Blockabfertigung: Mit 80 über die A93, auch bei wenig Verkehr? Lösung für Problem in Sicht

Nicht viel los in beiden Richtungen auf der A93, hier dieser Tage bei Reischenhart. Und dennoch gilt bei Blockabfertigung in Tirol Tempo 80 im Inntal – auch ohne Baustelle.
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Nicht viel los in beiden Richtungen auf der A93, hier dieser Tage bei Reischenhart. Und dennoch gilt bei Blockabfertigung in Tirol Tempo 80 im Inntal – auch ohne Baustelle.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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In Tirol ist Blockabfertigung und im oberbayerischen Inntal werden Autofahrer auf 80 Kilometer pro Stunde abgebremst. Ganz egal, ob die rechte Spur voller Laster steht oder nicht. Was bei immer mehr Autofahrern auf Unverständnis stößt. Aber: Es deutet sich eine Lösung für dieses Problem an.

Rosenheim/Kiefersfelden –„Bei uns geht automatisch die Anordnung von Tempo 80 sowie für ein Überholverbot für Lkws hinaus, wenn uns das Land Tirol Blockabfertigung auf der Inntal-Autobahn meldet“, sagt Katharina Holzapfel von der Autobahndirektion Südbayern. Schlicht, um die Gefahr auf der zweispurigen A 93 zu mindern.

Silberstreif für Schilderbrücken

Es gibt aber einen Silberstreif am Horizont: Laut Holzapfel hat die Autobahndirektion Südbayern eine Vorplanung für eine „Verkehrsbeeinflussungsanlage“ an das bayerische Verkehrsministerium geschickt. Verkehrsbeeinflussungsanlage (VBA) ist der Fachterminus für das, was in der breiten Öffentlichkeit „Schilderbrücke“ heißt. Eine Anlage aus mehreren digitalen Schilderbrücken also, mit der das Tempolimit auf einem Autobahnabschnitt flexibel auf die Verkehrslage angepasst werden kann.

Das Geld für die Anlage auf der A93 kommt aus Berlin

Bis dahin brauchen aber alle Beteiligten Geduld, denn die Planung muss von München erst ins Bundesverkehrsministerium, in Berlin abgenickt und finanziert werden, bevor die erste Schaufel Erde bewegt werden kann. „Zwei bis drei Jahre“, werde es laut Holzapfel sicher noch dauern bis die Umsetzung beginnen könne..

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Natürlich seien Schilderbrücken von Vorteil und wünschenswert, so Bernd Emmrich vom ADAC. Allerdings seien die nicht aus der Portokasse zu bezahlen. „Da reden wir schon für den Bau von einem Millionenbetrag. Und die Wartung ist auch nicht umsonst.“

Flexible Steuerung auf der A93 gewünscht

Der langjährige Stauberater des ADAC findet Geschwindigkeitsbeschränkungen bei der Blockabfertigung sinnvoll, „vor allem, wenn sich die Lkws bei hohem Verkehrsaufkommen mal wieder bis auf die A 8 zurückstauen“, wünscht sich aber mehr Flexibilität.

Die begrüßte auch Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber, erklärtermaßen kein Fan der Blockabfertigung, weil die Tiroler so die Probleme mit dem Verkehrsfluss schlicht auf den bayerischen Teil des Inntals verlagerten. Da könne eine flexiblere Lösung möglicherweise Besserung bringen.

Weiter mit 80 durch das Inntal

Die lässt aber noch eine Weile auf sich warten. Denn wollte man beim aktuellen Stand der Technik flexibel auf das Verkehrsaufkommen reagieren, hieße das reichlich Arbeit für die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei: Die müssten Dauer-Streife fahren, das Verkehrsaufkommen beobachten und die Geschwindigkeitsbegrenzungen gegebenenfalls von Hand ändern. Unrealistisch.

Vorerst bleibt es also bei Blockabfertigung bei Tempo 80 auf den knapp 30 Kilometern zwischen Inntaldreieck und Grenze Kiefersfelden. „Ich kann jeden Autofahrer verstehen, der da genervt ist“, sagt Emmrich. Das kann Gruber auch – und gibt freimütig zu, dass es ihm auch so geht, wenn er von Rosenheim nur mit 80 nach Hause fahren kann. „Ich sehe aber auch die andere Seite, nämlich dass das Inntal bei langsamerem Verkehr weniger belastet wird.“

Gleich hinterm Dreieck interessiert‘s nicht

Ein Punkt, den sein Kollege weiter nördlich im Inntal vermutlich unterschriebe. Allerdings gibt Brannenburgs Bürgermeister Matthias Jokisch amüsiert zu, die Geschwindigkeitsbegrenzung bei Blockabfertigung noch gar nicht registriert zu haben. Zum einen wegen der aktuellen Baustelle auf „seinem“ Abschnitt der A 93, zum anderen, weil er offensichtlich, wie die meisten Brannenburger, über die Staatsstraße fährt, nicht über die staugefährdete Autobahn.

Wohl dem, der das kann. Alle anderen brauchen noch ein paar Jahre Geduld, bis die Schilderbrücken der VBA eine flexiblere Verkehrslenkung auf der deutschen Seite einer der meistbefahrenen Nord-Süd-Verbindungen Europas ermöglichen.

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