Hygieneauflagen lassen keine Vorbereitung zu

Wegen Corona: WV sagt Fasching in Rosenheim ab – Betroffene äußern Enttäuschung und Verständnis

Mit Gardeauftritt und ganz viel Spaß:Zum Faschingsfinale auf dem Rosenheimer Max-Josefs-Platz werden am Faschingsdienstag wieder Tausende Narren erwartet. Schlecker
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Nix Gardeauftritt und ganz viel Spaß: Dieses Jahr gibt es keinen Fasching in Stadt und Landkreis. Unser Archivbild zeigt das Treiben an einem vergangenen Faschingsdienstag auf dem Rosenheimer Max-Josefs-Platz
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Es war zu ahnen, aber die Nachricht ist trotzdem ein Hammer: Kein Fasching in Rosenheim in der Saison 2020/21! Der Wirtschaftliche Verband der Stadt und des Landkreises Rosenheim (WV), Veranstalter des Faschings, sagte die närrische Zeit jetzt ab. Die Faschingsgilde blickt jetzt schon auf die Saison 2021/22.

Update 24. September, 15.32 Uhr

Sandra von Gottesheim, die Präsidentin der Faschingsgilde, ist traurig. Das ist auch am Telefon zu hören. „Es war eine schwere Entscheidung“, sagt sie. Lange habe man überlegt, wie ein Fasching unter Corona-Auflagen aussehen könnte. Man habe diskutiert, sich ausgetauscht. Letztendlich sei dem Präsidium der Faschingsgilde und dem Wirtschaftlichen Verband aber nichts anderes übrig geblieben, als die Veranstaltungen abzusagen. Am Telefon erzählt sie von dem Moment, als sie ihren Gardemädels die traurige Botschaft überbrachte: „Es hat einige Tränen gegeben. Der Fasching ist ein Teil von uns. Wir haben ihn alle im Blut.“

Absage des Faschings unausweichlich

Trotz allem weiß die Präsidentin, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat. „Die derzeitigen Auflagen lassen weder ein ordentliches Training von Garde und Prinzenpaar zu, noch können wir unsere Eigenveranstaltungen entsprechend planen“, sagt sie. Die Perspektiven seien entmutigend, sowohl für den Rosenball, den Stadt- und Landball, aber auch den Kinderball.

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Ähnlich schätzen die Vize-Präsidenten Max Haimmerer und Stefan Seidl die Situation ein. „Das finanzielle wie auch organisatorische Risiko für den Wirtschaftlichen Verband ist für uns nicht verhältnismäßig darstellbar“, teilen sie mit. Eine Absage des Faschings sei deshalb unausweichlich gewesen.

Absage trifft den Einzelhandel und die Gastronomie in der Stadt

Es ist eine Entscheidung, die nicht nur die Faschingsgilde hart trifft, sondern auch den Einzelhandel und die Gastronomie. Paul Adlmaier, Vorsitzende des City-Managements, weiß das. „Wenn es keine Bälle gibt, dann brauchen die Menschen auch keine Kostüme“, sagt er. Trotz allem habe er Verständnis für die Entscheidung des Wirtschaftlichen Verbandes.

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Verständnis hat auch Toni Sket, der Wirt vom „Zum Johann Auer“. Seit 42 Jahren hat er die Faschingsgilde bekocht. „Jeden Faschingssamstag habe ich ein Frühstück für die Gilde zubereitet“, sagt er. Von der Nachricht, dass der Rosenheimer Fasching abgesagt wurde, erfährt er erst durch den Anruf der OVB-Heimatzeitungen. Glauben will er es anfangs nicht. „Der Fasching ist ein Teil meines Lebens“, sagt er. Jedes Jahr aufs Neue habe er sich auf die fünfte Saison gefreut. Dass es heuer keinen Fasching geben wird, sei sehr traurig.

Aus für den Rosenball im Kuko

„Höchst betrüblich“ findet es auch Thomas Bugl, der Wirtschaftsdezernent der Stadt Rosenheim. Die Entscheidung, die Veranstaltung abzusagen, sei nachvollziehbar, wenn auch mit „wirtschaftlichen Einschnitten“ verbunden. Er nennt vor allem den Wirtschaftlichen Verband, aber auch das Kultur- und Kongresszentrum als Leidtragende.

Im Kuko finden traditionsgemäß der Rosenball sowie der Stadt- und Landball mit jeweils mehreren hundert Besuchern statt. Welche Auswirkungen die Absage tatsächlich für den Veranstaltungsort hat, dazu lag bis vor Redaktionsschluss noch keine Stellungnahme vor. Traurig über die Entscheidung aber dürfte man allemal sein.

Training der Faschingsgilde läuft weiter

Trotz allem versuche man, optimistisch zu bleiben, sagt Sandra von Gottesheim. Auch und gerade weil das Training für die Faschingsgilde weiterläuft – wenn auch in etwas reduzierter Form. „Im Moment steht vor allem der Spaß im Vordergrund.“

Sie will die faschingsfreie Zeit für die Familie nutzen. Aber auch die Vorbereitungen für die Faschingssaison 2021/22 laufen auf Hochtouren. „Wir werden jetzt unsere ganze Energie auf das Jubiläumsjahr verwenden.“ Dann nämlich feiert die Faschingsgilde ihr 50-jähriges Bestehen im Wirtschaftlichen Verband.

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Die Erstmeldung vom 24. September, 11.41 Uhr

In der Mitteilung heißt es zur Begründung: „Die derzeitigen Auflagen lassen weder ein ordentliches Training von Garde und Prinzenpaar zu, noch können wir unsere Eigenveranstaltungen entsprechend planen. Sowohl für Rosenball, Stadt- und Landball als auch den beliebten Kinderball sind die Perspektiven entmutigend. Der zeitlich erforderliche Vorlauf zwingt uns nun zur leider negativen Entscheidungsfindung“, so Sandra von Gottesheim, Präsidentin der FGR.

Die Vize-Präsidenten Max Haimmerer und Stefan Seidl pflichten bei: „Das finanzielle wie auch organisatorische Risiko für den Wirtschaftlichen Verband ist für uns nicht verhältnismäßig darstellbar, so dass wir unserer Verantwortung sowohl für die gesamte Gilde als auch den WV als Verein mit der Absage der Saison rechtzeitig entsprechen wollen.“

Somit wird erstmals seit der Golfkrieg bedingten Einstellung des Faschings im Jahr 1991 in Rosenheim kein Fasching mit und durch die FGR stattfinden.

(Pressemitteilung Wirtschaftlicher Verband Rosenheim e.V.)

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