Wasserfluten nach Starkregen

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Die Pumpen liefen in Götting die ganze Nacht durch. Von überfluteten Wiesen war das Wasser in ein angrenzendes Wohngebiet eingedrungen.

Rosenheim - "Mittlerweile haben wir ja Routine", meint Kreisbrandrat Sebastian Ruhsamer. Der Hagel und Starkregen, der am Sonntagabend über dem Landkreis Rosenheim niederging, war bereits das dritte Unwetter binnen dreier Wochen. Am schwersten wurde diesmal der Bereich Bad Aibling-Bruckmühl getroffen. **Fotos und Videos auf rosenheim24.de**

Vollgelaufene Keller und Tiefgaragen, überflutete Straßen und Unterführungen hielten Feuerwehren und Rettungskräfte auf Trab.

Der Feldbach setzte Teile von Willing unter Wasser.

Am Sonntagabend standen die Telefone in der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums in Rosenheim nicht mehr still. Zwischen 19.15 und 21.15 Uhr gingen dort 138 Notrufe ein, die meisten aus dem Westen des Landkreises. In Bad Aibling, Bruckmühl, Kolbermoor und Großkarolinenfeld liefen nach sintflutartigen Regenfällen Keller und Tiefgaragen voll, Straßen und Unterführungen wurden überflutet Bäume stürzten um. Die Schäden sind immens. Noch gestern Vormittag waren die Feuerwehren mit Aufräumarbeiten beschäftigt. "Es werden noch immer vollgelaufene Keller gemeldet", berichtete gestern Ruhsamer.

Die schlimmsten Verwüstungen richteten die Wassermassen in Willing an, wo der Feldbach überlief und Teile des Ortes unter Wasser setzte. Mehrere Bauernhöfe wurden überflutet. In

Erschöpfte Helfer gestern Vormittag bei Götting.

Mittenkirchen bei Vagen und in Götting sammelte sich das Wasser in Wiesen und drang von dort in angrenzende Wohngebiete ein. In etlichen Häusern stand das Wasser vom Kellerboden bis ins Wohnzimmer.

Die Feuerwehren lösten Großalarm aus. Rund 1000 Feuerwehrleute und THW-Männer waren im Einsatz. Auf dem Gelände der Feuerwehr in Bad Aibling wurde rasch eine Koordinierungsstelle eingerichtet. Wehren aus dem Inntal und aus Wasserburg, die vom Unwetter nur wenig getroffen waren, eilten zur Hilfe. "Nach einer kurzen Orientierungsphase ist wunderbar gearbeitet worden", lobte Ruhsamer das Engagement der freiwilligen

In Prien durchschlug ein abgebrochener Ast die Windschutzscheibe eines geparkten Autos.

Feuerwehren. Keller wurden ausgepumpt, Straßen wieder freigeräumt. Zwei Hochleistungspumpen liefen die ganze Nacht hindurch, um die Überschwemmungen in Mittenkirchen und Götting in den Griff zu bekommen.

Auch in Prien und Rimsting hatten die Feuerwehren alle Hände voll zu tun. 33 Einsätze zählte die Feuerwehr in Prien. Wie schmal die Unwetterschneise war, zeigt der Umstand, dass in Bernau die Feuerwehr gar nicht ausrücken musste.

In Prien waren die beiden Bahnunterführungen kurz gesperrt. Aus einem dort liegengebliebenen Fahrzeug mussten Rettungskräfte einen Mann befreien.

Das Unwetter geplagte Riedering blieb auch am Sonntag nicht verschont: "Manche sind jetzt zum dritten Mal abgesoffen", so Bauamtsleiter Sebastian Hellthaler. Das Problem sind Äste, Zweige und Blätter, die der Hagel bei den ersten beiden Unwettern abgerissen hat. Der Wildbruch verstopft Wasserabflüsse und Bauchläufe. Bei heftigen Regenfällen kann das Wasser deshalb nicht abfließen, sondern staut sich zurück. "Obwohl unsere vier Ortsfeuerwehren im Dauereinsatz sind, können die Abläufe gar nicht so schnell gereinigt werden, wie sie sich wieder schließen", so Hellthaler. Nicht nur in Riedering verfolgt man deshalb bang die Wetterprognosen: Für Mittwoch sind die nächsten Gewitter angesagt.

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

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