährige, die Corona voll erwischt hat.“

Auf der Covid-Normalstation fänden sich hingegen mehr Impfdurchbrüche. Hier nennt RoMed eine Verteilung von aktuell 60:40 - 60 Prozent sind Ungeimpfte, 40 Prozent Geimpfte.

Fehlende Pflegekräfte

Ein weiterer Faktor für die prekäre Lage ist, dass für die vier RoMed Kliniken im Kreis Rosenheim aktuell ein Drittel der Intensivbetten nicht zur Verfügung steht, weil Pflegekräfte dafür fehlen. Die Personalsituation sei deutlich angespannter als im vergangenen Winter, sagt Deerberg-Wittram. „Der Markt für Intensivpflegekräfte ist völlig leer. Jede Stelle, die frei wird, können wir nicht nachbesetzen.“ Hinzu komme, dass viele Intensivpflegekräfte im Krankenstand seien, einige auch wegen Erschöpfung. „Und natürlich gibt es auch bei unserem Personal Infektionen und Quarantäne.“

Patienten werden teils aggressiv

Doch selbst wenn Patienten mit einer Infektion im Krankenhaus landen, bedeute das nicht automatisch, dass sie das Virus ernster nehmen, berichtet Deerberg-Wittram. „Einige sind wirklich aggressiv, weigern sich, die Maske zu tragen, oder bedrohen die Pflegekräfte sogar.“ Ein Patient habe einer Pflegekraft kürzlich die Schutzausrüstung runtergerissen und sie angespuckt. Die Angst, sich selbst zu infizieren, sei trotz aller Professionalität und Sicherheitsvorkehrungen ein ständiger Begleiter für viele Intensivpflegekräfte.

2G ist besser als 3G

Deerberg-Wittram ist froh, dass zumindest die Klinik-Ampel nun anzeigt, wie dramatisch die Situation auf den Intensivstationen inzwischen ist. „Das bedeutet ja auch, dass die Pandemie-Regeln vor Ort verschärft werden. 2G ist aus Sicht der Krankenhaus-Mitarbeiter besser als 3G.“ Er betont: „Alles, was zu mehr Schutz führt, hilft uns.“

Was der K-Fall bedeutet

Erleichterung über den erneut ausgerufenen Katastrophenfall herrscht beim regionalen Ärztlichen Leiter Krankenhauskoordination, Dr. Michael Städtler, zuständig für die Bettenbelegung in Stadt und Landkreis Rosenheim sowie im Landkreis Miesbach. Damit soll die Verlegung von Covid-Patienten erleichtert werden. Städtler: „Die Auswirkungen in konkreten Bettenzahlen sind Stand jetzt allerdings noch nicht abschätzbar, das ist ein dynamischer Prozess. Vorrangiges Ziel muss es sein, die Anzahl der behandlungsbedürftigen Erkrankten zu reduzieren, zum Beispiel durch Impfungen.“

Die Entwicklung der Impfungen in Stadt und Landkreis Rosenheim seit Anfang Oktober (Stand 7. November).

Impfen nimmt Fahrt auf

Wobei das Thema Impfen in der Region Fahrt aufzunehmen scheint. Wie die Stadt Rosenheim, zuständig für das gemeinsame Impfzentrum von Stadt und Landkreis, auf Anfrage mitteilt, dürfte sich die Zahl der Impfungen bis Ende dieser Woche voraussichtlich um 30 Prozent gegenüber der Vorwoche erhöhen. Die Nachfrage nach Erst- und Auffrischungsimpfungen ist dem Sprecher zufolge groß. Derzeit seien im „Impfzelt“ vier Impfstraßen in Betrieb, bis Samstag sollen alle sechs Straßen in Betrieb sein.

Dr. Hierl begrüßt Verschärfungen

Die Hoffnung in der Region liegt neben der steigenden Impfbereitschaft in der Wirkung der Verschärfungen hin zu 2G. Insbesondere Gesundheitsamtschef Hierl begrüßt die Verschärfungen der Regelungen durch die Staatsregierung: „Sie gehen in die richtige Richtung. Ganz entscheidend hängt der Erfolg aber auch von den Einlasskontrollen in den Einrichtungen oder bei den Veranstaltungen ab.“ Die Stadt Rosenheim hat hier bereits Konsequenzen gezogen und führt harte Kontrollen in der Gastronomie durch – mit ersten Erfolgen.

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