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Prozess vor dem Amtsgericht Rosenheim

Um Drogensucht zu finanzieren: 40-Jähriger stiftet 16-Jährigen zum Diebstahl an

Weil er seine Heroin-Sucht finanzieren musste, überredete ein 40-jähriger Mann den Freund (16) seiner Tochter, für ihn Dinge zu stehlen.
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Weil er seine Heroin-Sucht finanzieren musste, überredete ein 40-jähriger Mann den Freund (16) seiner Tochter, für ihn Dinge zu stehlen.
  • VonTheo Auer
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Weil er den 16-jährigen Freund seiner Stieftochter zum Stehlen angestiftet hatte, damit er sich seine Drogensucht finanzieren kann, musste sich jetzt ein 40-jähriger Mann in Rosenheim vor Gericht verantworten. So fiel das Urteil aus.

Rosenheim/Bad Aibling – Seit über 20 Jahren ist der 40-jährige, gebürtige Litauer drogenabhängig. Weil es sich dabei um die harte Droge Heroin handelt, war seine Sucht mit seinem Verdienst als Gelegenheitsarbeiter, wechselnd mit Hartz-IV-Bezug, nicht zu finanzieren.

Seit 2001 taucht er immer wieder bei Gericht auf. Wiederkehrende Diebstähle waren und sind ganz klar als Beschaffungskriminalität einzuordnen.

Hochprozentige Getränke gegen Drogen getauscht

Nun war er wieder einmal straffällig geworden. Als er in Miesbach Elektrogeräte entwenden wollte, fiel er auf und musste fliehend die Beute zurücklassen. Anders in verschiedenen Lebensmittelzentren. Dort griff er immer wieder verschiedene hochprozentige Getränke ab, die er anschließend verhökerte, um sich seine Drogen kaufen zu können. Oder er tauschte sie an bekannten Treffpunkten der Szene gegen Psychopharmaka ein.

Im Februar 2022 suchte er Geschäfte in Bad Aibling und in Rosenheim heim. Besonders verwerflich war es dann im März, als er den 16-jährigen Freund seiner Stieftochter anstiftete, für ihn zweimal in Rosenheimer Geschäften Schnaps zu stehlen. Dazu benutzte der eine Tasche, die der Angeklagte – zur Alarmverhinderung bei Diebstahlsmarkern – mit einer Alufolie ausgestattet hatte.

Am 16. März wurde der Jugendliche dann beim Stehlen erwischt und gestand die Tat und die Anstiftung. Tags darauf wurde der Angeklagte mit dem Wagen seiner Lebensgefährtin gestoppt. Die Beamten trafen ihn ohne Führerschein und mit jeder Menge Drogen im Blut an und verbrachten ihn in Untersuchungshaft.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Harald Baumgärtl, erklärte, dass sein Mandant voll umfänglich geständig sei. Dessen Problem sei nach wie vor seine Drogenabhängigkeit. Er habe sich in den Jahren 2017/18 bereits einmal in einer Therapie durch einen Maßregelvollzug befunden. Diese habe er auch durchgestanden, und im Anschluss sei er drogenfrei geblieben. Durch ungünstige Umstände und negative Kontakte sei er aber in alte Muster zurückgefallen. Ihm sei klar, dass er eine Strafe zu erwarten habe. Allerdings hoffe er, noch einmal die Chance einer Therapie zu bekommen, weil er anders wohl nicht von seiner Drogensucht loskommen könne.

Der Psychiatrisch forensische Gutachter, Professor Michael Soyka, stellte klar, dass der Angeklagte ohne intensive Therapie wohl zwingend in alte Verhaltensmuster zurückfallen würde. Auch erklärte er, dass eine nun erfolgreiche Therapie durchaus möglich sei.

Das stellte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft durchaus in Abrede. Aufgrund der langen „Drogenkarriere“ und des alsbaldigen Rückfalles nach der ersten Therapie wollte sie – im Gegensatz zu der Erklärung des Gutachters – eine neuerliche Therapie nicht befürworten. Sie beantragte eine Gefängnisstrafe von drei Jahren, die ihr angemessen erschien.

Fünf Monate in Untersuchungshaft

Der Verteidiger erinnerte daran, dass sein Mandant sich nun bereits fünf Monate in Untersuchungshaft befunden habe und sich dort sofort um die Möglichkeit einer Therapie bemüht habe. Dies zeige dass er durchaus gewillt sei seinem Leben eine neue, bessere Richtung zu geben. Er beantragte eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, die sein Mandant in einer geschlossenen Therapie verbringen solle. Nur so bestünde die realistische Chance, den Mann zu einem straffreien Leben zu bewegen.

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Matthias Knoblauch fand es ganz besonders verwerflich, dass der Angeklagte einen Jugendlichen für seinen Diebeszug missbraucht hatte. Eine Strafe von zwei Jahren und neun Monaten hielt es für Tat- und Schuld angemessen. Wegen der therapeutischen Unterbringung habe man mit sich gerungen. Aber letztlich hätten die Argumente des Gutachters und der Verteidigung den Ausschlag gegeben, diese Chance noch einmal zu gewähren.

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