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Alternativen für Adlfurter Brunnen gesucht

Warum in Tuntenhausen plötzlich 45 Millionen Liter Trinkwasser für 968 Menschen fehlen

Die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Tuntenhausen ist für (von rechts) Bürgermeister Georg Weigl und Bauamtsleiter Bernhard Krichbaumer seit vielen Jahren ein schwieriges Thema.
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Die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Tuntenhausen ist für (von rechts) Bürgermeister Georg Weigl und Bauamtsleiter Bernhard Krichbaumer seit vielen Jahren ein schwieriges Thema.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Die Gemeinde Tuntenhausen muss innerhalb der nächsten drei Jahre für 968 Menschen neue Trinkwasserquellen suchen. Woran das liegt – und was die Kommune jetzt unternimmt.

Tuntenhausen – Am 1. Januar 2026 verliert die Trinkwasserschutzzone am Adlfurter Brunnen ihre Wirkung. Damit gehen 45.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr verloren, die bislang von Adlfurt ins öffentliche Trinkwassernetz der Gemeinde fließen. Das sind etwa 14 Prozent des Trinkwassers, das der Gemeinde bislang für die Versorgung von 1120 Haushalten zur Verfügung steht.

Die Trinkwasserversorgung in der großen Flächengemeinde Tuntenhausen liegt in der Verantwortung der Wasserbeschaffungsverbände Ostermünchen und Umgebung, Schönau-Biberg und Antersberg-Voglried sowie der Gemeinde selbst. Während die Wasserverbände mit fünf Brunnen und zwei Quellen etwa 45 Prozent der Haushalte abdecken, versorgt die Kommune 55 Prozent der Gemeindebürger aus fünf Brunnen. Über ein Leitungsnetz von mehr als 80 Kilometern beliefert sie etwa 1120 Haushalte mit 317.000 Kubikmetern Trinkwasser pro Jahr.

In neun Jahren keine Lösung gefunden

„Wir haben neun Jahre lang nach einer Lösung gesucht“, informiert Bürgermeister Georg Weigl. Durch Pegelbohrungen, Pumpversuche und geologische Untersuchungen wurde festgestellt, dass die notwendige neue Schutzzone II, welche innerhalb des Trinkwasserzustromes von 50 Tagen liegen muss, wesentlich größer ausfallen würde als bisher und somit auch die Schutzzone III.

Die Gemeinde hatte auf eine Ausnahmeregel gehofft, zumindest die Schutzzone III durch vermehrte Beprobungen des Brunnens – beispielsweise alle 30 Tage oder sogar noch öfter – kleiner zu halten, erklärt der Bürgermeister die Idee der Tuntenhausener. Die allerdings war nicht gesetzeskonform und ließ sich nicht umsetzen. „Seit etwa zwei Jahren wissen wir, dass wir nach Alternativen suchen müssen“, so Weigl. In der Gemeinde gebe es zwar große und stabile Grundwasservorkommen. Trotzdem sei es nicht einfach, ausreichend Grundwasser zu finden, das nicht behandelt werden muss.

So hat die Gemeinde beispielsweise etwa 20 Jahre intensiv gesucht, ehe ein geeigneter neuer Standort für einen zusätzlichen Brunnen gefunden wurde. „Aufgrund der bei uns vorhandenen Eiszeit-Endmoränen haben wir hier sehr variierende Untergründe, weshalb sich die Trinkwassersuche sehr schwierig gestaltet“, erklärt Bauamtsleiter Bernhard Krichbaumer die Gründe. 2008 konnte ein neuer Brunnen in der Nähe des Ortsteiles Bach eingeweiht werden. Auch auf ihm ruhen nun die Hoffnungen auf mehr Fördermengen.

Seit einigen Jahren werden auch in der Gemeinde Tuntenhausen die Trinkwasserschutzgebiete und ihre Zustrombereiche überprüft und neu bewertet.

