Wasserburg: Toni Meggle und drei seiner Kinder streiten vor Gericht um das Erbe

Stammsitz von Meggle ist Wasserburg: Hier sind 1000 der 2500 Mitarbeiter beschäftigt. Auch sie belastet der Erbstreit. Cater

Fünf Kinder – und keins möchte die Unternehmensnachfolge antreten: Das ist bittere Realität bei der Molkerei Meggle in Wasserburg. Jetzt ist noch ein Erbstreit vor dem Landgericht Traunstein hinzugekommen.

Wasserburg – Drei Meggle-Kinder klagen in einem Zivilverfahren gegen ihren Vater (88). Sie werfen ihm vor, Zusagen zum Erbe nicht eingehalten zu haben.

Der älteste Sohn von Toni Meggle (58), von 1997 bis 2002 noch Markenvorstand bei der Meggle AG, jedoch seit Jahren nicht mehr im Familienunternehmen tätig, klagt gegen den Vater – gemeinsam mit seinen Zwillingsschwestern Kathrin und Stefanie (61). Vor Gericht vertreten werden sie durch Dr. Peter Gauweiler, früherer CSU-Rebell und heute bekannter Prozess-Anwalt.

Unternehmen an Stiftung übertragen

Im noch laufenden Verfahren vor dem Landgericht Traunstein geht es um einen klassischen Familienerbstreit, der jedoch Auswirkungen auf das Unternehmen haben könnte. Denn bekämen die drei klagenden Kinder Recht, könnten sie nach dem Tod ihres Vaters einen Pflichtanteil in Millionenhöhe geltend machen. Auch die Möglichkeit, dass sich die anderen beiden Kinder anschließen könnten, stände dann im Raum. Das würde hohe Summe aus der Gruppe abfließen lassen.

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Toni Meggle hat schon vor Jahren versucht, das von ihm in dritter Generation geführte Unternehmen einem Zugriff zu entziehen: 2011 rief er eine Familienstiftung ins Leben, die jedoch 2017 wieder aufgelöst wurde. 2019 folgte die Gründung der Toni-Meggle-Stiftung mit dem Namensgeber als Vorsitzendem. In der Satzung ist verankert, dass das Unternehmen nicht verkauft werden darf.

Meggle-Anwalt Steiner: „Fortbestand ist unabhängig von der Familie gesichert.“

Toni Meggles Anwalt Dr. Anton Steiner aus München erklärt auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen: Drei der fünf Kinder hätten „1997 beziehungsweise 2001 nach reiflicher Überlegungszeit und notarieller Beratung auf ihren Pflichtteil am Erbe von Herrn Meggle verzichtet“. Dies sei Meggle sehr wichtig gewesen, „um das Unternehmen zu schützen“. Es zu erhalten „und seiner Verantwortung als Arbeitgeber für mehr als 2000 Menschen gerecht zu werden, das stand und steht für Herrn Meggle im Vordergrund und dies war auch seinen Kindern stets bekannt“, so Steiner weiter. Daher habe Meggle das Unternehmen zwischenzeitlich auf eine rechtsfähige, von der Regierung von Oberbayern anerkannte Stiftung übertragen. Der Fortbestand sei deshalb unabhängig von der Familie gesichert.

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Drei der fünf Kinder würden nun nach zwei Jahrzehnten die Wirksamkeit der notariellen Urkunden bestreiten, weil ihnen ihr Vater angeblich ein Erbe zugesagt habe. „Aber nicht einmal sie konnten vor Gericht angeben, was diese angebliche Zusage konkret bedeuten sollte. Eine solche Zusage gab es zu keinem Zeitpunkt, sie wäre zudem ein Widerspruch zu dem notariellen Verzicht gewesen. Was es aber gab und gibt, ist – unabhängig vom Prozess – die Zusicherung von Herrn Meggle, seine Kinder großzügig und auf Lebenszeit zu versorgen. Hierzu liegt den Kindern auch ein verbindliches notarielles Angebot vor“, so Steiner. Sein Mandant hoffe sehr, dass damit dieser „für ihn sehr schmerzliche Streit ein gütliches Ende findet“.

Dr. Peter Gaulweiler, Anwalt der Kläger, wirft Meggle und Ehefrau Fehlverhalten vor

Gauweiler als Anwalt der klagenden Kinder betont auf Nachfrage, Ziel des Zivilverfahrens sei es, „die Unwirksamkeit des Pflichtteilverzichts“ festzustellen. Die Geschäftsgrundlage der damaligen Regelung sei durch das spätere Verhalten von Meggle, „wohl auf Betreiben seiner zweiten Ehefrau Marina und ihres Anhangs“, zerstört worden. Meggle habe seinen Kindern stets versichert, der formale Pflichtteilverzicht berühre ihr Erbe in keiner Weise. „Daran wollte er sich später nicht mehr halten“, so Gauweiler.

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