Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„Weiching, nicht „Woaching“

Was Ortsnamen in der Region Rosenheim mit der bairischen Sprache zu tun haben

Der Name Fachendorf deutet auf einen Vacho hin.
+
Der Name Fachendorf deutet auf einen Vacho hin.

Der Autor der Serie „Vo-Ort-zu-Ort“, Armin Höfer, erzählte beim Historischen Verein Bad Aibling einiges zum Thema „Ortsnamen und bairische Sprache“. Und konnte mit einigen Kuriositäten überraschen.

Bad Aibling – Er wies auf eine Todes-Anzeige hin, in der sowohl der Hausname als auch der Ortsname der verstorbenen Person auf „Boarisch“ geschrieben steht: „Schuasta“, also der Hausname „Schuster“, mit der althergebrachten mittelbairischen Diphthongierung des langen /u/ zu /ua/, sowie die Weiterentwicklung eines germanischen /ei/ zu mittelbairisch /oa/ im Ortsnamen Steinkirchen; in diesem Namen ist zugleich die Weglassung der Endung -en zu beobachten, nämlich „Stoakirch“, was mundartlich auch bei Feldkirchen vorliegt: „Fejdkirch“.

Lesen Sie auch: Vo Ort zu Ort: Was so alles in die Mangfall und in den Inn fließt

Von Sprechern, die des Bairischen nicht mächtig sind, wird /ei/ oft unrichtig realisiert: „Oans, zwoa“ – aber jetzt kommt’s – „droa“! Warum also auf Bairisch „drei“? Dies könne anhand von Weiching bei Ostermünchen erklärt werden: Dem Ortsnamen liege nicht „weich“, auf Bairisch „woach“, zugrunde, sondern der althochdeutsche Personenname Wîgo. Dessen langes î im Namen sei ganz regulär in den hochdeutschen Dialekten, zu denen das Bairische gehöre, zu /ei/ gewandelt worden. Daher „Weiching“, nicht „Woaching“.

Können Bayern kein „ü“ aussprechen?

Analog wurde aus „drî“ später „drei“. Zu weiteren lautlichen Besonderheiten des Bairischen gehört die Unterscheidung zwischen hellem und dunklem a sowie die Existenz eines ungerundeten ü. Oftmals wird behauptet, die Bayern könnten kein /ü/ sprechen; dieses würde stets als /i/ oder /ia/ wie in „Bixn“ (Büchse) und „siaß“ (süß) realisiert. Aber die Ortsnamen Wilharting am Auerberg und Wilparting am Irschenberg heißen „Wülhaschding“ und „Wülparding“, auch „Wülbaschding“. Das /ü/ ist dort allerdings nicht so, wie im Standarddeutschen, gerundet, sondern ungerundet und klingt wie ein sehr kurzes, verdumpftes /i/.

Das könnte Sie auch interessieren: Die besondere bayerische Sprache

Die mundartliche Aussprache biete bis heute die Möglichkeit, auf Fehler in der Schreibung von Ortsnamen hinzuweisen, die besonders im 19. Jahrhundert wohl von ortsfremden Schreibern verursacht worden sind. Dies führte zu irrigen Verschriftlichungen. So trugen Ober- und Unterpremrain lange Zeit die offiziellen Namen „Ober- und Unterbrennrain“. Die Gemeinde Bad Feilnbach hat vor einigen Jahren diese Schreibung rückgängig gemacht. Im Dialekt hieß es stets: „Breemaroa“.

Auch für Sie: „So werd gredt“: 20 Jahre im Einsatz für die bayerische Sprache

Umschreibungen im Mittelalter

Die Herkunft des Namens von Fachendorf in der Berblinger Oberpfarr kam zur Sprache. Analog zu Vachendorf im Landkreis Traunstein ist hier von einem Personennamen Vocho auszugehen. Im zwölften Jahrhundert gab es die Schreibungen Vohendorf und Uohendorf, 1445 Vachendorf. Also: Gehöft des Vocho. (red)

Mehr zum Thema

Kommentare