Neun Schutzzonen werden größer

Neun gibt es in der Gemeinde. „Wenn sie alle an die aktuellen Anforderungen angepasst sind, werden sie größer ausfallen“, schätzt Krichbaumer. Eines der Schutzgebietsverfahren ist bereits abgeschlossen – das in Kronau bei Emmering. Danach war die Schutzzone wesentlich größer als zuvor. „Das Schutzgebietsverfahren in Bach läuft nun schon seit 14 Jahren“, verdeutlicht der Bürgermeister die Dauer solcher Verfahren.

Wie also soll es der Gemeinde gelingen, innerhalb von drei Jahren 15 Prozent ihres Trinkwasserbedarfs neu zu generieren? „Es gibt Übergangsfristen, wenn wir es nicht schaffen sollten“, erklärt Weigl. Doch er ist zuversichtlich. Die Gemeinde bemühe sich, die Verfahren in Bach und Eichberg zügig voranzutreiben. „Das ist ein Riesenaufwand – auch finanziell“, sagt Weigl. Eine Bohrung koste zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Wie viele die Gemeinde schon bezahlt oder mitfinanziert hat? „Etwa sieben in zehn Jahren“, schätzt Weigl. Vier weitere stehen in den nächsten Monaten in Kooperation mit dem Wasserbeschaffungsverband Schönau-Biberg an.

45.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr – das sind 45 Millionen Liter – muss die Gemeinde bis 2026 neu beschaffen. Große Hoffnungen setzt sie neben dem Brunnen in Bach auch auf den in Eichberg zwischen Beyharting und Schmidhausen. Das Schutzgebiet läuft 2024 aus. Der Auftrag für Probebohrungen ist schon vergeben.

Hoffen auf größere Entnahmemengen

Sie sollen Auskunft über die Fließgeschwindigkeit des Grundwassers und die mögliche Größe des künftigen Einzugsgebietes geben. „Wir hoffen, dass wir dort dann auch mehr Trinkwasser fördern dürfen“, so der Bürgermeister. Gleichzeitig ist ihm der Interessenskonflikt bewusst: „Ein größeres Schutzgebiet bedeutet mehr Trinkwasser, aber auch mehr Einschränkungen. Wir müssen einen guten Mittelweg finden, wollen das Wasser schützen und dürfen unsere Landwirte nicht zu stark einschränken. Bei diesem Thema gibt es keine Kontrahenten, sondern nur einvernehmliche Lösungen, denn die Qualität unseres Trinkwassers ist allen wichtig. Und unsere Flächen sind nunmal endlich.“

Mit ihren Wasserbeschaffungsverbänden ist die Gemeinde ständig im Gespräch. Möglicherweise hat Schönau-Biberg noch Reserven. „Wir hoffen auch darauf, dass wir von Antersberg-Voglried zusätzliche 20.000 Kubikmeter pro Jahr erhalten, wenn die Quellschüttung in Antersberg ergiebig genug ist“, so Weigl. Wie viel Trinkwasser aus der Quelle in Antersberg, den Brunnen in Bach und Eichberg entnommen werden darf, entscheiden letztlich Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt.

+++ Hier finden Sie Informationen rund ums Trinkwasser in der Region. +++

Das Versorgungsgebiet der Gemeinde Tuntenhausen

Das Versorgungsgebiet der Gemeinde Tuntenhausen erstreckt sich von den Grenzen im Nord-Westen (Bereich Hohenthann) bis zu den Grenzen im Süden (Maxlrain) und im Nord-Osten (Lampferding, Dettendorf). Die Gemeinde versorgt zudem noch Orte im Gemeindegebiet Emmering, Verwaltungsgemeinschaft Assling (Kronau, Angelsbruck, Ried) und der Stadt Bad Aibling (Wilpasing).

Neun Trinkwasserschutzzonen gibt es in der Gemeinde Tuntenhausen. Auf der Grafik ist nur das im Bereich Emmering schon an die neuen Standards angepasst.

Diese Versorgung außerhalb der Gemeindegrenze kommt teils aus der Zeit vor der Gebietsreform, denn Kronau und Angelsbruck gehörten früher zur ehemaligen Gemeinde Lampferding, welche im Zuge der Gebietsreform in den 70er-Jahren geteilt wurde.

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