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Lkw-Dossierung auf der A93

„Eine Katastrophe“: Warum die Blockabfertigung auch Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste belastet

Die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste werden bei jeder Blockabfertigung aufs Neue gefordert.
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Die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste werden bei jeder Blockabfertigung aufs Neue gefordert.
  • Julian Baumeister
    VonJulian Baumeister
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Die Blockabfertigung im Inntal belastet die Einsatzkräfte rund um die Autobahnen in der Region, da es dort auch immer wieder zu schweren Verkehrsunfällen kommt. Für die haupt- und ehrenamtlichen Retter bedeutet das in vielen Fällen mehr Arbeit und vor allem mehr Risiko. Nicht selten führt die Lkw-Dossierung auch zu lebensgefährlichen Situationen.

Rosenheim/Brannenburg – „Wenn der Piepser losgeht, hofft man nur, dass es nicht schon wieder zur Autobahn geht“, sagt Richard Schrank, Kreisbrandrat für Rosenheim. Seit Montag (23. Mai) lässt Österreich im Zuge der Blockabfertigung nur vereinzelt Lkw über die Grenze.

Die Folge können kilometerlange Staus auf den Autobahnen in der Region sein. Diese führten bei früheren Blockabfertigungen immer wieder zu schweren Unfällen. Was im Umkehrschluss bedeutet: Mehr Arbeit, mehr Risiko und eine größere Belastung für die Einsatzkräfte der Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste entlang der Inntalautobahn und der A8.

Nur Termine mit Nähe zur A93 und A8

„Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert, ist bei der Blockabfertigung sehr groß“, sagt Schrank. Vor allem das Stauende und Baustellen seien Auslöser für Kollisionen. „Bei der Feuerwehr freut sich keiner auf die Wochen mit Blockabfertigungen, da du immer mit Einsätzen von hohen Blechschäden bis hin zu Todesfällen rechnen kannst.“

Über 30 Feuerwehren entlang der beiden Autobahnen würden dem Autobahnalarmplan in der Region angehören. „Die Alarmbereitschaft ist höher als sonst“, sagt der Kreisbrandrat. Er persönlich müsse in einer Woche wie dieser, andere Außentermine verschieben, oder zumindest so legen, dass er schnell auf die Autobahn kommen würde. „Die Terminplanung, manchmal auch die private, an die Tage der Blockabfertigung anzupassen und die Erwartungshaltung, dass was passiert, ist belastend“, stellt Schrank fest.

Auch für die Beamten der Verkehrspolizei sind die momentanen Tage „kräftezehrend und belastend“, wie Patrick Scholz von der Rosenheimer Dienststelle bestätigt. „Die Schicht beginnt allerspätestens um 5 Uhr morgens“, sagt Scholz. Zusätzlich müssten in dieser Zeit mehr Beamte als sonst eingesetzt werden. „Die Blockabfertigung verschlingt Personal“, sagt Scholz, „da die normale Arbeit ja auch noch erledigt werden muss“.

Hohes Risiko für Polizeibeamten

Ganz zu schweigen von dem erhöhten Risiko für die Beamten bei Einsätzen auf einer verstopften Autobahn. „Man beginnt die Schicht mit einem mulmigen Gefühl, wenn man an die hässlichen Bilder der vorangegangen Unfälle denkt“, sagt Scholz, „sowas sieht bei uns niemand gerne.“

Es wäre auch schon mal vorgekommen, dass bei der Anfahrt zum Unfallort die Dienstfahrzeuge von anderen Fahrzeugen im Stau touchiert wurden. Vor allem pausierende Lkw auf dem Standstreifen würden oft zu Problemen führen. „Ansonsten klappt die Rettungsgasse aber ganz vernünftig“, stellt Scholz fest. „Irgendwie werden wir auch diese Termine ganz gut rumbekommen“, sagt der Verkehrspolizist.

Anders sieht die Lage in den anliegenden Gemeinden wie Brannenburg, Flintsbach am Inn oder Kiefersfelden aus. „Es ist eine Katastrophe“, sagt Hans Buchberger, erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Degerndorf bei Brannenburg. „Durch den ganzen Stau ist das Dorf komplett dicht und wir kommen gar nicht ans Feuerwehrhaus“, sagt der Floriansjünger, „das ist dramatisch, wenn du eigentlich zu einem Unfall ausrücken musst.“ Auch die Zufahrten zu den Autobahnen seien durch die Mengen von Lkw versperrt. „Wenn wir uns da durchquetschen, geht schon mal ein Spiegel an den Einsatzwagen kaputt“, sagt Buchberger.

Das Verständnis für die ehrenamtlichen Retter sei bei deren Arbeitgeber bis jetzt auch noch vorhanden, wenn sie zu einem Unfall während der Arbeitszeit ausrücken müssen. „Da sagt niemand was, wenn wir mal kurzfristig wegmüssen“, stellt Buchberger fest. Auch während der unfallträchtigen Blockabfertigung. „Bei einem Unfall wird halt die Feuerwehr gebraucht“, sagt Buchberger.

Bei Unfällen auf der Autobahn wird meistens auch der Rettungsdienst gebraucht. Allerdings sei die Stimmung bei den Rettungsdiensten „nicht wirklich gut“, wenn die nächste Lkw-Dossierung ansteht. „Da heißt es bei uns nur: Nicht schon wieder, das kann lustig werden“, sagt Markus Eichschmid von der Ambulanz Rosenheim, die ihren Sitz in Kiefersfelden hat.

Zufahrt zu Unfällen immer schwieriger

Das eine Problem ist, dass viele Kollegen durch die Staus zu spät zum Dienstbeginn kommen, sagt Eichschmid. Dadurch würden die Schichten von den vorherigen Besatzungen länger dauern Ein belastender Zustand, vor allem bei mehrtägigen Blockabfertigungen.

Auf der anderen Seite gäbe es Verzögerungen bei den Anfahrten zu Unfällen. „Wenn die Auffahrten zu den Autobahnen dicht sind und es sich auf den Umgehungsstraßen staut, wird es schwierig.“

Das Problem der verlängerten Anfahrt würde nicht nur die Unfälle auf der Autobahn betreffen, sondern auch alle anderen Notfälle wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle, bei denen jede Sekunde zählt. Wenn aufgrund der Blockabfertigung ein Umweg gefahren werden muss, kann es schon mal „kritisch werden“.

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